Nach Aventura-Aus: Neue Hoffnung

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Neue Hoffnung hat Bürgermeister Erwin Rinner, was die Entwicklung auf dem rund 34.000 Quadratmeter großen Areal an der Autobahn betrifft, auf dem einst das Aventura-Einkaufszentrum gebaut werden sollte.

Kiefersfelden - Nach dem Aventura-Aus hat die Unterberger Immobilien GmbH als Investor neue Pläne für die Vermarktung des Grundstücks vorgelegt.

Nach dem Aus für das Einkaufs- und Erlebniszentrum Aventura in Kiefersfelden, das auf einem rund 34.000 Quadratmeter großen Areal in Autobahnnähe entstehen hätte sollen, hat die Unterberger Immobilien GmbH als Investor neue Pläne für die Vermarktung des Grundstücks vorgelegt. Angedacht ist jetzt ein Wirtschaftspark, zu dem unter anderem ein Hotel gehören soll.

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„Konfliktfrei“ heißt das Stichwort, welches Hans Lindenberger immer wieder in den Mund nimmt, wenn er die neuen Planungen erläutert. Lindenberger war von 2003 bis 2008 Landesrat für Verkehrsfragen und Umweltpolitik in Tirol – die Funktion entspricht der eines bayerischen Ministers – und vertritt jetzt als selbstständig arbeitender Projektmanager die Interessen des Investors, dem die Entwicklung des Grundstücks weiterhin ein wichtiges Anliegen sei. Weil das Aventura-Projekt letztlich wegen der Größe der vorgesehenen Verkaufsflächen an den Vorgaben des Landesentwicklungsplans (LEP) gescheitert war, will Lindenberger darauf achten, dass beispielsweise jeder der nunmehr vorgesehenen Fachmärkte eine Netto-Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern aufweist. Eine Größe, die mit den Vorgaben des LEP konform geht und ein Raumordnungsverfahren, wie es für das Aventura-Projekt nötig war, vermeiden hilft.

Auf vier Säulen soll der „Wirtschaftspark Kiefersfelden“ (WIPA) stehen, auf dem auch viele Hoffnungen von Bürgermeister Erwin Rinner ruhen. „Der würde gut zu uns passen“, ist er sich im Grundsatz mit dem Gemeinderat einig, dem der Investor die neuesten Planungen hinter verschlossenen Türen bereits erläutert hat. Sie sehen neben diversen Fachmärkten unter anderem ein Hotel im Bereich des „Billig-Segments“ mit rund 100 Betten vor, beinhalten sogenannte System-Gastronomie (Schnellrestaurants) und integrieren Tourismus-Werbung in Form einer Anlaufstelle für die Kaiserreich-Region. Was die Anzahl der geplanten Fachmärkte und die ins Auge gefasste Gesamtverkaufsfläche betrifft, hüllt man sich auf Investorenseite gegenüber der Öffentlichkeit noch in Schweigen. Vieles sei noch im Fluss, begründet Lindenberger diese Zurückhaltung.

Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat gegenüber dem OVB bestätigt, dass ihm die Unterberger Immobilien GmbH eine „neue Projektskizze“ vorgelegt und die Gemeinde Kiefersfelden weitere Unterlagen zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans eingereicht habe. Diese würden derzeit geprüft, Aussagen zu dem Projekt könnten deswegen noch nicht gemacht werden, so eine Ministeriumssprecherin.

Hans Lindenberger ist dennoch zuversichtlich, dass der Investor dem Ministerium diesmal keinen Ablehnungsgrund an die Hand gibt, und baut auf die Unterstützung der Gemeinde im weiteren Verfahren. Die dürfte ihm gewiss sein. Bürgermeister Erwin Rinner hat bereits signalisiert, dass auch die Neuplanung der Magnetfunktion entspreche, die man sich von der Entwicklung des Grundstücks erhoffe. „Mir geht es um die Stärkung von Kiefersfelden“, sagt Rinner, der sich mit dem Projektmanager in der Beurteilung einig ist, dass auch das angedachte Hotel einen Gewinn für den Ort darstellt. „Bei bis zu 70.000 Fahrzeugen, die täglich hier vorbeifahren, ist so ein Projekt dringend nötig“, ist Hans Lindenberger überzeugt.

Seine Vorstellungen vom Zeitplan für das weitere Vorgehen sind bereits sehr konkret. Zunächst wolle man die nötige Änderung des Flächennutzungsplans rasch vorantreiben und nach Möglichkeit im Frühjahr 2013 ins Bauleitverfahren einsteigen. Ein zügiges Vorankommen wünscht sich auch der Bürgermeister. Er kündigte an, die Änderung des Flächennutzungsplans komme bereits bei der nächsten Sitzung des Gemeinderates am 20. Juni auf die Tagesordnung.

Im Landratsamt hat man – ebenso wie bei der Stadt Rosenheim – noch keine offizielle Kenntnis von der Neuplanung. Oliver Winter, der Büroleiter von Landrat Josef Neiderhell, weist darauf hin, dass das Landratsamt „keine gestalterische Handhabe“ habe, wenn die neuen Pläne mit den Zielen der Landesentwicklung konform gingen. „Wir sind dann lediglich im üblichen Rahmen im Bebauungsplanverfahren eingebunden“, sagt Winter. Dass sich die Gemeinde wohl auch des Wohlwollens der Kreisverwaltung sicher sein darf, wenn sie den Investor in seinem Ansinnen unterstützt, lässt Neiderhells Büroleiter indirekt durchblicken. „Nach dem Aus für das Aventura-Einkaufszentrum hat der Landrat ja empfohlen, dass sich Kiefersfelden um ein raumordnerisch genehmigungsfähiges Projekt auf diesem Grundstück bemühen soll.“

Trick landesplanerisch nicht hinnehmbar

Ob auch Widerstand gegen den Wirtschaftspark zu erwarten ist, kann Thomas Bugl, der Wirtschaftsdezernent der Stadt, nicht sagen. "Wir kennen die überarbeitete Planung nicht und können deswegen auch ihre raumordnerische Relevanz nicht beurteilen." Schon aus "nachbarschaftlicher Solidarität" habe die Stadt jedoch stets eine positive Entwicklung in Kiefersfelden begrüßt, "wenn sie aus Sicht der Raumordnung verträglich ist". Sollte diese Verträglichkeit jetzt allerdings nur durch den Trick erzielt werden, mit allen Einzelprojekten unter 800 Quadratmetern Netto-Verkaufsfläche zu bleiben, sei dies landesplanerisch eigentlich nicht hinnehmbar. Die Stadt Rosenheim habe aber immer gesagt, dass sie sich ein Hotel und eine gastronomische Nutzung auf diesem Areal sehr gut vorstellen könne, so der Wirtschaftsdezernent weiter.

Norbert Kotter (Oberbayerisches Volksblatt)

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