Drei Geburtstage auf einmal: Waggons sind 100 Jahre alt, die Loks 85 Jahre und der Verein 20 Jahre

Wachtl-Bahn feiert Jubiläum

Von der Musikkapelle Kiefersfelden musikalisch umrahmt wurde das Jubiläum der Wachtl-Bahn mit ihren 100 Jahre alten Personenwaggons gefeiert, die von der Wendelsteinbahn stammen.
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Von der Musikkapelle Kiefersfelden musikalisch umrahmt wurde das Jubiläum der Wachtl-Bahn mit ihren 100 Jahre alten Personenwaggons gefeiert, die von der Wendelsteinbahn stammen.

Kiefersfelden - "Die Wachtl-Bahn ist ein Stück Kiefersfelden", begeisterte sich Bürgermeister Erwin Rinner bei der Jubiläumsfeier der Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft.

"Die Wachtl-Bahn ist ein Stück Kiefersfelden", begeisterte sich Bürgermeister Erwin Rinner bei der Jubiläumsfeier der Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft, während sein Amtskollege Hannes Juffinger aus dem Tiroler Thiersee die Anlage als wertvolle nostalgiebehaftete Infrastruktur lobte.

Zu feiern gab es genug, wie Dr. Alfons Weiß. Präsident des Museumsvereins erklärte: "Unsere drei Wagen, die von der Wendelsteinbahn kommen, sind 100 Jahre alt, die beiden elektrischen Lokomotiven vom Typ ,Krokodil' haben schon 85 Jahre auf dem Buckel und unser Verein besteht nunmehr seit 20 Jahren."

Das war Anlass genug, zusammen mit Eisenbahn-Freunden, Gönnern und Förderern zu feiern, musikalisch umrahmt von der Kieferer Musikkapelle. Ein Programm mit kostenloser Bahnfahrt und zahlreichen Attraktionen rundete das Angebot ab. Höhepunkt war der ökumenische Gottesdienst mit Segnung der Anlage und der Fahrzeuge.

Eigentlich waren die 85 Jahre alten Elektroloks schon zu Zementwerkszeiten ausgemustert worden. Da sich die modernen Nachfolger nicht bewährten, wurden die robusten "Krokodile" wieder in Betrieb gesetzt - und blieben so erhalten.

Ihren Ursprung hat die 6 Kilometer lange Wachtl-Bahn als Betriebsbahn des Zementwerkes Kiefersfelden. Deshalb beginnt sie auf dem Gelände des ehemaligen Werkes und endet im Steinbruch, der 200 Meter hinter der Grenze zu Tirol liegt. Die Strecke, zu bewältigen in 20 Minuten, diente lange Jahre dem Steinbruchtransport. Mit 14 Materialwagen hatte der Zug ein Leergewicht von 240 Tonnen, bei Zuladung von über 400 Tonnen. Auf diesem Wege gelangten zu Glanzzeiten des Zementwerkbetriebes täglich bis zu 8000 Tonnen Material vom Steinbruch direkt in die Betriebshallen.

Dann, nach Schließung des Werkes, kümmern sich die Mitglieder des Museums-Eisenbahnvereins ehrenamtlich um den Erhalt der Wachtl-Bahn. Diplomingenieur Günter Ziegler als Vorstand ist überzeugt: " Waggon, Zug und Strecke sind wichtige Kulturgüter im oberen Inntal."

Und es wurde auch schon viel erreicht: Mit Unterstützung der Firma Rohrdorfer Zement, der Besitzerin des Geländes und der Bahnstrecke, konnte der Verein in 1300 ehrenamtlichen Arbeitsstunden ein Sozialgebäude mit Werkstatt, Toiletten, Unterrichtsraum und Küche errichten. Damit konnte der Endbahnhof vom Siedlerweg auf das Zementwerkgelände verlegt werden. Präsident Weiß: "Damit können wir den Wachtl-Bahn-Besuchern mehr Komfort bieten."

Mit der Draisine, einem motorunterstützten Schienenhilfsfahrzeug, durften Pfarrerin Ruth Nun und Pater Robert nach Segnung der Anlage und Züge eine luftige Fahrt der besonderen Art unternehmen.

Grund genug für Heinz Hintner von Rohrdorfer Zement, den Verein zu seinem Jubiläum zu gratulieren: "Nur mit einem so aktiven und kompetenten Verein konnte erreicht werden, dass die Wachtl-Bahn fit bleibt." Dem stimmte Helmut Wiesböck als stellvertrender Eisenbahn-Betriebsleiter zu: "Wir waren anfangs skeptisch, ließen uns aber überzeugen." Den Erhalt der mächtigen "Krokodil"-Lokomotiven nannte er einen Glücksfall: "Sie sollten herausgelöst werden. Neue moderne Loks kamen in Betrieb, bewährten sich aber nicht. So besannen wir uns wieder auf die alte robuste Analogtechnik des ,Krokodils'. Sie wurden wieder in Dienst gesetzt und blieben damit erhalten."

Für die Zukunft sind die "Zugnarrischen" der Wachtl-Bahn optimistisch. Schließlich haben sie in den letzten 20 Jahren beim fahrplanmäßigen Betrieb und 200 Sonderfahrten über 50000 Fahrgästen ein nostalgische Erlebnis mit einer einzigartigen Eisenbahn in herrlicher Gegend geboten. Touristikchef Werner Schroller brachte es auf den Punkt: "Mit euch haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Schön, dass es euch gibt."

roc/Oberbayerisches Volksblatt

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