„Ein kompletter Wahnsinn“

„Rechtswidrig“: Polizei schließt Friseurladen in Kiefersfelden - Besitzerin fassungslos

Derzeit haben es Friseurkräfte aus Tirol nicht leicht. Angelika Mohn aus Kufstein kann ein Lied davon singen. Anfang März sperrte sie in Kiefersfelden für zwei Wochen ihren Laden auf. Dann standen zwei Polizisten vor dem Laden.

Kufstein/Kiefersfelden – „Völlig perplex“ war Angelika Mohn, wie sie sagt, als sie von zwei Polizisten in ihrem Friseursalon in Kiefersfelden abgefangen wurde. Sie müsse umgehend ihren Laden schließen, weil sie „rechtswidrig“ gehandelt habe, hieß es. Der Kufsteinerin blieb gerade noch so viel Zeit, ihre Sachen zu packen, einen notdürftigen Zettel an den Laden zu hängen und abzuschließen. Seither sitzt sie zuhause, wartet auf Antworten vom Landratsamt Rosenheim. „Ein kompletter Wahnsinn“, sagt die Ladenbesitzerin.

Landratsamt lässt sich Zeit mit Antwort

Das Fiasko fing Ende Februar an, schildert Angelika Mohn. Als sie gehört habe, dass ab 1. März alle Friseurläden wieder öffnen dürfen, habe sie sich sehr gefreut. Umgehend habe sie Kontakt zum Landratsamt Rosenheim und zum Gesundheitsamt gesucht. Mehrmals sei sie in der Warteschlange gehangen. Ein Mitarbeiter der Behörde habe ihr schließlich mitgeteilt, sie müsse eine Bescheinigung für systemrelevante Beschäftigte ausfüllen und abwarten, ob das Landratsamt diesen Antrag genehmige.

Und dann geschah tagelang nichts, sagt die Kufsteinerin. Das Landratsamt habe mit einer Antwort auf sich warten lassen. Weil sie dachte, das sei nur eine Formalität, sperrte sie ihren Laden Anfang März trotzdem auf, gesteht sie. Zwei Wochen lang sei das gut gegangen. Auch die Grenze konnte sie laut eigenen Angaben problemlos passieren. „Ich hatte immer Negativtests dabei und eine elektronische Einreisegenehmigung.“

Da sie aber auch nach rund zwei Wochen keine Rückmeldung von der Behörde erhalten habe, fasste sie sich ein Herz und schrieb erneut ans Landratsamt mit der Bitte um eine schnelle Prüfung ihrer Unterlagen. „Ich bin davon ausgegangen, dass ich mein Geschäft aufsperren darf“, sagt sie. Deshalb sei sie auch am nächsten Tag in die Arbeit gefahren. Passierte die Grenze, frisierte Kunden. Und dann wären plötzlich die beiden Polizisten in den Laden gekommen.

Die beiden Beamten hätten irgendwo auch Verständnis gezeigt, schildert Angelika Mohn. Man habe ihnen angemerkt, dass es ihnen Leid täte. Nichtsdestotrotz hätten sie ihr ein Schreiben mit einer drohenden Geldstrafe zukommen lassen. „Ich könnte Widerspruch einlegen, hieß es. Und das hab ich auch getan.“ Sie habe sich den gesamten Schriftverkehr mit den Behörden ausgedruckt und gesammelt abgeschickt. Was nun weiter passiert, wisse sie nicht.

Corona-Mutationen in Tirol als Grund

Als sie an dem besagten Abend heimkam, habe sie per Mail eine Antwort vom Landratsamt Rosenheim erhalten. Darin wurde ihr Antrag abgelehnt mit der Begründung, dass Tirol als Corona-Mutanten-Gebiet gelte.

Friseurläden seien nicht systemrelevant, erklärt Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, auf Nachfrage. Auf der Webseite des Landratsamtes seien unter dem Punkt „Regelung für Grenzgänger aus Tirol in systemrelevanten Funktionen“ alle Arbeitskräfte aufgelistet, die in den Bereich „systemrelevant“ fallen würden. Friseure befänden sich nicht darunter. Zudem gelte eine Bescheinigung erst als gültig, wenn auch ein entsprechender Stempel aufgedrückt wurde, betont Fischer.

Dass Friseurläden nicht als systemrelevant gelten, kann Mirjana Berndanner, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Rosenheim, nicht verstehen. In ihren Augen seien Friseure „definitiv“ systemrelevant: „Es gibt viele, die darauf angewiesen sind.“ Nicht jeder könne seine Haare selbst schneiden. „Und über einen längeren Zeitraum hinweg sind lange Haare einfach nicht mehr zu händeln.“ Der Lockdown habe gezeigt, wie die Leute reagiert haben. Denn Anfang März wären viele Salons weitgehend voll gewesen.

Kunden vor verschlossener Tür

Auch Angelika Mohn hatte Termine bis in den April hinein vergeben. „Und die Kunden stehen jetzt vor verschlossener Tür“, bedauert sie. Das täte ihr an der ganzen Sache am meisten leid. Denn sie hätte nicht einmal Gelegenheit gehabt, die Kunden zu informieren. Nicht von allen hätte sie die Telefonnummer. In der Hoffnung, dass einige ihrer Kunden ihrem Account auf Instagram folgen, hat sie dort den Hinweis gepostet, dass ihr Laden „behördlich geschlossen“ wurde.

Der Vorfall hat der 51-Jährigen sehr zugesetzt: Seit 25 Jahren betreibt sie in Kiefersfelden ihren Friseurladen. „Es macht mich sehr traurig, nach so langer Zeit so behandelt zu werden“, sagt sie. „Ich hoffe nur, dass mir meine Kunden verzeihen.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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