Zweiter Bürgermeister: "Wir wollen nicht schikanieren"

Erkundungsbohrung Neubeuern - Bahn will durchgreifen

  • schließen

Neubuern - Die geplante Bohrung der Deutschen Bahn auf einer Fläche der Gemeinde Neubeuern ist Teil eines breiten Erkundungsprogramms für die geplante Zulaufstrecke zum Brenner Basistunnel im Inntal. 

Die Gemeinde Neubeuern möchte in ihrem Gebiet keine Erkundungsbohrungen der Deutschen Bahn auf dem Gelände der örtlichen Kläranlage für die Planungen des Brenner-Nordzulaufs zulassen, das hatte der Gemeinderat beschlossen. Sechs von sieben Kommunen haben ihre Zustimmung für die Bohrungen schon erteilt, nur Neubeuern nicht. Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden können, bietet der Gesetzgeber die rechtliche Möglichkeit einer Duldung, die vom Eisenbahnbundesamt ausgesprochen werde. Diese Maßnahme wird die DB Netz AG nun ergreifen, wie sie jetzt einer Pressemitteilung publik macht. Der nächste Schritt könnte dann eine Weisung des Eisenbahnbundesamtes sein.

Beeinträchtigungen für private Eigentümer sollen minimiert werden

Wir bedauern diese Entwicklung. Aber die Bohrung ist wichtig und deswegen bleibt uns keine andere Wahl als eine behördliche Duldungsanordnung zu erwirken“, so Manuel Gotthalmseder, Projektleiter im Gemeinsamen Planungsraum Brenner-Nordzulauf. 

Eine vertiefte Kenntnis des Boden- und Gebirgsaufbaus sei laut Bahn für die weiteren Planungsschritte am Brenner-Nordzulauf von entscheidender Bedeutung. Noch fehlende geologische Erkenntnisse werden durch die derzeitigen Erkundungsbohrungen im Inntal ergänzt. Die geplante Bohrung auf einer Fläche der Gemeinde Neubeuern sei Teil dieses Programms. Um Beeinträchtigungen für private Eigentümer und Pächter zu minimieren, sind Bohrungen bevorzugt auf Grundstücken der Bahn oder auf öffentlichen Flächen gelegt worden. „Die geplante Erkundung auf Gemeindegrund im Bereich des Klärwerks Neubeuren liegt geologisch günstig und vermeidet Einschränkungen auf Privatgrund“, so Gotthalmseder.

"Wir wollen nicht schikanieren"

Auch die Neubeuerer Bürgerinitiative Bürgerforum Inntal e.V. kritisiert immer wieder die Vorgehensweise von Bahn und Politik. Zum Antrag der Bahn auf die Duldung sagt Martin Schmid, 1. Vorsitzender des Bürgerforums und zweiter Bürgermeister der Gemeinde Neubeuern: "Dass nur Neubeuern nicht zustimmt, stimmt so nicht ganz. Es wurden auch mehrere Privatleute in Neubeuern und Nußdorf angeschrieben, die die Untersuchungen ebenfalls verweigerten." 

Nächster Schritt wäre laut Schmid, dass das Eisenbahnbundesamt nun die Betroffenen, in dem Fall die Gemeinde Neubeuern, um eine Stellungnahme bittet. "Da ist aber bisher noch nichts gekommen." Die Gemeinden Stephanskirchen, Rohrdorf und Riedering, die im erweiterten Planungsraum liegen, seien bisher von der DB Netz AG noch gar nicht gefragt worden, ob sie Probebohrungen zulassen wollen.

Themenseiten:

- Brenner-Nordzulauf

- Brenner-Basistunnel

Facebook-Seite:

- Brenner-Nordzulauf

Aus Sicht der Bürgerinitiative sind die Planungen der Bahn und somit auch die Bohrungen vom Bundesverkehrswegeplan nicht gedeckt. "Wir lehnen das ab, weil es von Seiten der Bahn immer wieder widersprüchliche Aussagen gibt. Das ist alles sehr undurchsichtig." Der Hintergrund für die Verweigerung der Bohrungen sei keine Schikane, sondern dass man von der Bahn somitklare verbindliche Aussagen erwirken wolle. "Wenn die Bahn die Bohrungen beim Eisenbahnbundesamt beantragt, müssen sich die Verantwortlichen dem Amt klar darlegen, was sie überhaupt wollen. Auf diese verbindliche Aussage kann man sich dann berufen und die Bahn muss sich daran halten", so Schmid.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Neubeuern

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT