Betreiber empört über ADAC-Urteil "mangelhaft"

Oberaudorf - Die Betreiber der Winterrodelbahn am Hocheck werfen den ADAC-Testern "nachweislich falsche Aussagen vor". Auch juristische Schritte seien denkbar.

Mit "mangelhaft" wurde die Winterrodelbahn am Hocheck in Oberaudorf in einem kürzlich vom ADAC veröffentlichten Testbericht bewertet. Die Betreibergesellschaft ist empört und wift dem Automobilclub in einem Brief "nachweislich falsche Aussagen vor", deren Korrektur sie fordert. Auch juristische Schritte schließt Geschäftsführer Hannes Rechenauer nicht aus.

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Dem Tester des ADAC, der die Rodelbahn bereits am 2. Januar dieses Jahres unangemeldet unter die Lupe genommen hatte, wirft Rechenauer "schlampige Recherche" vor. Durch die Veröffentlichung des Berichts - die Hocheck Bergbahnen und Freizeitanlagen GmbH&Co. KG wurde darüber nach seiner Auskunft nur wenige Stunden vorher informiert - sieht der Geschäftsführer einen "gewaltigen Imageschaden" für die Bahn, der finanzielle Auswirkungen haben dürfte.

Nicht zuletzt aus diesem Grund fordert er vom ADAC die rasche Korrektur etlicher darin getroffener Feststellungen, die dann ebenfalls veröffentlicht werden müsste. Sollte der Automobilclub dazu nicht bereit sein, erwägt Rechenauer den Gang vor den Kadi. Sein mehrseitiges Schreiben an Thomas Biersack, den zuständigen Projektleiter Verbraucherschutz beim ADAC, hat offenbar bereits Wirkung gezeigt. Gegenüber dem OVB bestätigte Biersack, dass es noch im Dezember ein Treffen vor Ort geben und die Naturrodelbahn im Beisein von ihm, Vertretern der Betreibergesellschaft und des ADAC nochmals gecheckt werde.

Den Tester, der im Januar im Einsatz war, nimmt Biersack in Schutz, auch wenn er einräumt, dass der Bericht im Fall Oberaudorf bereits modifiziert werden musste. Die Feststellung zum Beispiel, dass die Bahn nicht vom Hocheck bis ins Tal führe, wird nicht aufrecht erhalten. Diese Aussage war nur eine von vielen, die neben Hannes Rechenauer auch Bürgermeister Hubert Wildgruber auf die Palme bringt. "Das Ergebnis ist nicht nachvollziehbar", sagt der Bürgermeister und liegt mit der Forderung nach Korrekturen auf einer Linie mit dem Geschäftsführer, der zugleich Vizepräsident des Verbands deutscher Seilbahnen ist.

Rechenauer erinnert daran, dass die Oberaudorfer Bahn die einzige Winterrodelbahn in ganz Deutschland sei, die alle zwei Jahre vom TÜV geprüft werde. Dessen Zertifikat, mit dem die Sicherheit bestätigt werde, habe am Testtag Gültigkeit gehabt. "Ist der ADAC jetzt schon kompetenter als der TÜV?", fragt er sich und spart nicht mit weiteren gravierenden Vorwürfen an die Adresse des Testers. So sei unberücksichtigt geblieben, dass die Bahn im Winter jeden Tag vor ihrer Öffnung von einem unabhängigen Experten der Deutschen Skiwacht begangen werde, der auf mögliche Gefahrenquellen aufmerksam mache. Darüber hinaus finde im Frühjahr und im Herbst eine weitere Begehung mit Vertretern der Betreibergesellschaft und Mitgliedern von Berg- und Skiwacht statt, bei der es ebenfalls ausschließlich um das Erkennen möglicher Sicherheitsmängel gehe.

Ein besonders gravierendes Manko an der Bewertung ist nach Rechenauers Ansicht darüber hinaus die Tatsache, dass im Testbericht völlig unberücksichtigt geblieben sei, dass parallel zur Rodelbahn ein Fußweg verlaufe, den bergauf gehende Rodelfans benutzen könnten. "Damit ist eine der größten Gefahren, nämlich eine Kollision zwischen einem talwärts fahrenden Rodler und einem Fußgänger, der in Richtung Start unterwegs ist, völlig ausgeschlossen", sagt der Geschäftsführer. Dass in der Studie zudem von einem mangelnden Aufprallschutz die Rede ist, kann er ebenfalls nicht nachvollziehen. "Am Testtag waren nachweislich 21 Aufprallmatten vorhanden."

Wenn Thomas Biersack demnächst nach Oberaudorf kommt, wird die Liste der Korrekturen jedenfalls lang sein, die ihm präsentiert wird. Ein wenig rudert der Projektleiter bereits im Vorfeld des Treffens zurück, wenngleich er die Bewertung mangelhaft noch aufrecht erhält und darauf verweist, dass die Tester für ihre Aufgabe eigens geschult worden seien. Als Defizite der Bahn erkennt Biersack unter anderem nach wie vor, dass Prallschutz nicht in ausreichendem Maße vorhanden sei, auf Gefahrenstellen nicht genügend hingewiesen werde und vor allem eine durchgehende Rodelbahn-Wand an den Seitenrändern der rund drei Kilometer langen Strecke fehle. "Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass es sich um eine Naturbahn handelt und man nicht jegliches Risiko ausschließen kann", sagt dazu Bürgermeister Hubert Wildgruber.

Eine Eskalation des Konflikts will Biersack allerdings vermeiden. "Wir wollen das partnerschaftlich über die Bühne bringen", sagt er und deutet auch an, dass die Verärgerung in Oberaudorf am ADAC nicht spurlos vorübergeht. "Es kann durchaus sein, dass die Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, dazu führen, dass wir unser Testkonzept überdenken."

Norbert Kotter/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © red/dpa

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