Lärchenwald mit 100 Jahre alten Bäumen abgeholzt

Kahlschlag am Sudelfeld beschäftigt Staatsregierung und Staatsanwaltschaft

Bauerngehöfte im Sudelfeld oberhalb von Brannenburg (Oberbayern).
+
Bauerngehöfte im Sudelfeld oberhalb von Brannenburg. (Archivbild)

Sudelfeld - Das Landschaftsschutzgebiet rund um die Seeon-Alm existiert nicht mehr. Ein alter Lärchenwald wurde von den Waldbesitzern bereits Ende 2019 abgeholzt. Dieser Vorfall wurde jetzt auch in einer Kleinen Anfrage an die bayerische Staatsregierung behandelt.

3,9 Hektar Wald, die zwei Landwirte abholzen ließen, müssen „verpflichtend wiederaufgeforstet“ werden. Das stellte die Bayerische Staatsregierung nun in der Antwort auf eine Parlamentsanfrage des Abgeordneten und Forstpolitischen Sprechers der Grünen im Landtag, Hans Urban, klar. Die Rodungsanträge wurden zuvor von der unteren Forstbehörde abgelehnt. Außerdem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft wegen eines Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz bereits gegen den Flächenbesitzer ermittelte. Das Verfahren wurde aber eingestellt. 

Lärchenwald am Sudelfeld abgeholzt - das sagt die Staatsregierung

Die Landwirte müssen nach Aussage der zuständigen Naturschutzbehörde zudem ein Gutachten zur Vegetation mit zusätzlichen Aussagen zum Vorkommen von wildlebenden Tieren der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten beauftragen. Warum? Sie standen Ende 2019 heftig in der Kritik, weil sie auf der Seeon-Alm am Brünnstein, nahe des Skigebiets Sudelfeld, einen Wald abgeholzt hatten - und zwar komplett.

Laut des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz handle es sich bei 3,9 Hektar der Fläche um Wald im Sinne des Bayerischen Waldgesetzes und bei etwa 6,4 Hektar um landwirtschaftliche Fläche. Außerdem sei ein etwa 0,1 Hektar großer Schutzwaldstreifen gerodet worden, wofür keine Genehmigung erteilt worden sei. „Entsprechend den waldgesetzlichen Bestimmungen sind diese Schutzwaldflächen von 0,1 Hektar und die weiteren kahlgeschlagenen Waldflächen von 3,8 Hektar verpflichtend wiederaufzuforsten“, so die Staatsregierung.

Rodungsanträge gestellt und abgelehnt

Die beiden Landwirte hatten für zwei Teilflächen Rodungsanträge über insgesamt ca. 1,86 Hektar gestellt, wie aus der Antwort der Staatsregierung hervorgeht. „Die Flächen sollten künftig als Almweideflächen genutzt werden. Die gestellten Rodungsanträge wurden von der unteren Forstbehörde abgelehnt. Gegen eine der Ablehnungsentscheidungen wurde mittlerweile Klage eingereicht.“

Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungsverfahren eingeleitet

Aus der Antwort der Staatsregierung geht auch hervor, dass die Staatsanwaltschaft Traunstein gegen den Verursacher ein Ermittlungsverfahren wegen Vergehens nach § 71 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) durchgeführt hat. Da ein strafbares Verhalten nach dem Bundesnaturschutzgesetz aber nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden konnte, sei das Verfahren eingestellt worden. Das Landratsamt Rosenheim beabsichtige aber, gegen den Verursacher ein Bußgeldverfahren wegen Biotopzerstörung einzuleiten.

Abschließende Aussagen zur grundsätzlichen oder teilweisen Genehmigungsfähigkeit der Maßnahmen am Sudelfeld können von der Staatsregierung erst nach Vorlage des Gutachtens getroffen werden.

jb

Kommentare