Abgezockt bis zum Schluss

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Märchenhaft: Mit dem Hydropolis lockte die Akzenta Kunden. Die Unterwasserwelt wurde nie gebaut.

Neubeuern/München - Im Millionen-Debakel um die Akzenta AG, die Anlegern mit einem Schneeballsystem Geld aus den Taschen zog, bahnt sich jetzt ein weiterer Betrugsprozess an.

Drei führende Akzenta-Köpfe sollen im Oktober 2008 unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ein "Darlehen" in Höhe von 500 000 Euro an Land gezogen haben - zu einem Zeitpunkt, als die Akzenta-Mogelpackungen längst enttarnt und drei Ex-Bosse bereits zu Gefängnisstrafen verurteilt worden waren.

2006 platzte die Zeitbombe: Polizisten bei der Razzia auf dem Firmengelände.

Razzien, Festnahmen, Freilassungen, ein Mammut-Strafprozess, zivilrechtliche Auseinandersetzungen, mehrjährige Gefängnisstrafen für die größten Abzocker und ein Insolvenzverfahren, das sich noch Jahre hinziehen wird: Im Desaster um die Skandalfirma den Überblick nicht zu verlieren, fällt schwer. Während rund 15 000 Gläubiger gespannt das Insolvenzverfahren verfolgen, schien das strafrechtliche Kapitel längst abgeschlossen.

Doch nun wird es wieder aufgeklappt. Wie die Staatsanwaltschaft in München auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, wird gegen drei ehemalige Akzenta-Mitarbeiter der Führungsetage - zwei Männer und eine Frau - wegen gemeinschaftlichen Betrugs Anklage zum Landgericht München II erhoben. Zwei von ihnen haben sich zudem wegen Insolvenzverschleppung zu verantworten.

Bei einem Beschuldigten handelt es sich um ein Mitglied des alten Akzenta-Vorstands, der im August 2008 zu Haftstrafen verurteilt worden war. Damals hatte es je sechs Jahre und neun Monate für den Seniorchef und Erfinder des Akzenta-Modells sowie seinen Kompagnon gegeben, für den älteren Sohn des Seniorchefs fünf Jahre und für den jüngeren Sohn zwei Jahre Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.

Wenige Monate später, Ende 2008, wurde laut neuer Anklage ein Privatanleger um 500 000 Euro betrogen. An das Darlehen sollen die Beschuldigten nur gekommen sein, weil sie ihren Geldgeber über die Rückzahlungsfähigkeit der Firma täuschten. Das Geld floss wohl in ein Tochterunternehmen der Akzenta.

Führt der Weg für einen Ex-Vorstand nun direkt von der Zelle auf die Anklagebank? Die Gefängnisstrafen trat das verurteilte Trio in verschiedenen Justizvollzugsanstalten an. Ob es bereits wieder auf freiem Fuß ist, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Ausgeschlossen ist dies jedenfalls nicht, weil die lange Untersuchungshaft angerechnet wurde und Häftlingen bei guter Führung ein Drittel der Strafe erlassen werden kann.

Nach dem Schuldspruch vom August 2008 hatte man sich in Neubeuern darüber gewundert, dass die Betrüger in der Firmenzentrale weiter ein- und ausgehen oder in ihren Nobelkarossen durch den Ort fahren durften. Auch von fröhlichen Partys wurde berichtet - so als wäre überhaupt nichts gewesen. Der Grund: Es dauerte knapp ein Jahr, bis das Münchner Urteil vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe Rechtskraft erlangte. Folglich mussten die drei Hauptdrahtzieher erst im September 2009 ihre eleganten Nadelstreifenanzüge gegen Sträflingskleidung eintauschen.

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Die Akzenta war 2002 gegründet worden. Vor dem umstrittenen Umsatzbeteiligungsmodell, das Anlegern zu traumhaften Renditen verhelfen sollte, hatten Finanzmagazine und Verbraucherschützer schon früh gewarnt. Trotzdem wurden der Akzenta große Summen anvertraut. So "investierte" ein Unternehmer aus Stuttgart 700 000 Euro, ohne die Verträge von Juristen prüfen zu lassen. Ein bekannter bayerischer Kabarettist überwies 200 000 Euro nach Neubeuern. Die Millionen wurden auf Privatkonten geschaufelt oder in Luftschlösser wie das Hydropolis gesteckt - eine märchenhafte Unterwasserwelt in Dubai, die nie gebaut wurde. Im Frühjahr 2006 platzte dann die Zeitbombe: Bei einer Großrazzia wurden die Vorstandsmitglieder festgenommen, Akten und Computer beschlagnahmt und die Firmenkonten eingefroren. Im Zuge des Insolvenzverfahrens haben rund 15 000 Gläubiger Ansprüche von 96 Millionen Euro angemeldet.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Aus unserem Archiv:

Gläubiger fordern 96 Millionen Euro zurück

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