Neue Vorwürfe im Streit um ADAC-Test

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Rodeln gerne miteinander, rudern in der Auseinandersetzung mit dem ADAC aber nicht zurück: Geschäftsführer Hannes Rechenauer (links) und Bürgermeister Hubert Wildgruber vor einem der beiden neuen Schilder mit Warnhinweisen.

Oberaudorf - Ist die Rodelbahn am Hocheck "mangelhaft"? Nach dem ADAC-Test gab es jetzt ein Treffen, aber von Weihnachtsfrieden kann nicht die Rede sein!

Die Wellen der Empörung schlugen bei der Betreibergesellschaft und bei Bürgermeister Hubert Wildgruber hoch, als der ADAC die Winterrodelbahn am Hocheck kürzlich in einem Testbericht nur mit "mangelhaft" bewertete. Wenn auch die vom Eigentümer der Bahn ins Auge gefassten juristischen Schritte gegen den Automobilclub vorerst nicht drohen, von Weihnachtsfrieden kann trotz eines zwischenzeitlich über die Bühne gegangenen Treffens vor Ort mit den für den Test Verantwortlichen nicht die Rede sein.

"Ich bin sehr enttäuscht", fasst Geschäftsführer Hannes Rechenauer von der Bergbahnen und Freizeitanlagen GmbH&Co. KG das Ergebnis der Besprechung aus seiner Sicht zusammen. Und für Bürgermeister Hubert Wildgruber ist auch nach dem rund dreistündigen Treffen, das auch eine gemeinsame Begehung der Rodelbahn beinhaltete, "nicht nachvollziehbar, wie so ein Ergebnis zustandekommen kann."

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Während Thomas Biersack, der zuständige Projektleiter Verbraucherschutz beim ADAC, das Testergebnis nach der Begehung untermauert sieht, hat Rechenauer in einem Brief an ihn zwischenzeitlich neue Vorwürfe erhoben. So habe der ADAC sein Versprechen gebrochen, Gemeinde und Bahnbetreiber den Testbogen auszuhändigen. Auch der anonyme Tester, der die Rodelbahn am 2. Januar dieses Jahres unter die Lupe genommen habe, sei bei der Begehung trotz gegenteiliger Zusicherung nicht anwesend gewesen. Außerdem habe der ADAC noch immer nicht "alle nachgewiesenen Fehler im Begleittext zu unserem Rodelbahntest" korrigiert. "Das lässt für Vermutungen viel Spielraum", schreibt Rechenauer.

Biersack verweist dagegen auf die Tatsache, dass nach Veröffentlichung des Berichts von den Betreibern der Bahn etliche Maßnahmen ergriffen worden seien, die der Erhöhung der Sicherheit dienen. Sie hätten zusätzliche Prallmatten installiert, an einigen Stellen habe man neue Holzplanken angebracht, und nicht zuletzt stünden am Start und am Ziel jetzt neue Tafeln, die neben der Angabe der Notrufnummer auch Sicherheitshinweise enthielten. "Das alles legt doch nahe, dass wir neuralgische Pukte der Bahn offengelegt haben", sagt Biersack, der den Betreibern eine "sehr gute Reaktion" auf den Testbericht attestiert.

Hannes Rechenauer streitet die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen nicht ab, betont aber, diese seien im Rahmen der routinemäßigen Überprüfungen der Bahn erfolgt, die man seit Jahren sehr engmaschig vornehme. "Der ADAC will sich halt nicht korrigieren, weil er einen Gesichtsverlust befürchtet. Bei uns sowie den Mitgliedern von Berg- und Skiwacht herrscht nur noch Kopfschütteln vor", sagt der Geschäftsführer. Nicht zuletzt verweist er im Hinblick auf Zwischenfälle auf die gute Statistik. In der vergangenen Wintersaison seien auf der Bahn insgesamt nur drei Einsätze von Berg- und Skiwacht erforderlich gewesen.

Die juristische Keule will Rechenauer trotz aller Enttäuschung vorerst nicht schwingen. Er will jetzt erst einmal abwarten, wie der vom ADAC angekündigte Nachbericht zu jenen elf Rodelbahnen in ganz Deutschland ausfällt, die mit mangelhaft bewertet worden sind. Außerdem will er einen bereits angekündigten Bericht des Automobilclubs kritisch unter die Lupe nehmen, der sich mit dem Preis-Leistungsverhältnis von Rodelbahnen befasst und auch eine Bewertung der Oberaudorfer Bahn vornimmt. "Dann sehen wir weiter", so Rechenauer.

Unabhängig von der Frage, ob der Testbericht noch Anwälte beschäftigen wird, sieht Bürgermeister Hubert Wildgruber die Notwendigkeit, dass solche Tests an sich einer kritischen Prüfung unterzogen werden. "Darauf müssen wir hinwirken. Es kann doch nicht sein, dass nach Schema X Rodelbahnen miteinander verglichen werden, die gar nicht vergleichbar sind."

Da stimmt Wildgruber auch die Geschäftsführerin des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS) zu, die bei dem Treffen in Oberausdorf ebenfalls mit dabei war. "Ich hätte mir von dem Test mehr erwartet", bekennt sie freimütig. Im Bericht habe sie nur "lapidare Aussagen" entdeckt. Dennoch setzt auch Priesnitz auf den Dialog mit dem ADAC, um künftig eine Form der Verägerung zu vermeiden, wie man sie in Oberaudorf erlebe. "Wir sind jederzeit gesprächsbereit", versichert Priesnitz, wenngleich auch sie sich einen deutlichen Seitenhieb auf den Automobilclub nicht verkneifen kann."Wenn es dem ADAC wirklich um die Sicherheit der Bahn geht, dann hätte er nach dem Test am 2. Januar viel eher das Gespräch mit den Betreibern suchen müssen."

Norbert Kotter (Oberbayerisches Volksblatt)

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