Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kiefersfeldener Anwohner verärgert über Sondierungslärm

Brenner-Nordzulauf: Wie ein Mega-Bohrer dem Buchberg seine Geheimnisse entlocken soll

Manuel Gotthalmseder (links), Projektleiter der Bahn für den Brennernordzulauf, und Hajo Gruber, Bürgermeister von Kiefersfelden tauschen sich über den Fortschritt der Sondierungen am Buchberg aus.
+
Manuel Gotthalmseder (links), Projektleiter der Bahn für den Brennernordzulauf, und Hajo Gruber, Bürgermeister von Kiefersfelden tauschen sich über den Fortschritt der Sondierungen am Buchberg aus.

Der Teufel beim Bau des Brenner-Basistunnels liegt im Detail. Genauer gesagt derzeit am Buchberg bei Kiefersfelden. Ein Riesenbohrer soll dort über Bohrkerne herausfinden helfen, was die Tunnelbauer erwarten wird.

Rosenheim - Es knattert, ums Gestrüpp in der Kurve biegt Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber auf einem Quad. Kies knirscht, als Gruber auf der Kuppe im Bergwald bremst. „Kann sich grad irgendjemand vorstellen, dass es einen schöneren Flecken gibt?“, fragt er in die Runde, angeführt von Manuel Gotthalmseder, Projektleiter der Bahn für den Brennernordzulauf.

Gotthalmseder mag in seiner Freizeit Grubers Begeisterung für diesen schönen Winkel des Inntals teilen. Im Moment aber ist er an anderem interessiert: Er forscht der Beschaffenheit des Bodens tief unter seinen Füßen nach. Mit einem Team, das eine Sondage vorantreibt. Hajo Gruber will sich selbst ein Bild von den Bohrungen machen. Anwohner haben sich über Lärm beschwert. So schlimm solle es aber nicht sein, meint Gruber von anderen Kiefersfeldern erfahren zu haben. Das Ausmaß der Belästigung hänge wohl auch davon ab, ob man dem Inn und damit der Autobahn zugewandt wohne oder im Winkel zwischen den Bergen.

Die Bahn spricht von solidem Gestein

17 Tonnen ist die Maschine schwer, die den Bohrer in den Buchberg treibt. Die Bahn hat einen Weg ausgebaut, hat tonnenweise Schotter aufgeschüttet, die den Riesenbohrer tragen. „Wird, so weit es der Eigentümer des Grundes wünscht, alles wieder abtransportiert“, sagt Gotthalmseder über den Kiesuntergrund. Zwei Bohrungen treiben die Mitarbeiter einer spezialisierten Firma voran, bis zu 200 Meter tief. Zwar verläuft die Trasse nur in 160 Meter Tiefe.

Die Mission des Teams: Es soll Bohrkerne ans Tageslicht fördern und mit ihnen Erkenntnisse darüber, wie der Fels beschaffen ist, in den die Tunnel für den Brenner-Nordzulauf im Inntal getrieben werden soll. „Dolomit“ sagt Gotthalmseder, solides „homogenes Kalkgestein“ sei das. Überhaupt sei man bislang von bösen Überraschungen verschont geblieben. Auch gebe es aktuell keine Anzeichen auf Verwerfungen. Solche Störungen können weit mehr als etwa besonders hartes Granitgestein den Bau von Tunneln erschweren. Allerdings wird ein Geologe sich die Bohrkerne noch genauer anschauen.

Wasser kann den Tunnelvortrieb ziemlich stören

Und noch wissen die Planer nicht sehr viel über die Wasserverhältnisse im Fels. Auch dazu soll das Bohrloch irgendwann mal dienen - als Grundwassermessstelle wird es in regelmäßigen Abständen Daten an die Erdoberfläche schicken. Bis zu 15 Bar Druck - das ist der Druck, den eine Wassersäule von 150 Metern entwickelt - könne man eine Tunnelröhre ohne weiteres bauen, sagt Gotthalmseder. Alles darüber müsse drainiert werden. Auch soll die Messung dazu dienen, wo vorhanden, Grundwasserströme festzustellen - nicht, dass irgendwo Quellen versiegen, weil der Tunnelvortrieb die Geologie durcheinanderbringt.

Der Sondierungsort am Buchberg bietet, wie von Hajo Gruber angepriesen, einen hervorragenden Rundblick. Mit seinen zwei Bohrstellen ist für die Planer in erster Linie eines: eine Herausforderung in mehrerlei Hinsicht. Etwa, weil der Weg so steil und so schwierig zu befahren ist. „Bevor der Schnee kommt, sollten wir hier oben fertig sein“, meint Gotthalmseder. Die nächsten Bohrungen werden kaum mehr so fordernd sein wie die aktuelle in Kiefersfelden. Bis Ende 2023 soll die Reihe der Sondierungen abgeschlossen sein. Mit rund 130 Bohrungen werden die Planer dann das Gelände seit 2017 sondiert haben, erst zur Trassengrobplanung, jetzt im Zuge der Vorplanung. Wie wichtig die Planer generell solche Sondierungen nehmen, lässt sich übrigens am Beispiel des Brenner-Basistunnels sehen: Dort wurden nach Angaben der österreichischen Planer Bohrungen von insgesamt 40 Kilometer Länge ins Gestein getrieben.

Starrer Fels und geschütztes Leben

Der leblose Fels ist das eine. Sondiert wird aber auch in ganz anderen Richtungen. Das Großprojekt des Scanmed-Korridors von Skandinavien bis zum Mittelmeer hat gigantische Ausmaße. Sein Vorankommen aber ist auch von winzigen Details abhängig. Von Fledermäusen etwa. Manuel Gotthalmseder erzählt beim Ortstermin am Buchberg, dass die Planer der Bahn extra Fledermauskästen aufhängen mussten. Nötig geworden waren sie, weil die Bohrmannschaft für die Verbreiterung des Fahrwegs einen verwitterten Baum fällen musste, der den Flattermännern womöglich Unterschlupf geboten hätte. „Es nisteten dann aber doch keine dort“, sagt Gotthalmseder und klingt leicht enttäuscht.

Andere Arten werden auftauchen, da ist sich wiederum Nordzulauf-Chefplaner Matthias Neumaier sicher. „Es gibt praktisch keinen Bereich, in dem nicht geschützte Arten leben“, sagt er. Auch da sondieren Mitarbeiter der Bahn. Umweltplaner heißen sie, sie kartieren das Baugelände nach Maßstäben des Umweltschutzes. Sogar Artenspürhunde werde man einsetzen, sagt Neumaier. Die sind darauf trainiert, etwa Eidechsen zu orten, die sich in der kühleren Jahreszeit bevorzugt in geschützte Winkel verkriechen.

Es wird also noch viel Wasser den Inn hinunterfließen, bis die Bahn die nächste Stufe der Planung in Angriff nimmt. Im Laufe des Jahres 2024 wird die Vorplanung abgeschlossen. Im Jahr darauf werden die Vorplanungen dem Bundestag zur Entscheidung vorgelegt werden, die Bauarbeiten am Brennernordzulauf wohl doch erst beginnen, wenn die Arbeiten am Brenner-Basistunnel bereits weitgehend abgeschlossen sind. Das wäre in gut zehn Jahren. Jetzt sind ungefähr 152 von 230 Tunnelkilometern gebohrt, Service- und Erkundungsstollen inbegriffen. 2031 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und der Probebetrieb aufgenommen werden.

Kommentare