"Bitte nehmt eure Hunde an die Leine"

Dalmatiner reißt Rehkitz in Kiefersfelden - Jägerin mit Appell an Hundehalter

Dalmatiner reißt Rehkitz in Kiefersfelden - Jägerin mit Appell an Hundehalter
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Dieses kleine Rehkitz fiel einem nicht angeleinten Dalmatiner zum Opfer

Kiefersfelden - Am Dienstag, den 26. Mai hat ein Dalmatiner in Kiefersfelden ein kleines Rehkitz gerissen. Die zuständige Jägerin hat einen dringenden Appell an die Hundehalter.

"Bitte nehmt eure Hunde in der Zeit von Anfang April bis Juli an die Leine" wendet sich eine Jägerin aus Kiefersfelden im Gespräch mit rosenheim24.de an die Öffentlichkeit. Hintergrund ist ein trauriges Ereignis, das sich am Dienstag im Zuständigkeitsbereich der Jägerin von der Jagdgenossenschaft Kiefersfelden ereignet hat.

Ein nicht angeleinter Dalmatiner, der mit seiner Halterin unterwegs gewesen ist, hat ein Rehkitz angefallen und es getötet. "Er ist dann auch noch das Muttertier angegangen", sagt die Jägerin. "Da kann der Hund gar nichts dafür. Die Hunde handeln einfach nach ihrem Instinkt, da kommt der Jagdtrieb durch, auch bei einem Familienhund wie einem Dalmatiner."

"Leinenpflicht interessiert leider nur sehr wenige"

Hundehaltungsverordnung der Gemeinde Kiefersfelden 

Im Bereich in dem das Kitz gerissen wurde, herrscht eigentlich Leinenpflicht. "Das interessiert aber leider nur sehr wenige." Dass ein Hund einem Reh in ihrem Gebiet einmal hinterherläuft komme öfter vor, dass aber ein Kitz getötet wird, sei das erste Mal. "Die Halterin hat bestimmt nicht daran gedacht, dass ihr Hund ein Rehkitz reißen wird." Dennoch hätte man das anzeigen können. Von einer Anzeige sieht die Jagdgenossenschaft derzeit aber noch ab. "Ob die Polizei selbst das zur Anzeige bringt weiß ich nicht", so die Jägerin.

"Man muss dazu sagen, dass das führen ohne Leine ein Bußgeldverfahren nach sich ziehen würde und wenn ein Hund ein Kitz reißt, dann ist das Wilderei." Wer Hunde in einem Jagdrevier "unbeaufsichtigt" frei laufen lässt, begeht laut Bayerischem Jagdgesetz eine Ordnungswidrigkeit. Diese kann mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro belegt werden. Außerdem dürfen im Bestand gefährdete oder bedrohte Wildarten nicht "beunruhigt" werden – beispielsweise indem sie an Zuflucht-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten gestört werden. Das teilt Martin Hecht, Pressesprecher des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gegenüber dem BR mit.

Jäger darf den Hund im Extremfall sogar erschießen

Hundehalter haben also dafür zu sorgen, dass ihr Hund nicht wildert. Passiert das trotzdem, darf der Jäger den Hund erschießen. Das regelt der sogenannte "Jagdschutzparagraph" im Bayerischen Jagdgesetz. Demzufolge ist der Jäger verpflichtet, das Wild in seinem Revier zu schützen. Wildernde Hunde darf der Revierinhaber deshalb unter bestimmten Bedingungen töten.

Was tun, wenn ein Hund auf ein Kitz losgeht?

"Die Rehe legen ihre Kitze in der Wiese im hohen Gras ab, wo die dann etwa vier bis fünf Wochen lang alleine liegen bleiben. Die haben noch keinen Fluchtreflex, die bleiben da einfach", erklärt die Kiefersfeldenerin. "Die Mutter kommt etwa fünf, sechs Mal am Tag zu ihm, um es zu füttern und zu versorgen, ist aber immer in der Nähe, aber nicht am Kitz direkt." Deswegen sei es auch nicht nur im Bereich eines Waldes nötig, den Hund an die Leine zu nehmen.

Wenn der eigene Hund ein Rehkitz angegangen ist, dann solle man bitte immer die Polizei rufen, die dann den zuständigen Jäger kontaktiert, so die Jägerin. "Wenn der Hund schon dort war, das Rehkitz nimmt sofort den Geruch an und die Mutter geht nicht mehr hin." 

jb

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