Erkundungsprogramm zum Brenner-Nordzulauf

Blick ins Bohrkernlager - das zeigen die Gesteinsproben aus dem Inntal

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v.l.: Geologe Stefan Eder und Projektleiter Manuel Gotthalmseder erklären die bei den Bohrungen gewonnenen Erkenntnisse über die Gesteinsschichten m Landkreis Rosenheim
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Neubeuern/Landkreis - 2018 hatten DB und ÖBB 30 Erkundungsbohrungen im Inntal durchführen lassen. Die gewonnenen Bohrkerne liegen nun vor und befinden sich aufgereiht in einem Zwischenlager in Neubeuern.

Projektleiter Manuel Gotthalmseder und der leitende Geologe im Planungsteam Stefan Eder gaben am 11. April einen Einblick in das Lager und stellten die Geologie des Inntals anhand der Bohrkerne und der erkundenden Boden- und Gesteinsschichten vor. Diese Arbeiten sind Teil des Erkundungsprogramms über die Beschaffenheit des Untergrunds im Inntal. Die Ergebnisse dieser Bohrungen sind für die weiteren Planungsschritte von großer Bedeutung.

Proben der Bohrkerne werden nun in Labors genau untersucht

Bei den Untersuchungen wurden insgesamt rund 2900 Meter an Bohrkernen gewonnen. Die rund 270 gewonnen Gesteinsproben werden noch bis Ende des ersten Quartals 2019 in einem Labor untersucht. Alle Bohrungen wurden zu Grundwassermessstellen ausgebaut. Sie liefern künftig projektspezifische Daten über Grundwasserschwankungen. Im Fokus der Untersuchungen standen Erkenntnisse über die Ausbildung der Grund- und Bergwasserverhältnisse, Grundwasserstockwerke, über die Charakteristik und Verbreitung von Lockergestein wie Schottertrassen, Tone, Moränen, Schwemmfächer und den Verlauf der Felsoberfläche im Untergrund.

"Die Bohrkerne werden als letzter Schritt nun im Labor untersucht, mit dem Ziel Erkenntnisse über die Steifigkeit des Materials zu erhalten. Das ist aus unserer Sicht, gemeinsam mit Erkenntnissen über den Grundwasserpegel das Maximale was wir aus den Bohrungen herausholen konnten" sagt Gotthalmseder. Ergänzend zu den Bohrungen wurden noch Geophysikprofile angelegt, die die Erkenntnisse aus den Bohrungen auch linear darstellen, damit man in Summe viele Kilometer Baugrunderkenntnisse mit dem einjährigen Erkundungsprogramm gewinnen und nutzen kann.

Gab es Überraschungen?

"Weil es ja schon auf Grund der bestehenden Bebauung viele Erkenntnisse über die Bodenbeschaffenheit gibt, traten keine großen Überraschungen auf. Die Bohrungen haben unsere Annahmen großteils bestätigt", sagt Gotthalmseder. Einmal sei man im Bereich Kiefersfelden auf unerwartetes Gestein, den sehr brösligen Tonschiefer gestoßen, der viel weiter oben als angenommen auftauchte. Im Bereich der Talflanken stießen die Geologen vorwiegend auf Kalke, Flussschotter, Tonsteine und Tonschiefer. Seesediment und der berüchtigte Rosenheimer Seeton kamen ebenfalls ans Tageslicht. Vor allem im Rosenheimer Becken hat man Mächtigkeiten von rund 400 Metern Seeton. Laut Eder sei der Seeton der ungünstigste Untergrund zum bauen.

In unerwarteter Höhe stieß man auf Tonschiefer

Die Planer stellen die Ergebnisse der Bohrungen auch in den Dialogforen vor. Außerdem werden sie den Gemeinden auf Wunsch bereitgestellt. Die Erkenntnisse fließen nun in einem Baugrundmodell zusammen. Die Kosten für die Untersuchungen liegen im gemeinsamen und erweiterten Planungsraum jeweils im unteren siebenstelligen Bereich. Das durch Seilbohrverfahren gewonnene Material wird nun in ein von der Bahn angemietetes Bohrkernlager gebracht und dort mindestens bis nach Baufertigstellung gelagert.

Erste Erkenntnisse

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Bereits jetzt liegen erste Erkenntnisse des Erkundungsprogramms vor. „Im Bereich westlich des Hechtsees an der deutsch-österreichischen Grenze hat sich gezeigt, dass die angedachten Varianten von Grobtrassen aufgrund des Wasserdrucks von bis zu 17 bar nicht umsetzbar sind“, sagte Gotthalmseder bereits im Januar. „Unsere Fachplaner haben daraufhin in diesem Bereich zwei Alternativtrassen entwickelt. So können die Tunnellösungen in den weiteren Untersuchungen weiterverfolgt werden.“

Bilder von den gewonnenen Gesteinsproben

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