Virtuelles Spiel

Corona schachmatt gesetzt: Wie Schachvereine aus der Region den Lockdown überlisten

Das königliche Spiel ist durch die Pandemie nicht kleinzukriegen: Viele Vereine, die ihre klassischen Schachbretter notgedrungen ruhen lassen, setzen jetzt auf Online-Schach. So auch die Inntaler Schachfreunde und die Schachgemeinschaft Vogtareuth-Prutting.

Oberaudorf/Vogtareuth – Dieter Schönleben, Vorsitzender der Inntaler Schachfreunde, ist bereits im virtuellen Spielfieber. Erst am Mittwoch hat er an einem Turnier eines tschechischen Vereins teilgenommen. Und es hat sich gelohnt: Er hat den dritten Platz erreicht. Peter Eberl, Präsident des Bayerischen Schachbunds, hat sich den zweiten Platz erkämpft.

Weiterhin am Brett bleiben

Eberl und Schönleben sind mittlerweile regelmäßige Nutzer der Online-Plattform „Lichess“. „Das Ganze läuft überregional ab“, sagt Schönleben. Man müsse nicht zwingend in einem Verein dabei sein. Anmelden könne sich jeder, der Schachspielen möchte. Aber gerade für Vereine sei der Online-Trend während der Pandemie ein Segen – weil es ihnen die Möglichkeit gibt, weiterhin am Brett zu bleiben.

Als im März 2020 Präsenzveranstaltungen plötzlich verboten waren, ist Schönleben auf die Idee gekommen, die kostenlose Plattform „Lichess“ zu nutzen. Etwa die Hälfte der Mitglieder sei mitgezogen. „Die meisten sind zwischen 18 und 80.“ Die etwas Älteren, die kein Internet haben oder sich nicht registrieren wollen, schwören aber nach wie vor auf das klassische Schach.

Der persönliche Kontakt fehlt

„Echtes Schachspiel ist schon wertvoller“, räumt der 69-Jährige ein. Da könne man nicht betrügen. Im virtuellen Schach hingegen könnte man theoretisch schummeln und sich ein Schachbuch zu Hilfe nehmen. „Und der persönliche Kontakt fehlt“, so der Vorsitzende. Im Online-Portal sehe man seine Gegner nicht – nur das Schachbrett und die Figuren.

Peter Eberl aus Rosenheim sieht im virtuellen Schach aber auch viele Vorteile: „Ich kann zu jeder Tag- und Nachtzeit spielen.“ Leute aus aller Welt nehmen an Schachpartien teil. „Von Indonesien bis hin nach Kuba, Peru oder Chile.“ Zudem könnten sich jetzt Leute, die keinen Verein in ihrer Nähe hatten, mit anderen Personen austauschen. Eberl ist überzeugt: „Das Portal hat einen Aufschwung durch Corona erlebt.“

Schach auf dem Tablet

Auch Eberl hat im März 2020, als der erste Lockdown ausgerufen wurde, Blut geleckt. Die Idee habe er sich von den Inntalern „geklaut“, gibt er zu. Und wie der 67-Jährige angibt, hatte er keine Schwierigkeiten, sich auf der Plattform zurechtzufinden: „Ich nutze auch auf meinem Tablet ein Schachprogramm.“

Auch Mitglieder der Schachgemeinschaft Prutting-Vogtareuth hätten sich mittlerweile bei „Lichess“ registriert. Jeden Montag hält der Verein jetzt von 19 bis 21.30 Uhr ein virtuelles Schachturnier ab.

„Wir können unseren Sport weiterbetreiben. Das ist der Vorteil gegenüber allen anderen Sportarten“, sagt Eberl. Und dass Schach durchaus „Sport“ ist, steht für den Rosenheimer außer Frage: „Es hat schon Schachturniere gegeben, da hab ich drei Kilo abgenommen.“ Schach strenge den Körper an, rege das Denken an und stärke die Konzentrationsfähigkeit.

Springer, Bauer und Dame gehören dazu

Etwa 55 Jahre lang gehören der Springer, die Bauern oder die Dame nun zu Eberls Leben. Er leitete viele Vereine und brachte so einiges auf den Weg. So hat er 1977 die Schachgemeinschaft Prutting-Vogtareuth ins Leben gerufen.

Einige Jahre machte er sich auch als Bezirksjugendleiter im Schachbezirk Oberbayern verdient. Seit 2014 ist Eberl Präsident vom Bayerischen Schachbund. „Noch drei Jahre mach ich das. Mit 70 ist dann Schluss. Nicht dass dann jemand sagt: ,Was mechst denn mit dem alten Sattel noch?‘“, begründet er lachend seinen Entschluss.

Dieter Schönleben ist begeistert von dem Enthusiasmus seines Freundes und Schachkollegen Eberl. „Auch die Kreisverbände spielen gegeneinander im Online-Portal.“

Aber eine Sache hat die Pandemie den Vereinen vermiest: „Wir kriegen in der Corona-Zeit kaum Zuspruch“, bedauert Schönleben. Denn Zuwachs bekämen die Vereine häufig über Veranstaltungen. Dennoch seien die meisten Mitglieder sehr jung. Das Besondere am Schach: „Man lernt zu verlieren. Und das gehört zum Leben dazu.“

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