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Wirtschaft fordert Ausbau des Brennertransits

"Verhalten der Bahn desaströs": Vorwürfe an Politik und Bahn bei Podiumsdiskussion zum Nordzulauf

Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Bahn diskutieren Brennertransit. Foto: Lünhörster
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Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Bahn diskutieren Brennertransit.

Die Zulaufstrecke zum Brenner Basistunnel ist seit vielen Jahren ein großes Streitthema in der Region. Der Bedarf sei nicht da, die neue Trasse zerstöre die Umwelt. Auch in der Wirtschaft und der Politik ist Gesprächsbedarf da. So wie am Montag in Neubeuern.

Neubeuern — Ein Jahrhundertprojekt, von dem Menschen in der Region, Bayern und ganz Europa profitieren. Der Brenner-Nordzulauf weckt viele große Hoffnungen für einen besseren und wirtschaftlichen Warenverkehr innerhalb Europas. Aber wie bei vielen Dingen im Leben, was die einen sehnlichst erwarten, ist für die anderen ein Ding der Unmöglichkeit.

Um über die Frage nach der aktuellen Situation des Brenner-Korridors zu sprechen, hat die CSU Mittelstands-Union zu einer Veranstaltung nach Neubeuern eingeladen. Mit dabei waren Vertreter aus der lokalen Politik, der heimischen und bayerischen Wirtschaft, Vertreter der Deutschen Bahn und auch Anwohner der künftigen Bahntrasse.

Wohlstand setzt Infrastruktur voraus

Der generelle Verkehr auf der Brennerroute wird mehr. Hinzu kommen erschwerende Umstände wie die Blockabfertigungen an der Grenze nach Österreich. Was es oft unvorhersehbar macht, wie lange die Route über die Alpen wirklich dauert. Für die Wirtschaft, die oft nach dem Just-In-Time Prinzip arbeitet, ist die Planung kompliziert geworden. Aus Sicht der Wirtschaft muss schnell etwas passieren, um die jetzige Situation zu verbessern. Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), stellte im allgemeinen Interesse der Wirtschaft insbesondere Forderungen an die neue Landesregierung in Tirol. Es müsse ein Dialog über das Ende der Blockabfertigung gestartet werden, das Nachtfahrverbot für Lkw in ganz Österreich sei nicht hinnehmbar, und es dürfe keine Mauterhöhungen für die Strecken geben, bei denen es keine Ausweichrouten gebe.

Es sei eine schwere Zeit für die bayerische Wirtschaft, und die Lage müsse auf Straße und Schiene schnellstmöglich verbessert werden. Die Unternehmen entlang des Stau gebeutelten Inntals wären die ersten Verlierer, wenn nichts gemacht würde.“ Nicht meckern, sondern machen!“, sagte Brossardt.

Unternehmer fordern Gespräche mit Tirol

Um den Güterverkehr auf der jetzt noch bestehenden Infrastruktur bestmöglich nutzen zu können, hat die vbw in Zusammenarbeit mit dem Logistikkompetenzzentrum in Prien ein Projekt mit dem Namen „Klimafreundlicher Brennertransit“ gestartet.

Es soll Unternehmen helfen, eine gute Kombination von Warentransporten auf den Straßen und den Schienen zu planen, und richtet sich dabei auch an Firmen, die bisher noch keine Erfahrungen mit dem Schienengütertransport haben. Bislang werden in Deutschland circa 72 Prozent aller Güter auf der Straße transportiert. Auch in Bezug auf den Klimaschutz, soll sich das in absehbarer Zeit ändern. Besonders auch beim Brennertransit.

Trasse wird noch weiter optimiert

In der folgenden Diskussionsrunde kam Schwung in die Veranstaltung. Georg Dettendorfer, Geschäftsführer eines großen Speditionsunternehmens mit Sitz in Nußdorf am Inn, machte seinem Unmut über die derzeitige Situation mit klaren Worten Luft. Was die Bahn derzeit abliefere, sei für Unternehmen desaströs, so Dettendorfer. Die Pünktlichkeit liege derzeit bei unter 50 Prozent. Pünktliche Lieferungen seien oft nicht möglich. Lieferungen von Verona nach Hamburg könnten bis zu einer Woche dauern, was an einer schlechten Kommunikation seitens der Bahn in Bezug auf Baustellen liege. Auch die Politik habe die vergangenen zehn bis 20 Jahre Planung verschlafen.

Was die Diskussion wieder auf den Brenner-Nordzulauf lenkte. Rosenheims Landrat Otto Lederer betonte erneut, dass die Trasse möglichst verträglich geplant werden solle. Es müsse die schonendste Variante gebaut werden, nicht die billigste. Denn der Landkreis und das Inntal würden die Konsequenzen aus dem Bau tragen. Es müsse getunnelt werden, wo immer es möglich sei.

Matthias Neumaier, der Leiter des Projekts Brenner-Nordzulauf der Bahn, entgegnete, dass bereits jetzt 60 Prozent der 54 Kilometer langen Strecke untertunnelt werden sollten. Er gab dabei aber auch das Versprechen an die Wirtschaft ab, den weiteren Planungsprozess möglichst transparent zu halten. Derzeit ginge es aber nur um das Optimieren der Vorzugstrasse. Die Entscheidung muss der Bundestag 2025 fällen, ob die Kosten-Nutzen-Rechnung so tragbar sei.

Aus dem Publikum kam erneut die Frage auf, ob der Bedarf einer Neubaustrecke überhaupt gegeben sei. Nach dem jetzigen Stand sei auf der Bestandsstrecke noch Platz. Derzeit führen täglich etwa 180 Züge in Richtung Brenner. Bis zur Bemessungsgrenze von 400 Zügen sei also noch viel Luft. Aber Matthias Neumaier wies darauf hin, dass der Bundesverkehrswegeplan, das den Bedarf prognostiziert, nur bis 2030 geht. Derzeit überprüfe der Bund den Wegeplan mit Hilfe von Gutachtern. „Abzuwarten, bis der Bedarfsplan fertig ist, wäre Zeitverschwendung“, so Neumaier.

So ging der Abend zu Ende, wie schon viele andere zuvor auch, die sich dem Thema des Brennertransits gewidmet haben. Mit Ärger, Hoffnung und Unsicherheiten.

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