Nachgefragt in unserer Region

Keine Volksfeste, Einschnitte beim Brauchtum: So geht's den Trachtenläden

Neubeuern/Nußdorf: So geht es den Trachtengeschäften der Region in der Corona-Krise
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Trachtenhändlern wie Gilbert "Gillei" Mühlhofer aus Neubeuern trifft der Wegfall von Volksfesten und großen Feiern heuer hart. Doch er hat Hoffnung.

Neubeuern/Nußdorf am Inn - Heutzutage kaufen die meisten Trachten vor allem für besondere Anlässe. Dass heuer Volksfeste und große Feiern ausfallen, trifft daher die Fachhändler dieser Branche besonders. 

"Viele Anlässe, auf denen man sonst Tracht trägt beziehungsweise extra ein Dirndl oder eine Lederhose kauft, fallen heuer weg. Keine großen Hochzeiten, keine Kommunion, Gaufeste oder Volksfeste, das hat schon seine Auswirkungen", berichtet Romana Beilhack gegenüber rosenheim24.de. Die Verkäufe in ihrem Geschäft "Trachten und Mode Obermüller" in Nußdorf am Inn seien deutlich zurückgegangen. "Da sind, denke ich, derzeit alle in der Branche betroffen." Sie sei froh, neben Tracht auch Alltagskleidung zu verkaufen. "Sonst würde es für uns eventuell schon ganz anders ausschauen."

Viele Lockerungen der Regeln zum Infektionsschutz sind nach dem Abflauen der Corona-Pandemie inzwischen in Bayern in Kraft getreten. Doch aus Großveranstaltungen, vor allem Volksfesten wird wohl in diesem Jahr nichts mehr werden. Ob Traunsteiner Frühlingsfest, Mühldorfer Traditionsvolksfest oder Rosenheimer Herbstfest, sie alle müssen heuer aussetzen. Brauereien, Wirte und Bedienungen, sowie Schausteller sind wohl die Ersten, an die man unter den Betroffenen denkt. Doch obwohl sie seit Ende April wieder öffnen dürfen trifft es auch die Trachtenläden in der Region hart.

Rückgang bei der Nachfrage nach Trachtenkleidung Teil von Trend bei Hochpreis-Mode

Im "Tracht & Sach" von Gilbert "Gillei" Mühlhofer in Neubeuern ist ebenfalls derzeit weniger los. In seinem Laden am historischen Marktplatz bietet er eine Sammlung alter Lederhosen, Trachtenschmuck aber auch beispielsweise modische Dirndl. "Viele sehen die Tracht eher als einen Luxus, nichts was man wie Alltagskleidung kauft", meint er. "Derzeit sind wir jetzt bis unter die Decke voll mit der Frühjahrs- und Sommerkollektion." 

"Dieses Problem teilen Trachtengeschäfte mit dem übrigen Hochpreis-Kleidungs-Einzelhandel", berichtet Florian Reil, Pressereferent der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern. "Da werden teils Umsatzverluste von bis zu 70 Prozent gegenüber Vor-Krisenzeiten verzeichnet." Zwar habe die Regierung mit Soforthilfsgeldern und Hilfsmaßnahmen getan, was sie konnte. Doch die Verluste würden trotzdem Spuren hinterlassen.

"Einige Kollegen machen jetzt Rabatt-Aktionen und Rausverkäufe", merkt Trachtenhändler Mühlhofer an. "Das mag teils natürlich einfach daran liegen, dass es denen wirtschaftlich gerade schlecht geht und sein muss. Aber es sorgt natürlich dafür, dass viele Leute sich wenn, dann auf diese Sonderangebote stürzen."

Hoffen auf Inlands-Tourismus

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"Gerade bei uns in Bayern sind ja auch Touristen eine wichtige Zielgruppe für den Einzelhandel. Es bleibt also zu hoffen, dass zumindest die erhofften Ströme von Inlands-Touristen zu uns in diesem Sommer dann noch etwas helfen, die Verluste in der ersten Jahreshälfte abzumildern", so IHK-Pressereferent Reil. Darauf setzt auch Mühlhofer. "Zumal ja auch eine Inlandsreise deutlich günstiger sein kann, als ein Auslandsurlaub. Da bleibt dann manchem vielleicht das Geld für ein fesches Dirndl oder eine gescheite Lederhose als Souvenir." 

Er rate im Übrigen, sich jetzt noch einzudecken, wenn man etwa für eine Hochzeit oder ähnlichen Anlass eine besondere Tracht brauche. "Bei den meisten Herstellern ist momentan Stillstand. Mode wird ja aber in der Regel weit im Voraus produziert", gibt er zu bedenken. "Wer also etwa im kommenden Frühjahr heiraten will, könnte sich dann auf einmal mit einem verknappten Angebot konfrontiert sehen!"

Unterdessen eröffnet im September 2020 auch in Neumarkt-Sankt Veit ein neues Bekleidungsgeschäft. Cornelia Marchner erfüllt sich damit einen Traum.

Es bietet ein besonderes Angebot: Brautmoden in Übergrößen.

hs

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