Platzt der Traum vom Badesee?

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Die ehemalige Panzerwaschanlage hat längst ausgedient. Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer fordert ihren Rückbau.

Nußdorf - Bürgermeister Sepp Oberauer will das Gelände in den Innauen als nationales Naturerbe sichern. Doch der A8-Ausbau könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Rund 65 Hektar ist das Gelände in den Innauen bei Nußdorf groß, das den einst in Brannenburg stationierten Gebirgspionieren für militärische Übungszwecke diente. Seit dem Abzug der Soldaten vor rund zwei Jahren bemüht sich der Nußdorfer Bürgermeister Sepp Oberauer darum, diese Fläche als sogenanntes nationales Naturerbe für die Gemeinde zu sichern. Der geplante sechsspurige Ausbau der A8 zwischen Frasdorf und Achenmühle könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Das Areal befindet sich derzeit noch im Besitz des Bundes. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist mit dessen Verwertung betraut. Nun rückt die Auenlandschaft allerdings auch als mögliche ökologische Ausgleichsfläche bei einem Ausbau der Bundesautobahn ins Blickfeld. Monika Maucher, Hauptstellenleiterin Verkauf für Bayern und Baden-Württemberg bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, bestätigt, dass parallel zu den laufenden Verkaufsverhandlungen auch die Frage geprüft wird, ob sich die besagten 65 Hektar hierfür eignen. "Trifft dies zu und wird der Bedarf für diese Form der Nutzung festgestellt, ist das auf jeden Fall ein vorrangiges Bundesinteresse", lässt Monika Maucher keinen Zweifel daran, dass das Nußdorfer Gemeindeoberhaupt in diesem Fall wohl seine Pläne begraben müsste.

Die haben bereits konkrete Formen angenommen. "Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass ein Privatmann den Zuschlag erhält. Die Fläche muss öffentlich zugänglich bleiben", sagt der Bürgermeister, der die Innauen als ideales Naherholungsgebiet vor den Toren von Nußdorf sieht. Spaziergänger und Radfahrer sollen sich nach seinen Vorstellungen hier künftig wohlfühlen. Den ehemaligen Pioniersee kann er sich als Badesee gut vorstellen. Dass es ihm am liebsten wäre, wenn der Bund die Fläche der Gemeinde kostenfrei überlässt, auch das räumt Sepp Oberauer freimütig ein: "Wir können eigentlich nichts zahlen. Sonst zerreißt es uns den Haushalt."

Zu den Gesprächen zwischen der Gemeinde und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben äußert sich Sprecher Michael Fischer vom Landratsamt Rosenheim zwar nicht. Im Hinblick auf die künftige Nutzung der Fläche verweist er aber darauf, dass es sich bereits jetzt um ein europäisches Schutzgebiet handelt, in dem die sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien (FFH) gelten. "Die Bundeswehr konnte hier üben, weil sie Bestandsschutz genossen hat. In dem Gebiet dürfen aufgrund des FFH-Status jedoch keine Veränderungen vorgenommen werden, die seinen ökologischen Zustand verschlechtern", betont Michael Fischer. Wolle die Gemeinde hier beispielsweise einen Kiosk zur Versorgung von Badegästen errichten, bekäme sie bereits ein Problem.

Für Sepp Oberauer ist das Gelände im Hinblick auf die Nutzung derzeit "ein bisserl ein rechtsfreier Raum". Da denkt er beispielsweise an die ehemalige Panzerwaschanlage, die sich derzeit noch hier befindet. "Die wird nicht mehr benötigt und hat deshalb in einem FFH-Gebiet nichts mehr zu suchen", betont Sepp Oberauer. Er sieht den Bund in der Verpflichtung, die Anlage möglichst rasch auf eigene Kosten zu demontieren. Die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU), die die Überlegungen des Bürgermeisters unterstützt und erst durch die OVB-Anfrage davon erfahren hat, dass das ehemalige Truppenübungsgelände als Ausgleichsfläche herangezogen werden könnte, will jetzt möglichst rasch Klarheit schaffen. Sie sei nach Gesprächen mit der Gemeinde bereits im Bundesfinanzministerium vorstellig geworden und habe von dort das Signal erhalten, "dass es gute Chancen gibt, die Fläche als nationales Naturerbe einzustufen".

Das Ansinnen der Gemeinde weiterhin zu unterstützen, hat für die Abgeordnete Priorität. Gleichwohl will sie das vorrangige Bundesinteresse nicht infrage stellen, sollte das ehemalige Übungsgelände als Ausgleichsfläche für den Autobahnausbau benötigt werden. "Diese Fläche in räumlicher Nähe zu der Baumaßnahme zu wissen, das ist sicher in jedermanns Sinne", meint Daniela Ludwig.

Die Abgeordnete will jetzt klären, wann das Areal frühestens als Ausgleichsfläche benötigt würde. Deshalb wird sie auf die Autobahndirektion Südbayern zugehen und sich über den aktuellen Planungsstand für den Ausbau der A8 informieren. "Das ist ja alles nicht sofort spruchreif", betont Daniela Ludwig und schließt nicht aus, dass die Verhandlungen ein für beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis bringen könnten.

Oberbayerisches Volksblatt

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