Vorgezogene Wahl in Neubeuern

17 Fragen an Bürgermeister-Kandidat Christoph Schneider

Christoph Schneider bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters in Neubeuern.
+
Christoph Schneider bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters in Neubeuern.

Neubeuern - In Neubeuern wird am 24. November vorgezogen ein neuer Bürgermeister gewählt. Drei Kandidaten werfen bisher ihren Hut in den Ring. Wir stellen sie einzeln vor. Hier der Steckbrief von Christop Schneider (Parteifrei/Unabhängige Neubeurer).

Homepage/Social Media Kanäle: 

Homepage: www.schneider-neubeuern.de 

Facebook: www.facebook.com/schneiderproneubeuern 

Instagram: https://www.instagram.com/christoph5782/

Die Antworten auf den Fragebogen von rosenheim24.de

1. Name: Christoph Schneider 

2. Partei: Parteifrei/ Wählergruppierung „Unabhängige Neubeurer“ 

3. Alter: 28 Jahre 

4. Wohnort: Erl in Tirol 

5. Familienstand: ledig (Freundin Christina) 

6. Kinder: keine

7. Wie verlief Ihre politische Karriere?

Der Begriff „politische Karriere“ ist vielleicht etwas überzogen, allerdings kann ich trotz meines jungen Alters durchaus auf etliche kommunalpolitische Erfahrung zurückblicken. Bereits im Alter von 19 Jahren bin ich in den Stadtrat meiner Heimatgemeinde Steinau an der Straße gewählt worden und habe mich dort auf einer CDU-Liste auch in Ausschüssen wie dem Sozial- und Kulturausschuss und in einem Ortsbeirat als Schriftführer engagiert. Nachdem unsere damals sehr junge Fraktion erkannt hat, dass Parteipolitik auf kommunaler Ebene nicht unbedingt immer das Beste für einen Ort sein muss, haben wir 2014 unter meiner Mithilfe eine Wählergruppierung namens „Bürger gestalten mit“ gegründet und die Listen der FDP, CDU und Linken auf einem Wahlvorschlagsträger vereint. Auch einzelne SPD-Stadträte sind unserer Bewegung gefolgt. Persönlich stolz bin ich darauf, dass ich für unsere Kandidatenlisten damals auch immer junge ortsverbundene Kandidaten gewinnen und mobilisieren konnte, die sich im Nachgang gut in den Gremien eingebracht haben. Fraktionsübergreifend war ich auch in meiner Zeit in Steinau aufgrund meiner sachlichen Art sehr geschätzt.

8. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Ein konkretes Vorbild auf politischer Ebene habe ich eigentlich nicht. Grundsätzlich gibt es jedoch sehr viele langgediente Bürgermeister und Kommunalpolitiker, die ich bewundere, weil sie teilweise schon über Jahrzehnte tagtäglich lokal im Fokus stehen und sich in den umfangreichen und komplexen Sachverhalten einer Gemeinde immer wieder aufs Neue beweisen müssen beziehungsweise bewiesen haben. Das verdient allerhöchsten Respekt, gerade unter dem Aspekt, dass sie für fast jeden Bürger tagtäglich hautnah erreichbar und greifbar sind. In der „großen Politik“ bewundere ich Leute, die durchsetzungsstark und mutig sind, ihre eigenen Wertgrundsätze verteidigen und sich gegen Ungerechtigkeiten auflehnen. Klaus Johannis, der aktuelle rumänische Staatspräsident, ist beispielsweise ein solcher Politiker, der mit ganz viel Mut Politik betreibt.

9. Was verbindet Sie mit der Region und Neubeuern? Was ist das Besondere bei uns?

Auch wenn ich noch nicht viele Jahre im „Rosenheimer Land“ lebe, habe ich mir in den vergangenen Jahren einen großen Freundeskreis in der Region und dadurch natürlich auch einen Bezug zu ihr aufgebaut. Grundsätzlich bin ich eine Person, die interessiert und offen auf Mitmenschen zugeht und sich in einem neuen Umfeld nicht sonderlich schwertut. Über mein ehrenamtliches Engagement als Abteilungsleiter Fußball beim ASV Happing, als Dauerkarteninhaber bei den Starbulls Rosenheim, aber auch als aktiver Geiger im Kirchenorchester Kiefersfelden hat man zwischen Wasserbug und Kufstein, Feldkirchen und Bernau doch sehr viele interessante Menschen getroffen und tolle Kontakte geknüpft. Als Rechnungsprüfer des Landratsamts Rosenheim habe ich im Außendienst zudem viele Gemeinden im Landkreis besucht und mich auch beruflich mit vielen Verantwortungsträgern in der Region vernetzen können. Neben der landschaftlichen Schönheit ist sicher das Traditionsbewusstsein, der Zusammenhalt und das Engagement der Menschen die Stärke der Region. Das sind sicherlich auch die Faktoren, über die sich der Markt Neubeuern und seine Bewohnerinnen und Bewohner mit seinem Vereinsleben und seiner Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen besonders auszeichnen kann.

10. Warum Kommunalpolitik?

Die Kommunalpolitik ist ein ausgesprochen vielseitiges und interessantes Themenfeld. Neben der Möglichkeit die Zukunft vor Ort aktiv mitgestalten und entscheiden zu können, schließt man ständig neue interessante Kontakte, man lernt viel über das alltägliche Leben und versteht auf was unsere Gesellschaft eigentlich fußt, obendrauf kann man zwischenmenschlich eine Menge lernen, etwa wenn man um Mehrheiten im Rat ringt oder auf Blickwinkel stößt, die man zunächst so gar nicht verstehen kann, die man aber Ernst nehmen und aufnehmen muss.

11. Warum sind genau Sie der Richtige Bürgermeister?

Ich bin der Überzeugung, dass ich in der aktuellen Situation der Marktgemeinde Neubeuern der richtige Bürgermeister bin. Als parteifreier Kandidat, der mit einem Blick von außen und noch dazu mit einem Verwaltungsstudium und einer guten Vernetzung zu anderen Verwaltungen in die Gemeinde kommt, kann ich als neutrales Bindeglied zwischen den Gemeinderatsfraktionen, den Bürgerinnen und Bürger und der Verwaltung sehr zielgerichtet die Belange der Marktgemeinde angehen. Ich hoffe, dass ich bei meinen Wahlveranstaltungen, wie zum Beispiel den zahlreichen Nachbarschaftsgesprächen, die Art und Weise, wie ich Bürgermeister sein möchte, schon etwas vermitteln konnte: Ich werde mein Verwaltungswissen und mein Wissen, was ich als Geschäftsleitender Beamter der Gemeinde in den letzten Jahren aufbauen konnte, dazu nutzen den Bürgerinnen und Bürgern die teils rechtlich sehr komplexen Sachverhalte und Zusammenhänge offen, transparent und bürgernah zu vermitteln. Nur dann können wir für die künftigen Herausforderungen die bestmöglichen Lösungen finden.

12. Was sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele?

Der Markt Neubeuern ist derzeit vor allem finanziell an einem Scheideweg: Die Haushaltssituation ist gemessen an der Vielzahl der Aufgaben äußerst angespannt und viele zu tätigende Investitionen sind eigentlich schon längst überfällig. Ich möchte die Gemeinde finanziell fit für die Zukunft machen, damit alle Projekte wie der Erhalt der Mittelschule, die Ertüchtigung der Kläranlage, die Sanierung der zu reparierenden Kanälen oder auch die energetische Sanierung der gemeindlichen Liegenschaften zu stemmen sind. Als ehemaliger Kommunaler Rechnungsprüfer kenne ich viele Konsolidierungsmaßnahmen, die dem Bürger nicht mal groß weh tun. Das ist eine Frage der Generationengerechtigkeit. Ferner möchte ich im Bereich des Kommunalen Wohnungsbaus aktiv werden. Viele junge einheimische Familien finden derzeit leider in Neubeuern keinen Wohnraum. Ich bin der Überzeugung, dass die Gemeinde hier selbst aktiv werden muss, um in bester Innenbereichslage durch die Verlagerung von Bauhof und Tennisplätzen, bedarfsgerechte und bezahlbare Wohnungen errichten zu können. Die Staatsregierung fördert diese Projekte aktuell mit 30 Prozent, sofern der Wohnraum auch einkommensschwächeren Bürgern zur Verfügung gestellt wird. Ein weiteres wichtiges politisches Ziel für den Ort ist natürlich, dass der Brenner- Nordzulauf nicht über die „blaue Grobtrasse“ erschlossen wird.

13. Was wollen Sie für die Menschen in Neubeuern erreichen?

Nach den turbulenten Ereignissen in den letzten Amtszeiten möchte ich mit meinem überparteilichen Standing, meiner Fachkompetenz und einer unaufgeregten Rhetorik für Ruhe in Rat und im Rathaus sorgen. Die Beurer Kommunalpolitik war durch die Streitigkeiten im Gemeinderat in den letzten Jahren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, sodass für viele grundlegende Angelegenheiten und Entscheidungen kaum noch Energie vorhanden war. Diese aufgeschobenen Angelegenheiten möchte ich jetzt für die Menschen, egal ob jung oder alt, lösen und offen und ehrlich über die künftigen Herausforderungen der Gemeinde informieren. Ich möchte ein Bürgermeister sein, dem die Menschen in Neubeuern auch in kritischen Situationen Vertrauen schenken, auf den sie sich jederzeit verlassen können. Ein Parteienstreit verträgt die Gemeinde nicht mehr, auch wird eine Fortführung der Streitigkeiten dem Ort mit seinen engagierten und aktiven Bürgern nicht mehr gerecht.

14. Thema Infrastruktur: Wie stehen Sie zu den vorgestellten ersten Grobtrassenentwürfen zum Brenner- Nordzulauf, welche Probleme bleiben bestehen, welche kommen hinzu und welche Lösungen haben Sie? Wie stehen Sie generell zu dem Projekt Brenner-Nordzulauf?

Der Markt Neubeuern ist von den Grobtrassenentwürfen vor allem über die „blaue Grobtrasse“ äußerst betroffen. Diese Variante wäre eine erhebliche Einschränkung der gemeindlichen Planungshoheit, ferner würde sie viele Bewohner unseres Orts in ihrer Lebensqualität und auch in ihrem Eigentum einschränken. Wir müssen uns deshalb auf allen drei Ebenen gegen das Projekt zur Wehr setzen: Die emotionale Ebene mit Flugblättern, Veranstaltungen und Demonstrationen wird schon sehr gut bearbeitet, wir dürfen die politische Ebene und die rechtliche Ebene jedoch nicht vergessen. Während wir auf der politischen Ebene gemeinsam mit den betroffenen Bürgermeistern, Gemeinderäten und den Bürgerinitiativen unbedingt die beste Lösung für das Inntal und die Region erarbeiten müssen – das kann nur bedeuten umfangreiche bzw. komplette Untertunnelungen – sind auf der rechtlichen Ebene für das Raumordnungsverfahren alle Raumwiderstände vorzubringen, die der Markt Neubeuern hat (Wasserschutzgebiet, Kläranlage, FFH-Gebiet) beziehungsweise neue Widerstände zu schaffen (Bauhofverlagerung).

15. Thema Verkehr: Sind Sie mit dem öffentlichen Nahverkehr in Neubeuern zufrieden oder würden Sie etwas verbessern wollen? Wenn ja, wie?

Der öffentliche Nahverkehr ist in unserer ländlichen Gemeinde natürlich immer ausbaufähig. Positiv ist, dass das Busnetz in Kürze ausgebaut wird und die Taktzahl zum Raublinger Bahnhof beziehungsweise nach Rosenheim mit sechs Fahrten mehr pro Tag von Neubeuern ansteigt. Die Gemeinde bietet für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger derzeit ein Seniorentaxi an, um Fahrten zu Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten auch außerhalb der Busfahrzeiten zu gewährleisten. Das Taxi ist aufrecht zu erhalten und über das Angebot ist besser zu informieren, damit es wieder mehr genutzt wird. Für die jüngeren Bürgerinnen und Bürger ist an die EUREGIO Inntal heranzutreten, um die Gewährung von Fördermittel für einen Nachtbus am Wochenende von Rosenheim nach Kufstein auf der Ostseite des Inns zu generieren. Die Nachbargemeinden bis hin nach Tirol hätten an einem solchen Angebot sicher auch Interesse.

16. Thema Wohnen: Wie kann gerade in Neubeuern bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden?

Die Staatsregierung fördert derzeit den Kommunalen Wohnungsbau mit Zuschüssen von 30 Prozent. Ich bin der Meinung, dass die Gemeinde selbst aktiv Wohnungsbau auf den Flächen des Bauhofs und des Tennisplatzes nach einer entsprechenden Verlagerung betreiben sollte. Kleinere Wohnungen um die 60 Quadratmeter und Wohnungen für junge Familie zwischen 90 und 110 Quadratmetern sollten dabei einen Schwerpunkt im kommunalen Angebot bilden, damit der Durchschnitt der Bevölkerung sich das Wohnen in Neubeuern wieder leisten kann.

17. Thema Ökologie: Auf welche Weise kann die Marktgemeinde Neubeuern zum Klimaschutz beitragen?

Kommunen haben in ganz vielen Bereichen die Chance zum Klimaschutz beizutragen. Da der Markt Neubeuern in den nächsten Jahren viele Gebäude sanieren und umbauen muss, hat man die Möglichkeit dies unter Berücksichtigung der neusten energetischen Standards zu tun. Ferner können in Bauleitplanungsverfahren Ausgleichsflächen über den gesetzlichen Anforderungen ausgewiesen werden, Entsiegelungsprämien an die Bürgerinnen oder Bürger ausgezahlt werden oder ökologische Flächen auf Gemeinde- und Privatgrund hergestellt werden (bspw. Anlage von Kleingewässern, Blühwiesen), die der Landschaftspflegeverband Rosenheim des Landkreises, bei welchem der Markt Neubeuern Mitglied ist, sogar fördert. Wichtig ist in jedem Fall, dass Bürgermeister, Gemeinderat und Verwaltung den Klimaschutz als Querschnittsaufgabe der Kommune verstehen und in gesundem Maße in die Aufgabenvielfalt der Gemeinde einfließen lassen, so kann auch die Bevölkerung weiter für die Thematik sensibilisiert werden.

jb

Kommentare