Verdacht auf Giftköder

Gefundenes Fleischstück auf Terrasse sorgt in Großholzhausen für Aufregung unter Tierbesitzern

Immer wieder sorgen heimtückische Giftköder (Bild), die Haustieren schaden sollen, für Schlagzeilen.
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Immer wieder sorgen heimtückische Giftköder (Symbolbild), die Haustieren schaden sollen, für Schlagzeilen.

Giftköder ja oder nein? Diese Frage wollte eine Katzenbesitzerin endgültig geklärt haben, da sie auf ihrer Terrasse ein Fleischstück entdeckt hatte. Aber den Verdacht auf präpariertes Gift konnte Polizeihauptkommissarin Bernadette Bamberger vom Operativen Ergänzungsdienst Rosenheim nicht bestätigen.

Raubling/Großholzhausen – In den vergangenen Wochen sorgte in Raubling ein vermeintlicher Giftköder für Angst unter den Hund- und Katzenbesitzern. Ende Januar wurde der Polizei Brannenburg zugetragen, dass am Mittelfeldweg in Großholzhausen auf einer Terrasse ein Fleischstück gefunden wurde. Die Befürchtung: Jemand hat einen vergifteten Köder für die Katze der Hausbesitzerin ausgelegt. Der Fall wurde daraufhin dem Operativen Ergänzungsdienst Rosenheim (OED) übergeben. Wie eine Nachfrage bei der zuständigen Sachbearbeiterin Bernadette Bamberger, Polizeihauptkommissarin bei der Reiterstaffel, ergab, war an dem Fleischstück von außen kein Hinweis auf ein Gift festzustellen.

„Es besteht kein Tatverdacht“

„Es war kein Pulver zu sehen, keine Tabletten, und das Schnitzelstück hat auch nicht komisch gerochen“, so Bamberger. Und weil auch an der Katze der Hinweisgeberin kein Schaden festzustellen war, wurde das Fleischstück auch nicht ins Labor zur weiteren Untersuchung gesendet. „Von unserer Seite besteht momentan kein Tatverdacht gegenüber Personen.“

Das Strafverfahren werde in den nächsten Tagen an die Staatsanwaltschaft Rosenheim übergeben. Die würde entscheiden, ob weitere Ermittlungen eingeleitet werden oder nicht. „Wir als Polizei nehmen aber solche Hinweise durchaus ernst. Lieber sollen die Leute einmal zuviel als zu wenig anrufen“, macht die Polizeihauptkommissarin deutlich.

Die meisten solcher Fälle landen in der Regel bei der Hundestaffel des OED. Der Arbeitsgruppenleiter der Diensthundeführer in Rosenheim, der seinen Namen nicht nennen möchte, sagt, dass es in Raubling in Bezug auf Giftköder keine spezifischen Auffälligkeiten gebe. Über das Jahr gesehen würden zwar immer wieder Anrufe von Tierhaltern eintrudeln – „wobei Hundehalter dominieren“ –, aber nur wenige Fälle seien tatsächlich Taten von Tierhassern.

Wie viele Anrufe es im Jahr konkret sind, könne er nicht sagen, aber sein Eindruck: Es gebe nicht mehr Köder, sondern mehr besorgte Tierhalter. „Mei, wenn auf einer Parkbank ein Wienerle liegt, kann des natürlich ein Giftköder sein.“ Genauso gut könne es sich aber auch um eine liegen gelassene Brotzeit handeln. Deshalb rät der Gruppenleiter den Tierhaltern, in Bereichen, wo man „Bauchweh“ verspüre, den Hund einfach anzuleinen. „Denn Hunde fressen immer.“

Bei Katzen sei das schon etwas schwieriger: „Die Besitzer wissen ja oft gar nicht, wo sich die Katze aufgehalten hat. Und selbst wenn sie krank heimkommt, kann es alles Mögliche sein.“ Dennoch: Eine gewisse Grundvorsicht sei nie verkehrt. Denn ab und an werden eben doch vereinzelt Köder mit Klingen oder mit Rattengift präpariert aufgefunden, sagt der Gruppenleiter.

Andrea Thomas, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim, sagt: „Katzenhasser gibt es.“ Der prominenteste Fall im Landkreis Rosenheim habe sich 2018/2019 in einem Wohngebiet im Kolbermoorer Süden ereignet (wir berichteten). Dort seien mehrere Katzen verschwunden und einige in Bad Feilnbach wieder ausgesetzt worden. „Das war schon abartig“, findet die Vorsitzende. Aus Erfahrung wisse sie aber auch, dass viele Tierhalter bei gefundenen Fleischstücken sofort einen Verdacht auf Giftköder wittern. Und oft sei es dann blinder Alarm. „Meistens werden die dann untersucht und dann ist doch nichts.“ Trotzdem mahnt sie zur Vorsicht: „Ich würde meinen Hund von herumliegenden, mir unbekannten Leckerlis immer fernhalten. Unbedingt!“ Und falls der Hund doch mal etwas aufgeschnappt habe, solle man das Tier genau beobachten.

„Augen offen halten schadet nicht“

Olaf Kalsperger, Bürgermeister von Raubling, bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass in den vergangenen Wochen mehrere Anrufe in der Gemeinde eingegangen wären. „Das geht immer in die Richtung, dass die Gemeinde die Leute auf vermeintliche Giftköder sensibilisieren sollte“, sagt er. Deshalb habe man einen Hinweis im Gemeindeblatt veröffentlicht. Wie ihm zu Ohren gekommen sei, wurden in Raubling über die Jahre hinweg offenbar immer mal wieder Fleischstücke gefunden.

Und ob es sich dabei um Giftköder handele oder nicht: „Dass jemand auf eine fremde Terrasse Fleischstücke hinterlässt, ist ja völlig dreist.“ Darum findet er: Die Augen offen zu halten, schadet nicht.

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