Oberaudorfer startet Petition gegen Grenzkontrollen

Anwohner fordert: „Kein eiserner Corona-Vorhang zwischen Bayern und Tirol!“

Anwohner Ludwig (li.) hat eine Petition wegen der verschärften Grenzkontrollen zwischen Tirol und Deutschlang gestartet.
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Anwohner Ludwig (li.) hat eine Petition wegen der verschärften Grenzkontrollen zwischen Tirol und Deutschlang gestartet.

Oberaudorf/Tirol - Scharfe Grenzkontrollen herrschen zur Zeit zwischen Tirol und Bayern - kaum mehr erträglich für Betroffene im Grenzgebiet. Ein Oberaudorfer hat deswegen eine Petition gestartet.

Seit Mitte Februar gelten wegen der in Tirol vorkommenden südafrikanischen Corona-Virusvariante verstärkte Grenzkontrollen zwischen dem österreichischen Bundesland und Bayern. Im Alltag bedeutet dies für die Grenzgebiete eine große Belastung, denn ins jeweils andere Land kommt man nur noch in ganz seltenen Ausnahmefällen, etwa aufgrund eines systemrelevanten Berufs. 

Den Anwohnern reicht es. Ludwig Englmeier, ein gebürtiger Bad Aiblinger, wohnt seit 13 Jahren in der Gemeinde Oberaudorf, kurz vor der Grenze zu Österreich. Der 53-Jährige hat wegen der schwierigen Grenzsituation eine Petition gestartet.

Mit der Petition möchte der studierte Biochemiker Erleichterungen beim Grenzverkehr erreichen, aber vor allem, dass die Regierungen in Bayern und Tirol sich besser abstimmen. Aktuell herrscht an der Grenze nämlich ein wahres Bürokratie-Chaos.

Stets mit „Schnellhefter“ über die Grenze: „Es reicht - und ich bin einfach nur verzweifelt!“ (Plus Artikel)

Ziel ist also, “dass die Menschen diesseits und jenseits der Grenze nie wieder darunter leiden müssen, dass der bayerische Ministerpräsident anscheinend die Telefonnummer des Tiroler Landeshauptmanns nicht kennt oder keine Lust hat, mit ihm zu telefonieren - und umgekehrt”, so Englmeier. 

Die Bundespolizei eskortiert an der Autobahn A93 bei Kiefersfelden zurückgewiesene, aus Österreich kommende Reisende zurück nach Österreich.

Auslöser für den Initiator waren die “haarsträubenden Geschichten”, die er in einer Facebook-Gruppe zu lesen bekam: Jemand soll etwa an der Grenze gesagt bekommen haben, dass “sie ihre alten Eltern höchstens zur Beerdigung besuchen könnten”. Oder auch Eltern in Kiefersfelden, die von dem Leid ihrer Kinder berichteten - denn ein Besuch im Präsenzunterricht der Schule in Kufstein war nicht möglich. 

Die Petition fordert deswegen von der bayerischen Staatsregierung mit Minsterpräsident Markus Söder „Verbesserungen der Situation im Grenzgebiet und pragmatische Lösungen, die mit Österreich und Tirol abgestimmt sind.“ Ein Überblick:

  • Einheitliche und abgestimmte Regeln für Pendler - und nicht alle X-Tage ein Test hier und alle Y-Tage dort
  • Gegenseitige Anerkennung der Testergebnisse
  • Eine sofortige Lösung für Schulkinder, die in ihre Schulen in Österreich, wo es wieder Präsenzunterricht gibt, müssen
  • Einheitliche und abgestimmte Regeln für Verwandtenbesuche
  • Verbesserungen für die Grenzgemeinden, insbesondere das Ermöglichen des kleinen Grenzverkehrs zwischen Grenzgemeinden
  • Mehr Freiheiten für lokale Bürgermeister bei Entscheidungen über „Härtefälle“

Bisher haben knapp 1.500 Personen (Stand: 8. März) die Petition unterschrieben. Englmeier selbst würde sich gerne noch mehr “Unterstützung durch die Lokalpolitik wünschen. Bislang hat bei über 1.300 Unterschriften lediglich ein Oberaudorfer Gemeinderat unterschrieben!”. 

Vorerst wurden die Grenzkontrollen nach Tirol und auch Tschechien bis 17. März verlängert. Ob danach die verschärften Einreisebeschränkungen nach Deutschland wieder zurückgenommen werden, ist noch unklar. 

Christina Eisenberger

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