Nach Corona-Ausbruch

Besuchsverbot im Caritas-Altenheim in Kiefersfelden: Bewohner und Angehörige leiden

Zweite Corona-Impfung in Pflegeheim (Symbolbild).
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Zweite Corona-Impfung in Pflegeheim (Symbolbild).

Mitte Dezember ist es im Caritas-Altenheim St. Peter in Kiefersfelden zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Die Folge: Besuchsverbot. Darunter leiden Bewohner und Angehörige in gleichem Maße. Angela Bauer (60) aus Kiefersfelden hat seit zwei Monaten ihre Mutter nicht mehr besuchen können.

Kiefersfelden – Seit dem massiven Corona-Ausbruch Mitte Dezember ist das Caritas-Altenheim St. Peter in Kiefersfelden schwer gebeutelt: Von gut 90 Bewohnern sind 45 positiv auf Corona getestet worden, davon elf verstorben. Seither ist das Heim abgeschottet, die Bewohner stehen unter Quarantäne. Nicht nur für die Bewohner eine schwierige Situation – auch für die Angehörigen.

Seit Angela Bauer (60) ihre 84-jährige Mutter das letzte Mal gesehen hat, ist schon eine Weile vergangen – fast zwei Monate. Justine Bauer, so der Name der Mutter, ist Bewohnerin des Caritas-Altenheims St. Peter in Kiefersfelden. Bislang war immer alles fein. „Das Personal ist klasse“, lobt Angela Bauer. Sie und ihre beiden Brüder hätten fünfmal die Woche ihre Mutter besucht. Doch seit dort Mitte Dezember Corona-Fälle aufgetreten sind, herrscht ein komplettes Besuchsverbot. Im November gab es bereits ein eingeschränktes Verbot nach einzelnen Corona-Infektionen. „Wir können nicht mehr hin“, klagt Bauer. Die Folge: Ihre Mutter baue geistig zunehmend ab. „Teilweise ist sie nicht mehr ansprechbar.“

Covid-19 überlegt, jetzt Einsamkeit

Auch die Mutter sei an Corona erkrankt, habe aber keinerlei Symptome gezeigt. „ Sie hatte Glück“, sagt Bauer. Jetzt aber leide die Mutter stattdessen an Einsamkeit. Warum man die Bewohner fast zwei Monate lang in völliger Isolation lässt, versteht die Kiefersfeldenerin nicht: „Die Leute werden entmündigt und nicht in die Maßnahmen mit eingebunden.“ Zwar wisse sie, dass man sich über das Besuchsverbot, das das Gesundheitsamt erlassen hat, nicht hinwegsetzen könne.

Aber, kritisiert sie, es würden auch keine anderen Lösungen oder Konzepte erarbeitet, die es den Angehörigen ermöglichen, die Bewohner zu sehen. Überdies bemängelt Bauer, dass ein direkter Ansprechpartner fehle, weil der Heimleiter seit Mitte Dezember im Krankenstand sei. „Niemand ist greifbar. Das ist kein Zustand in der Corona-Zeit.“

Die vorübergehende Leitung übernimmt seither Clemens Kraus, Bereichsleiter der Caritas-Altenheime in Stadt und Landkreis Rosenheim. Und dieser widerspricht dem Vorwurf, dass das Haus führungslos sei: „In der Besetzung gab es in keiner Weise eine Lücke.“

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Und was das Besuchsverbot angeht, sagt Kraus: „Wir sind nur ausführendes Organ. Wir haben keine Möglichkeit, von dem Verbot abzuweichen.“ Nach dem Corona-Ausbruch im Dezember sind bis dato 45 Bewohner positiv auf das Virus getestet worden (Stand 14. Januar). Die aktuelle Bilanz: Zehn sind inzwischen wieder genesen, 24 noch infiziert, elf verstorben. Auch 20 von rund 100 Mitarbeitern waren infiziert. Dank der „guten ärztlichen Unterstützung“ und der Mithilfe des Katastrophenschutzes konnten Kraus zufolge Krankenhauseinweisungen verhindert werden.

Für die emotionalen Reaktionen mancher Angehörigen hat Kraus Verständnis: „Die Situation ist total schwierig und ich höre die Sorgen raus. Aber was soll ich tun?“ Jeder Kontakt sei für die Bewohner eine potentielle Ansteckungsgefahr und im Moment seien alle Stockwerke betroffen. Der Bereichsleiter steht in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Sobald ein Stockwerk „infektionsfrei“ sei, würde er sich mit der Behörde in Verbindung setzen und sich um Ausnahmegenehmigungen für die Besucher bemühen.

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Wie Ina Krug, Pressesprecherin des Landratsamtes, auf Nachfrage mitteilte, ist eine Lockerung des Besuchsverbotes wohnbereichs- beziehungsweise stockwerkbezogen möglich, sobald sich die Quarantäneanordnung nicht mehr auf das gesamte Haus ausdehne. Da sich die positiven Fälle aktuell aber noch auf verschiedene Wohnbereiche der Einrichtung erstrecken, könne die Quarantäne für die Einrichtung sowie das Besuchsverbot noch nicht aufgehoben werden. In der Zwischenzeit gebe es die Möglichkeit, die Bewohner via Skype zu sehen, sagt Kraus. Da das Altenheim personell mittlerweile wieder gut aufgestellt sei, könnten die Mitarbeiter dabei behilflich sein.

Skype als Zwischenlösung

Auch Angela Bauer hat bereits eine virtuelle Lösung gefunden – aber das sei keine zufriedenstellende. Seit dem 13. November haben sie und ihre Brüder ihre Mutter nur noch zweimal besuchen können. „Das alles verwirrt sie, weil wir nur noch ganz sporadisch auftauchen.“

Auch Weihnachten sei die 84-Jährige alleine gewesen. Sie tue sich schwer, Bekanntschaften zu schließen. „Sie hat hier keine Schulfreunde“, sagt Bauer. Deshalb hofft sie, dass bald wieder Besucher zugelassen werden. Ein Lichtblick könnte sich mit der Corona-Impfung auftun: Laut Kraus wartet man in St. Peter allerdings noch auf einen Termin. Von den Senioren ist demzufolge bislang noch keiner geimpft worden, aber die Hälfte würde für eine Impfung bereitstehen.

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