EU-Kommissarin missbilligt Lkw-Blockabfertigung

Transit-Streit: Fahrverbote und Dosierampeln ab Samstag in Kufstein und Reutte

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Aktuelle Lage in Niederndorf
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Kufstein - Vor zwei Wochen sperrte die Landesregierung Tirol die ersten Straßen im Bereich Innsbruck. Nun werden die Fahrverbote auf Kufstein und Reute ausgeweitet. Der Streit zwischen Deutschland und Österreich geht indes weiter. 

Update, Samstag, 6. Juli, 13.05 Uhr: Stau in Niederndorf

Wie uns ein Leser mitteilte, staut es sich in Niederndorf gewaltig:

Aktuelle Lage in Niederndorf

Vorbericht

Ab Samstag, den 6. Juli, werden ab 7 Uhr im Bezirk Kufstein Dosierampeln aufgestellt und Fahrverbote verhängt. Pro Stunde dürfen auf bestimmten Straßen nur eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen fahren. Der ADAC warnt deshalb, dass Rückstaus wahrscheinlich sind.Diese Maßnahme gelten an jedem Wochenende bis Sonntag 19 Uhr bis 15. September sowie am verlängerten Wochenende vom 14. bis 18. August.

Diese Straße sind betroffen

Die Rede sei von fünf zusätzlichen Ampeln, die über den gesamten Bezirk Kufstein aufgestellt werden. Dabei soll es eine 78-sekündige Rot- und eine 36-sekündige Grünphase geben. „Es kann also kein Rede davon sein, dass man irgendwo nicht mehr hinkommt“, sagt Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer gegenüber tt.com. Die Steuerung der Ampeln sei flexibel.

Die Dosierampeln stehen an folgenden Punkten:

  • Landesstraße B171 Tiroler Straße beim Kreisverkehr "Inntaler" aus Richtung Kirchbichl nach Kufstein/Nord
  • B171 Tiroler Straße aus Richtung  Deutschland, um den Ortsteil Zell zu entlasten
  • B172 Walchseestraße Richtung in Niederdorf und Walchsee. Diese Ampeln sollen nur bei Bedarf aktiviert werden.
  • B175 auf der Wildbichlstraße aus Richtung Kufstein kommend.

Ab der Ausfahrt Kirchbichl von Innsbruck kommend und auf der Gemeindestraße beim Kreisverkehr Kufstein-Süd zum Krankenhaus gelten ab Samstag ein Fahrverbot. Außerdem sind die Straßen bei den Abfahrten Reutte Nord und Vils für den Durchreiseverkehr gesperrt. Die Navigationssysteme werden bei einem Stau auf der Autobahn diese Straßen nicht mehr als Ausweichroute anzeigen. Die Polizei kontrolliert die Straßen und schickt, wenn nötig, Autofahrer wieder zurück auf die Autobahn. Wer gezielt in die umliegenden Dörfer will, ist davon nicht betroffen.

Ortschaften leiden unter dem Verkehr

Neben der Stadt Kufstein leiden auch die umliegenden Ortschaften wie Ebbs, Niederndorf und Walchsee unter dem Ausweichverkehr. Sobald sich ein Stau auf der Autobahn bildet, fahren viele ab und überfluten die Bundes- und Landesstraßen. So wurde in Niederndorf ein Steigerung des Verkehrs um elf Prozent festgestellt, weshalb der Bürgermeister froh über die Maßnahmen sei.

EU-Kommissarin missbilligt Lkw-Blockabfertigung

Bayerns Innenminister Hans Reichart (CSU) sieht in den Fahrverboten eine Behinderung des Waren- und Individualverkehrs. Deutschland hat, zusammen mit Italien, Beschwerde bei der EU-Kommision eingereicht. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, lehne Violeta Bulc, zuständige EU-Kommissarin, gegen die Lkw-Blockabfertigung in einem Schreiben ab. "Durch die häufige und systematische Anwendung der Maßnahme wird der freie Warenverkehr sowie der freie Dienstleistungsverkehr eingeschränkt", wird Bulc zitiert. "Würde sie in systematischer Weise immer dann angewendet, wenn die Behörden in Tirol ein höheres Verkehrsaufkommen als üblich erwarten, so handelte es sich um ein unverhältnismäßiges Vorgehen."

"Die Aufregung um die Tiroler Maßnahmen ist absurd"

"Ich hätte nie im Leben gedacht, dass es über ein Pkw-Fahrverbot, das einen totalen Stau in den Ortschaften verhindern soll, so eine Aufregung gibt", sagt Landeshauptmann Platter und zeigt kein Verständnis für die Aufregung in Deutschland und Italien. Zuletzt hätten Polizei und Rettungsdienst in den Ortschaften zum Teil keine Möglichkeit gehabt um zum Einsatzort zu gelangen, weshalb Sperrungen unausweichlich waren.

Platter kündigt indes an, dass er gesprächsbereit sei. Betont aber gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: "Für Wischi-Waschi-Verhandlungen stehe ich nicht zur Verfügung. Dann stehe ich sofort auf und verlasse den Verhandlungstisch." Mit einer Entspannung des Konflikts in der Ferienzeit ist damit nicht zu rechnne.

 

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