Impfpause für die Betroffenen

Corona in Oberaudorfer Seniorenheim: Drei von neun Infizierten hatten die erste Impfdosis erhalten

Im Pflegezentrum „Pur Vital“ in Oberaudorf ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen: Neun Infektionen gab es unter den Heimbewohnern und Mitarbeitern. Und das mitten hinein in die laufende Impfung im Haus.

Update, 3. Februar - Die zweite Impfung stand kurz bevor

Oberaudorf – Schützt schon die erste Impfung zuverlässig vor einer Corona-Infektion? Eher nicht, wie sich beim Pflegezentrum „Pur Vital“ in Oberaudorf zeigt. Drei der neun Infizierten dort hatten die erste Impfung bereits hinter sich. Das teilte Katharina Zimmerer, Sprecherin des Heimbetreibers „Pur Vital Altenhilfe GmbH“, auf Nachfrage mit.

Zwei der Bewohner und ein Mitarbeiter seien bereits Mitte Januar mit dem Wirkstoff geimpft worden und hätten am Dienstag die nötige zweite Impfung absolviert. Dass die vier Mitarbeiter nicht geimpft gewesen seien, liege am geringen Nachschub an Impfdosen. „Über die Gründe dafür, dass nach der ersten Impfung Infektionen aufgetreten sind, kann man nur spekulieren“, sagt Ina Krug, Sprecherin des Gesundheitsamtes Rosenheim.

Wer sich tatsächlich gegen das Virus wappnen will, benötigt also die zweite Impfung. „Ich empfehle daher allen Bürgern, die unter die erste Gruppe der priorisierten Bevölkerung fallen, das Impfangebot wahrzunehmen“, sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamts Rosenheim. Die Impfungen im „Pur-Vital“-Heim wurden am Dienstag bei zehn Bewohnern und sechs Mitarbeitern fortgesetzt, die Infizierten legen allerdings eine Impfpause ein.

Erstmeldung:

Trotz einer bereits durchgeführten, ersten Corona-Impfung kam es am Donnerstag, 28. Januar, im Pflegezentrum „Pur Vital“ in Oberaudorf zu einem Ausbruch mit insgesamt neun Infizierten. Von den 61 Heimbewohnern sind vier Personen positiv auf das Virus getestet worden. Drei der Bewohner zeigen laut Heimleitung Symptome, einer ist symptomfrei. Überdies sind fünf Mitarbeiter infiziert.

Keine weiteren Ansteckungen

Wie Katharina Zimmerer, Sprecherin des Heimbetreibers „Pur Vital Altenhilfe GmbH“ auf Nachfrage mitteilte, habe man weitere Ansteckungen aufgrund schneller Maßnahmen verhindern können. Die positiv getesteten Bewohner seien umgehend auf eine Quarantänestation in Einzelzimmer verlegt worden. Die Mitarbeiter befänden sich in häuslicher Quarantäne.

Wie steht es ums Thema Impfung in der Einrichtung? Im Pflegezentrum Oberaudorf wurde bereits am 12. Januar die erste Impfung bei den Bewohnern vorgenommen. Die zweite Impfung wäre für Dienstag, 2. Februar, geplant gewesen: „Hier entscheidet aber noch das Gesundheitsamt, ob diese stattfinden wird“, so Zimmerer. Wie es trotz Impfung zu einem Corona-Ausbruch kommen konnte, kann sich Zimmerer nicht erklären: „Das wäre reine Spekulation.“

Lesen Sie auch:

Senioren der Kursana-Residenz Prien vertragenCorona- Impfung gut – Pieks als Hoffnungsschimmer

Blick zurück: Am Freitag, nach Bekanntwerden der positiven Testergebnisse, waren sowohl Heimaufsicht als auch der Katastrophenschutz zu einem Beratungsgespräch in der Einrichtung. „Unsere Mitarbeiter haben große Anerkennung verdient, denn alle haben mitgeholfen, dass die Einrichtung der Quarantänestation, die Verlegung der betroffenen Bewohner, Testungen und weitere notwendige Maßnahmen so schnell erfolgt sind“, sagt Hanna Zenker, Hausleiterin des Pflegezentrums Oberaudorf. Derzeit herrscht bis 7. Februar ein Besuchsverbot. „Wir haben seit längerem vier Mitarbeiter als Besuchsdienst eingestellt.“ Diese würden während des Verbots nun die soziale Betreuung unterstützen, indem sie Einzelbeschäftigungen mit den Bewohnern machen.

Laut Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes Rosenheim, prüft der Katastrophenschutz im Landratsamt in Absprache mit dem Heimbetreiber derzeit, wie das Heim bei den Reihentestungen mit Antigen-Schnelltests unterstützt werden kann.

Lesen Sie auch:

Mit dem Fahrdienst kommen Wasserburger Senioren zukünftig ins Impfzentrum

Heimleiterin Zenker gibt sich optimistisch: „Wir sind froh, dass unser Pandemieplan so gut greift, und sind zuversichtlich, dass keine weiteren Neuerkrankungen hinzukommen.“ Jeden zweiten Tag erfolge eine Schnelltestung bei Bewohnern und Mitarbeitern. Neue Erkrankungen seien seit dem Ausbruch nicht mehr hinzugekommen. Laut Katharina Zimmerer ist die Impfbereitschaft unter den Heimbewohnern „sehr hoch“.

„Pur Vital“ betreibt insgesamt sechs Heime in Südostbayern, darunter in Bergen, Garching/Alz, Traunreut, Trostberg und Straubing. An den Standorten außerhalb des Landkreises Rosenheim sind Zimmerer zufolge bereits beide Reihenimpfungen vollzogen – sehr zur Erleichterung des Betreibers. „Wir freuen uns, dass wir eine durchschnittliche Impfquote von 91 Prozent bei den Bewohnern haben“, so Zimmerer.

Hohe Bereitschaft beim Personal

Auch bei den Mitarbeitern sei die Impfbereitschaft hoch. Aber, wie Zimmerer anmerkte, gebe es überall „zu wenig Impfstoff.“ Deshalb müssten die Mitarbeiter auf Impftermine warten.

Mit Sorge blickt Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt auf das Infektionsgeschehen in seiner Gemeinde: „Es ist sehr bedauerlich, dass das Heim betroffen ist. Hier trifft es die Ungeschütztesten der Ungeschützten und das in einer Zeit kurz vor der zweiten Impfung.“

Bereits 7.409 Personen geimpft

In Stadt und Landkreis Rosenheim wurden bereits 7409 Personen einer Corona-Erstimpfung unterzogen, wie es auf Anfrage aus dem zuständigen Impfzentrum Rosenheim heißt. Unter den Geimpften sind 3360 Personen in Alten- und Pflegeheimen, 2099 in Kliniken und 1950 vor Ort im Impfzentrum. Hinzu kommen insgesamt 3177 Zweitimpfungen, darunter 1290 in Seniorenheimen, 1757 in Kliniken und 130 im Impfzentrum. Zahlen zum Impfstatus in den Pflegeheimen in Stadt und Landkreis Rosenheim waren gestern bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

Kommentare