Bürger geben die Richtung vor

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Ein Modell des geplanten Kraftwerks fertigt derzeit Modellbauer Stephan Macala vom gleichnamigen Atelier in Salzburg an. Foto 

Flintsbach - Ein Pumpspeicherkraftwerk für rund 150 Millionen Euro? Wohl noch in diesem Jahr werden die Flintsbacher über dieses Großprojekt entscheiden müssen.

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Voraussichtlich noch in diesem Jahr werden die Flintsbacher darüber entscheiden müssen, ob sie den Plänen der Pumpspeicherwerk Einöden GmbH grundsätzlich positiv gegenüberstehen, die im Ortsteil Einöden für rund 150 Millionen Euro ein Pumpspeicherkraftwerk mit einer Leistung von 150 Megawatt errichten will. Derzeit ist die mit dem Kraftwerksbau verbundene Suche nach einer notwendigen Alternative zur Sicherung der Trinkwasserversorgung in vollem Gang.

Die Hälfte ihres Trinkwassers bezieht die Gemeinde aus einem Brunnen, der sich in unmittelbarer Nähe des geplanten Unterbeckens befindet und beim Bau des Kraftwerks verlegt werden muss. Eine erste Probebohrung im November, der die vorgeschriebenen Pumpversuche folgten, förderte nach Auskunft von Bürgermeister Wolfgang Berthaler Wasser von sehr guter Qualität zutage. Ob die gefundene Menge reiche, sei noch nicht sicher.

Geschäftsführer Kuno Weiss von der Pumpspeicherwerk Einöden GmbH lässt deshalb eine weitere Bohrung an einer Stelle durchführen, die etwa 100 Meter vom ersten Bohrpunkt entfernt ist. "Wir gehen von einem Wasservorkommen aus, mit dem man ganz Rosenheim versorgen könnte. Bei den Pumpversuchen hat sich jedoch am ersten Bohrpunkt kein stabiler Wasserspiegel gezeigt. Deshalb machen wir eine zweite Bohrung, weil wir etwas Besseres liefern wollen", sagt Weiss.

Die Abwicklung des Baustellenverkehrs über die Autobahn-Behelfsausfahrt Flintsbach schwebt Bürgermeister Wolfgang Berthaler vor. Foto

Bürgermeister Wolfgang Berthaler glaubt, dass bis März Gewissheit darüber herrscht, ob die Trinkwasser-Versorgung auch nach der möglichen Inbetriebnahme des Kraftwerks gesichert ist. "Wenn dem nicht so ist, ist das Projekt für uns gestorben", hält der Rathauschef an seiner Position fest, die er von Anfang an vertreten hat. Berthaler ist jedoch optimistisch, dass das Projekt nicht an der Wasserversorgung scheitern wird. Und er versichert den Bürgern seiner Gemeinde auch, dass die Standortwahl für einen neuen Brunnen auch Sicherheit für die Reinheit des Trinkwassers garantiert. Nach Rücksprache mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem von der Gemeinde beauftragten Experten kam man überein, dass der Brunnenstandort zwischen dem Falkenberg und dem im Tal geplanten Unterbecken liegen muss - und zwar in der Zuflussrichtung des Wassers. Durch das Ausschließen eines Standortes in der Abflussrichtung werde eine Gefährdung des Trinkwassers ausgeschlossen, sollte es im Speichersee zu einer Verunreinigung kommen. Möglicherweise werde zur Sicherung der Wasserversorgung auch das "Zusammenspiel zweier Brunnen" ins Auge gefasst, so Berthaler.

Die GmbH als Projektbetreiberin hat sich in ihrer Terminplanung das Ziel gesteckt, bis Ende dieses Jahres die baurechtliche und die wasserrechtliche Genehmigung für das Kraftwerk zu erhalten. "Wenn alles klappt, können wir diesen Zeitplan einhalten", ist Kuno Weiss überzeugt, der in seiner Prognose davon ausgeht, dass das Kraftwerk im Jahr 2019 seinen Betrieb aufnehmen kann. Ein Dogma ist der Zeitplan für Weiss aber nicht: "Eine gute Planung und Vorbereitung, die keine Fragen offen lassen, ist uns wichtiger als das starre Einhalten eines Zeitplans", sagt der Ingenieur. In den Planungen habe man eh einen Zeitpuffer für etwaige Verzögerungen vorgesehen.

Zeitliche Vorstellungen, wie es heuer weitergehen soll, hat auch der Bürgermeister. Wenn die Trinkwasser-Problematik gelöst ist, will er möglichst rasch eine Grundsatzentscheidung des Gemeinderats zu dem Projekt herbeiführen und dann das Ratsbegehren auf den Weg bringen - unabhängig vom Ausgang der Abstimmung am Ratstisch. "Ich habe immer gesagt, über ein solch großes Projekt entscheiden die Flintsbacher und nicht der Gemeinderat alleine. Und dabei bleibt es auch", bekräftigt Berthaler.

Bevor die Bürger um ihre Meinung gefragt werden, will der Bürgermeister, dass die GmbH noch zwei "Hausaufgaben" erledigt. Er möchte geklärt wissen, ob die Autobahn-Behelfsausfahrt Flintsbach für den Baustellenverkehr genutzt werden kann; und er will wissen, auf welcher Trasse die Baufahrzeuge auf den Falkenberg gelangen, wo das Oberbecken entstehen soll. Berthalers Ziel: "Wir wollen den zusätzlichen Verkehr möglichst von der Ortschaft fernhalten!"

Dass er die beiden Forderungen des Bürgermeisters bis zum Ratsbegehren erfüllen kann, da ist Kuno Weiss zuversichtlich. Was die Nutzung der Behelfsausfahrt betreffe, erfahre er politische Unterstützung. Außerdem sei die Ausfahrt ja erst kürzlich während der Sanierung der Inntal-Autobahn genutzt worden, was ihn ebenfalls auf eine Genehmigung einer solchen Nutzung hoffen lasse. Offiziell sei er allerdings noch nicht mit einer Anfrage an die zuständige Autobahndirektion Südbayern herangetreten. "Das ist einfach noch zu früh", so Weiss.

Im Hinblick auf die Baustellenzufahrt zum Falkenberg habe die GmbH vier Varianten im Auge. Zwei dieser Trassen führten nicht durch den Ort. Mit den notwendigen Gesprächen für die Festlegung der Zufahrt zur Baustelle auf dem Berg werde noch im Januar begonnen.

Norbert Kotter (OVB-Heimatzeitungen)

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