Hier soll (immer noch) WIPA entstehen

Wie sieht der Blick in die Zukunft aus? Bürgermeister Erwin Rinner schaut auf das rund zehn Hektar große Areal nördlich des Autobahnzubringers bei Kiefersfelden, auf dem nach den Vorstellungen der Gemeinde unter anderem der Wirtschaftspark entstehen soll.
+
Wie sieht der Blick in die Zukunft aus? Bürgermeister Erwin Rinner schaut auf das rund zehn Hektar große Areal nördlich des Autobahnzubringers bei Kiefersfelden, auf dem nach den Vorstellungen der Gemeinde unter anderem der Wirtschaftspark entstehen soll.

Kiefersfelden - Die Unterberger Liegenschaftsentwicklungs GmbH hat nach wie vor großes Interesse daran, nach dem Aus für Aventura einen Wirtschaftspark (WIPA) auf dem Areal zu errichten.

Zu diesem Wirtschaftspark soll auch ein Hotel gehören. Dies betonte der ehemalige Tiroler Landesrat für Verkehrsfragen und Umweltpolitik, Hans Lindenberger, im Gespräch mit dem OVB. Er vertritt die GmbH als Projektmanager.

Lesen Sie auch:

Nach Aventura-Aus: Neue Hoffnung

Aus für Aventura in Kiefersfelden

Für die Pläne, die die GmbH in der Grenzgemeinde hat, spiele laut Lindenberger die Tatsache keine Rolle, dass sich für den Investor jetzt möglicherweise die Chance bietet, das Aventura-Projekt nahe der Autobahnausfahrt Neukirchen im Landkreis Traunstein zu verwirklichen. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", so Lindenberger.

Bürgermeister Erwin Rinner bestätigt, dass der Projektmanager mit der Gemeinde weiterhin in regelmäßigem Kontakt stehe und gelegentlich auch zu den Sitzungen des Gemeinderates komme, wenn das WIPA-Projekt auf der Tagesordnung steht. Für Lindenberger ist klar ersichtlich, dass die Gemeinde für die Fläche in der Nähe des Autobahnzubringers eine langfristige gewerbliche Nutzung anstrebt - auch mit Blick auf eine mögliche Straßenverbindung von dem Gewerbe-Areal bis hin zum Hödenauer See. Deshalb sei das Interesse der GmbH, hier als Investor aufzutreten, nach wie vor ungebrochen, auch wenn sie derzeit nicht aktiv sei. "Wir warten jetzt erst einmal die Entscheidungsprozesse für die notwendigen Flächenwidmungen ab", sagt Lindenberger.

Diese Prozesse will die Gemeinde möglichst rasch vorantreiben. Um der erforderlichen Änderung des Flächennutzungsplans Rechtskraft verleihen zu können, ist zunächst die Herausnahme des vom Investor benötigten Areals aus dem Landschaftsschutzgebiet Inntal Süd erforderlich. Was den WIPA betrifft, geht es konkret um eine Fläche von 34000 Quadratmetern, die auch für das Aventura-Projekt benötigt worden wären. Um weitere Flächen für künftige Gewerbe-Ansiedlungen vorrätig zu haben, wünscht die Gemeinde nach Angaben von Bürgermeister Erwin Rinner die Herausnahme von insgesamt zehn Hektar Fläche, die südlich des Autobahnzubringers liegen, aus dem Landschaftsschutzgebiet. Südlich des Zubringers will die Gemeinde weitere vier Hektar Gewerbegrund ausweisen. Dieses Areal liegt jedoch nicht im Landschaftsschutzgebiet. Einer Straße, die durch das geplante Gewerbegebiet zum Hödenauer See führt, gewinnt Rinner nicht nur Bedeutung für die Zufahrt zu den Betrieben ab. "Da könnten wir den See, der ja ein Anziehungspunkt für Wasserskifahrer ist, ebenfalls vernünftig erschließen."

Der Antrag auf Herausnahme liegt nach Auskunft von Oliver Winter, dem Büroleiter von Landrat Josef Neiderhell, dem Landratsamt bereits vor. Das Verfahren werde nach Winters Einschätzung im Frühjahr eröffnet. Ein Antrag auf die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans liege noch nicht vor.

Am 12. Dezember vergangenen Jahres hat der Gemeinderat von Kiefersfelden diese Änderung für die insgesamt 14 Hektar zwischen der Bahnlinie und der Inntal-Autobahn beschlossen. Seit Beginn dieser Woche liegt der Planänderungsentwurf im Rathaus aus und kann im Rahmen der sogenannten Öffentlichkeitsbeteiligung noch bis 11. Februar eingesehen werden. Auch Einwendungen gegen die Absicht der Gemeinde, die im Verlauf des weiteren Verfahrens gewürdigt werden müssen, können in dieser Zeit vorgebracht werden. Parallel dazu hat die Gemeinde auch die Behördenbeteiligung eingeleitet und unter anderem die Regierung von Oberbayern in deren Eigenschaft als höhere Landesplanungsbehörde um eine Stellungnahme gebeten.

Dieser Sachstand ist auch dem Bayerischen Wirtschaftsministerium bekannt, wie eine Sprecherin des Hauses bestätigte. Bewertungen zur Bauleitplanung und zu Investoreninteressen will das Ministerium derzeit nicht abgeben.

Wie berichtet, hatte es mit Bescheid vom 13. März 2012 das Aventura-Projekt vor allem deshalb abgelehnt, weil es wegen der Größe der vorgesehenen Verkaufsflächen nicht den Vorgaben des Landesentwicklungsplans (LEP) entsprach. An der ablehnenden Haltung konnte seinerzeit auch die Tatsache nicht rütteln, dass die Gemeinde mit einem sogenannten Zielabweichungsverfahren versucht hatte, doch noch grünes Licht für die Errichtung des Einkaufs- und Erlebniszentrums zu bekommen.

Auf das Nein des Wirtschaftsministeriums hat der Investor reagiert und für den WIPA beispielsweise nur noch Fachmärkte vorgesehen, die maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche aufweisen. Diese Größe geht mit den LEP-Vorgaben konform und hilft, ein Raumordnungsverfahren zu vermeiden, wie es für den Aventutra-Park erforderlich gewesen wäre.

Dem Interesse von Firmen, sich im WIPA niederzulassen, habe das keinen Abbruch getan, sagt Hans Lindenberger. "Wir haben jede Menge Anfragen und registrieren auch große Aufmersamkeit für das Hotel." Gedacht ist an ein Haus im Billigsegment, das rund 100 Betten aufweisen soll.

Norbert Kotter/Oberbayerisches Volksblatt

Kommentare