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Vater monatelang vergiftet? Was eine Frau (63) aus Kiefersfelden vor Gericht erwartet

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Von: Michael Weiser

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Die 63-jährige Frau aus Kiefersfelden, die im April in Palma unter Mordverdacht von spanischer Polizei festgenommen wurde, soll sich nächstes Jahr in Traunstein verantworten.
Verhaftung auf Mallorca, Verhandlung in Traunstein: Bald wird sich eine 63-Jährige wegen des Todes ihres Vaters verantworten müssen. © Miquel a Canellas

Der Vater starb im Krankenhaus, unter verdächtigen Umständen. Im April nahm die spanische Polizei die Tochter auf Mallorca fest - unter dem Verdacht, sie habe ihren Vater vergiftet. Demnächst muss sich die Frau aus Kiefersfelden vor Gericht verantworten.

Kiefersfelden/Rosenheim - Die Soko „Club“ steckt im Mordfall Hanna W. noch in den Ermittlungen gegen einen Tatverdächtigen. Die Soko „Erbe“ hingegen hat geliefert, auch der Staatsanwalt hat seine Arbeit vorläufig abgeschlossen. Und so wird sich eine 63-Jährige aus Kiefersfelden wohl schon in den nächsten Wochen vor dem Landgericht in Traunstein verantworten müssen - und zwar wegen versuchten Mordes.

Die Frau soll versucht haben, ihren Vater zu vergiften. Die Ermittlungsergebnisse der Soko „Erbe“ will Strafverteidiger Harald Baumgärtl nicht kommentieren. „Darüber wird das Gericht zu entscheiden haben“, sagt der Rosenheimer Rechtsanwalt.

Vater starb unter verdächtigen Umständen im Krankenhaus

Der Vater der Frau war 89 Jahre alt, als er im November vergangenen Jahres unter verdächtigen Umständen in einem Krankenhaus starb. Die Ärzte wurden stutzig. Und bald beschäftigte sich die Kripo mit diesen Fragen: War er einem Mord zum Opfer gefallen? Hatte den Mann am Ende seine eigene Tochter vergiftet? Wegen eines Erbes von etwas mehr als 110.000 Euro?

Ein kompliziertes Geschehen

Im April war die 63-Jährige festgenommen worden. Auf Mallorca, wohin sie kurz zuvor gemeinsam mit ihrer Tochter gezogen war. In der Inselhauptstadt Palma hatten die spanischen Ermittler zugegriffen, unter den Augen von Ermittlern und eines Staatsanwalts aus Rosenheim. Seit Beginn des Jahres war die Frau international zur Fahndung ausgeschrieben worden. Anfang Mai wurde sie schließlich an die deutschen Behörden ausgeliefert.

Was der Frau vorgeworfen wurde, war ungeheuerlich: Sie soll Pflegekräfte bewegt haben, ihrem Vater über ein halbes Jahr hinweg starke Beruhigungs- und Schmerzmittel zu verabreichen. Die Pfleger ließ sie über die Gefährlichkeit der Präparate im Unwissen. Es handle sich um Medikamente für ihren Vater– so soll sie Bedenken der Pfleger zerstreut haben. In Wirklichkeit soll die Frau damit beabsichtigt haben, ihren Vater zu töten.

Die Verhandlung könnte länger dauern

Vermutlich weil die Gerichtsmediziner aber bei der Obduktion keinen direkten und zwingenden Zusammenhang zwischen dem Tod des 89-Jährigen und den verabreichten Pharmaka nachweisen konnten, lautet der Vorwurf auf „versuchten Mord“, gegebenenfalls in Tateinheit mit „gefährlicher Körperverletzung“.

Anwalt Baumgärtl rechnet mit einer längeren Verhandlung, „jedenfalls mit mehreren Hauptverhandlungsterminen“. Denn die Beweisaufnahme dürfte sich ziehen, allein schon wegen der Gutachter, die über Zusammenspiel und Wirkung von Arzneimitteln Auskunft geben werden.

Tausende von Seiten Akten vor Prozessstart

Wie schwierig und aufwändig die Ermittlungen waren, lässt sich schon an der Dicke der Akten ermessen. Es seien gut 3000 Seiten gewesen, durch die er sich bislang hindurchgearbeitet habe, sagt Harald Baumgärtl. Der Anwalt ist auch als Rechtsbeistand des kürzlich festgenommenen jungen Mannes im Fall Hanna bestellt worden.

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