Digitaler Unterricht in Corona-Zeiten

Tablet-Klassen am Gymnasium Raubling: Im virtuellen Klassenzimmer werden Schüler zu Lehrern

Beim „Collaborative Working“ können mehrere Schüler an einem Dokument arbeiten. Für das Gymnasium in Raubling ist der Umgang mit Tablets daher bereits seit vier Jahren etabliert.
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Beim „Collaborative Working“ können mehrere Schüler an einem Dokument arbeiten. Für das Gymnasium in Raubling ist der Umgang mit Tablets daher bereits seit vier Jahren etabliert.

Seit rund einem Jahr gibt es auch für Schüler am Gymnasaium Raubling pandemiebedingt Phasen der digitalen Beschulung. Lehrer und Schüler treffen sich auf einer Online-Plattform zum obligatorischen Frontalunterricht. Das sagt Schulleiter Armin Stadler zu den neuen Tablet-Klassen.

Raubling – „Die Nutzung des Tablets ist kein Ersatz für Heft und Bücher, sondern eine Ergänzung“, stellt Stadler direkt klar. Grundsätzlich soll den Schülern die Fähigkeit vermittelt werden, sich mit den Möglichkeiten der digitalen Welt auseinanderzusetzen.

Verstärkt fordere die heutige Arbeitswelt eigenständige Weiterbildung. Immer weniger, so der Pädagoge, ist der Lehrer ein Vermittler von Wissen, vielmehr wird er zum Begleiter der Schüler beim individuellen Erarbeiten von bestimmten Fähigkeiten.

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Digitale Medien im Alltag selbstverständlich

„Jugendliche betrachten digitale Medien als selbstverständlichen Teil ihres Alltags. Viele von ihnen werden in zehn Jahren Berufe ergreifen, die heute noch unbekannt sind“, erklärt Studienrat Benjamin Schmid, Ansprechpartner für alle Tablet-Klassen. Umso wichtiger sei es, digitale Lernmethoden zu einem fixen Bestandteil des Unterrichts zu machen.

Dementsprechend ist es sein Ziel, die Schüler zu mündigen Mediennutzern zu machen, die kritisch und verantwortungsbewusst mit dem Internet umgehen. Oft genutzt wird die Unterrichtsform des „Flipped Classroom“.

Schüler werden zu Lehrern: Das umgedrehte Klassenzimmer

In diesem umgedrehten Klassenzimmer steht nicht mehr der Lehrer als Stoffvermittler im Mittelpunkt, sondern jeder einzelne Schüler. Als Arbeitsauftrag zu Hause eignet man sich in seinem persönlichen Tempo mit Erklärvideos und anderem Material die Grundlagen eines neuen Themas an.

Anschließend wird der erlernte Stoff im Unterricht vertieft. Schmid betont, dass mit dieser Vorgehensweise ein individuelleres Arbeiten möglich ist, da besser auf die persönlichen Lernbedürfnisse eingegangen werden kann. Die Jugendlichen können sich das Video angepasst auf ihr Tempo ansehen und optional auch weiterführendes Material dazu suchen. So lassen sich laut dem Studienrat die Starken fördern und die Schwachen bleiben nicht auf der Strecke.

Virtuelle Räume erstellen

Eine weitere Methode ist der sogenannte „Breakout Room“. Hinter diesem Begriff steht die Möglichkeit, den Schülern virtuelle Räume zu erstellen, in denen sie Gruppenarbeiten machen oder in denen der Lehrer spezielle Fragen nochmals intensiver behandelt. Dass mehrere Schüler an einem Dokument arbeiten können, mache das kollaborative Arbeiten dabei zu einem besonders interessanten Werkzeug.

Zufallsexperiment per Klick

Auch die Programme der Tablets helfen laut Schmid beim täglichen Lernen. Im Mathematikunterricht können beispielsweise Ergebnisse von Zufallsexperimenten mit wenigen Klicks in eine grafische Darstellung umgewandelt werden.

Im Sprachunterricht sind unter anderem Übungen zum Hörverstehen oder Vokabelabfragen mit Sofort-Korrektur ein großer Schritt zum effektiveren Lernen. Sogar im Kunstunterricht kann mit dem Tablet-Einsatz die Kreativität geschult werden.

Bei selbstgedrehten „Stop Motion Filmen“ reiht man, ähnlich einem Daumenkino, unbewegte Motive wie beispielsweise Szenen mit Knetfiguren, aneinander und bringt sie damit in Bewegung. „Die Schüler können so die Rollen von Drehbuchautor, Regisseur und Kameramann kennenlernen“, schwärmt der Tablet-Klassenleiter.

Pilotprojekt soll fortgesetzt werden

Insgesamt, so betont Schmid, sind die Möglichkeiten nahezu unendlich. Neben der Technik ist ihm wichtig, dass es den Schülern Spaß macht, damit zu arbeiten und dadurch effektiver vorankommen.

Nach vier Jahren mit der neuen Technologie resümiert Schuldirektor Stadler: „Die Pilotphase ist mit diesem Schuljahr beendet und verlief so erfolgreich, dass wir Tablet-Klassen nicht nur in das pädagogische Konzept der Mittelstufe auch für die Oberstufe übernehmen werden.“

Er will die Erfahrungen aus dem coronabedingten Distanzlernen analysieren, um auch unabhängig von der Pandemie ein langfristiges Schulkonzept zu entwickeln.

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