Junge Mutter wendet sich an Ministerpräsident Söder

Trotz Notbetreuung: Corona-Krise verändert Sophie (4) aus Oberaudorf 

Claudia Harlander und ihr Mann Günther aus Oberaudorf sind beide selbstständig. Die Corona-Krise verändert ihre kleine Tochter Sophie. Wegen der Situation in der Kindernotbetreuung hat sich die junge Mutter bereits an Ministerpräsident Söder gewandt. 
+
Claudia Harlander und ihr Mann Günther aus Oberaudorf sind beide selbstständig. Die Corona-Krise verändert ihre kleine Tochter Sophie. Wegen der Situation in der Kindernotbetreuung hat sich die junge Mutter bereits an Ministerpräsident Söder gewandt. 

Oberaudorf - Claudia Harlander arbeitet als selbstständige Friseurin, ihr Mann Günther betreibt seit knapp zehn Jahren einen Baustoffhandel. Die Corona-Krise stellt die junge Familie vor Herausforderungen - gerade was ihre kleine Tochter Sophie und die Kindernotbetreuung angeht. Sie fühlt sich von der Politik im Stich gelassen und wendet sich mit einem Schreiben an die Staatsregierung. 

"Es ist eine Katastrophe", bringt es Claudia Harlander im Gespräch mit rosenheim24.de auf den Punkt. "Wir sind ratlos, sprachlos, verzweifelt und fühlen uns im Stich gelassen. Lasst die Selbstständigen überleben und helft ihnen mit der Kindernotbetreung im Kindergarten - gerade in dieser schwierigen Zeit. Es muss sich dringend etwas ändern um nicht noch mehr Schäden in den Betrieben anzurichten", erläutert die 33-Jährige. Diese Worte schrieb sie auch an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Bis dato ohne Antwort. 

Nützliche Links zu Corona:

Inzwischen befindet sich Sophie zwar in einer wechselnden Betreuung, Claudia Harlander aber wünscht sich eine fixe Bezugsperson, da die Kleine mittlerweile fremdele, den Kopf wegstecke sobald sie fremde Personen erblicke und sehr an ihrer Mutter klammere. "Ich gehe mit Tränen arbeiten, möchte Sophie ungern alleine lassen, wenn ich sehe wie sich mein Kind durch die Gegebenheiten wegen des Coronavirus verändert", schildert die Oberaudorferin. Jede freie Minute verbringe sie mit ihrer Tochter, doch Job und Familie gerade jetzt in der Krise erfolgreich unter einen Hut zu bringen sei kaum umsetzbar

Corona-Einschränkungen führen zu "Schäden in der Entwicklung" 

Der Idealfall wäre natürlich, dass die Vierjährige wieder in den Kindergarten gehen darf. Denn die Corona-Krise sei gerade noch für kleine Kinder sehr gefährlich, davon ist die junge Mutter überzeugt: "Sophie versteht nicht, warum sie nicht mehr mit zum Einkaufen oder ihre Freunde im Kindergarten nicht sehen darf. Wenn man nicht gerade auf dem Spielplatz ist, ist das Kind nur zuhause eingesperrt - ohne soziale Kontakte. Sophie fehlen ihre Freunde, die gewohnte Umgebung, Routine im Alltag. Die Situation ist für meine Tochter nicht mehr länger ertragbar. Was uns am meisten wehtut ist zu sehen, dass sie durch das Ganze inzwischen Schäden in der Entwicklung davon trägt."   

Wie es weitergeht, wissen die beiden selbständigen Eltern nicht. "Ständig wird von Lockerungen geredet, aber wann diese dann wirklich umgesetzt werden, bleibt offen." Seit Mitte März haben Kindergärten und Kitas geschlossen. Die Regierung möchte die Notbetreuung in Krippen, Kindergärten und Horten schrittweise ausbauen. Mittlerweile gehören dazu Elternpaare, von denen ein Erziehungsberechtigter in "einem Bereich der kritischen Infrastruktur tätig" ist, erwerbstätige Alleinerziehende sowie Familien, in denen beide Erziehungsberechtigte nicht zu Hause arbeiten können. Auch Eltern, deren Kind eine Behinderung oder Anspruch auf Erziehung hat, können eine Notbetreuung beantragen. Die genauen Voraussetzungen und Regelungen sind auf der Internetseite des Sozialministeriums zu finden. 

Am 27. Mai wurde nun auch eine Petition an die Bundesregierung gestartet, die einen Regelbetrieb an bayerischen Schulen, Kindergärten und Kitas ab September fordert. Zwar gibt es staatlich geregelte Tagespflegepersonen, die unter anderem auf der Seite des Kreisjugendamts Rosenheim vermittelt werden. Claudia Harlander ist bereits in Kontakt mit den zuständigen Mitarbeitern für Oberaudorf und konstituiert nüchtern: "Leider gibt es auch hier kein verfügbares Personal für die Betreuung von Sophie." 

Claudia Harlander versteht die Situation, die für alle neu sei und kann auch das Handeln der Politik um das Virus einzudämmen, nachvollziehen. "Wir brauchen aber eine Perspektive. Österreich ist zurückgekehrt zum normalen Alltag, da klappt das mit den geöffneten Kindergärten. Warum verfolgt unsere Regierung nicht den Weg zurück zur Normalität, wenn die Zahlen doch bereits so stark nach unten sinken? ", fragt sich die junge Mutter abschließend. 

mb

Kommentare