Protest: Brennerzulauf nur über Tunnel

Kiefersfelden - Protest regt sich in Kiefersfelden gegen einen oberirdischen Brenner-Zulauf nach Bekanntwerden des Vertragsabschlusses für den Bau des Brenner-Basistunnels.

In einem Eilbrief an die Deutsche Bahn AG hat die Gemeinde ihre Forderung nach einem regionalen Bahn-Entlastungstunnel erneuert.

Begründet wird dieses Verlangen unter anderem damit, dass der kostenträchtige milliardenschwere Brenner-Basistunnel wohl unter betriebswirtschaftlichen Aspekten geführt werden müsse und sich daraus eine weit stärkere Frequentierung auf der nördlichen Zulauf-strecke ergebe. Dies aber führe in Folge zu weiteren unzumutbaren Lärm-immissionen für die Wohnbevölkerung, wird argumentiert. Mit Nachdruck verlangt die Gemeinde Kiefersfelden, besonders wegen ihrer Lage an der topografisch engsten Stelle im oberen Inntal weiter, in die Planungen der Deutschen Bahn frühzeitig eingebunden zu werden.

Die Antwort der DB, die in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats der öffentlichkeit bekannt gegeben wurde, lässt jedoch viele Fragen offen, gibt aber Hinweise, dass auf die bestehende Inntalstrecke künftig noch mehr Verkehr verlagert werden kann. Die Deutsche Bahn AG hat der Gemeinde mitgeteilt, dass in einer gemeinsamen Absichtserklärung die Verkehrsminister der Länder von Italien, österreich und Deutschland vereinbart haben, dass im Zuge der Realisierung des Brenner-Basistunnels auch die nördlichen und südlichen Zulaufstrecken bedarfs- und termingerecht ausgebaut werden. Damit soll spätestens mit Fertigstellung des Tunnels ein leistungsfähiger durchgängiger Schienenkorridor zwischen München und Verona gewährleistet werden.

Mit dem viergleisigen Ausbau des Tiroler Unterinntals zwischen Radfeld und Baumkirchen werde ein derzeitiger Engpassabschnitt in österreich beseitigt. Bereits mit den 2001 abgeschlossenen Ausbauarbeiten sei die Leistungsfähigkeit der Strecke München-Rosenheim-Kiefersfelden-Grenze deutlich erhöht worden. Die Kapazität im Abschnitt Rosenheim-Kiefersfelden-Grenze betrage 260 Züge pro Tag und werde derzeit nur teilweise ausgelastet. Um festzustellen, ob darüber hinaus weiterer Ausbaubedarf auf dieser Achse bestehe, werde derzeit seitens des Bundesverkehrsministeriums der Raum München/Salzburg/Kufstein im Rahmen einer überprüfung des Bundesverkehrswegeplans (Bedarfsplan Schiene) im Lauf dieses Jahres näher untersucht.

Im Gegensatz zum südlichen Zulauf handle es sich in diesem Raum um ein Netz, welches Betriebs- beziehungsweise Ausbauoptionen zulasse. In diesem Kontext müsse die geplante Umlegung von Personenfern- und Güterverkehrszügen der Verbindung München-Salzburg als Teil der vorrangigen TEN-Achse 17 Paris-Bratislava über Mühldorf mitbetrachtet werden. Diese werde die Strecke München-Rosenheim vom Ost-West-Verkehr entlasten und zusätzliche Kapazitäten für den Brenner-Zulauf zur Verfügung stellen. Ein Teilstück der Strecke München-Mühldorf sei bereits im Bau.

Die Gemeinde Kiefersfelden wurde weiter informiert, dass derzeit noch keinerlei konkrete Planungen zur Verfügung stünden. Erst nach Bestimmung der erforderlichen Kapazitäten und des erforderlichen Ausbauumfangs im Inntal sind mögliche Trassierungsvarianten zu entwickeln. Erst dann könne nach Einschätzung der Deutschen Bahn eine sachdienliche und zielgerechte Diskussion mit den betroffenen Gemeinden aufgenommen werden, so die Bahn in ihrer Stellungnahme auf die weitere Bitte der Gemeinde, im Gemeinderat durch Vertreter der Bahn Rede und Antwort zu stehen.

has/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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