Wegen Artikel „Jesus Christus versus Covid“

Scharfe Kritik an Raublinger Pfarrer: „Er schadet mit dieser unsinnigen Zündelei der Kirche“

Christliches Kreuz
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Der Pfarrbrief aus Raubling sorgt im Netz für Gesprächsstoff.

Raubling - Mit dem Leitartikel „Jesus Christus versus Covid“ im Pfarrbrief sorgt Pfarrer Kolecki derzeit für Verwunderung in der Gemeinde. Wir haben uns genau angeschaut, was dahinter steckt.

Corona hat die Welt weiter fest im Griff. Seit dem 2. November befindet sich auch Deutschland in einem „Lockdown Light“. Gastronomie und Hotels sind zu, private Treffen nur stark eingeschränkt möglich, größere Veranstaltungen verboten. Eines der wenigen Dinge, die nach wie vor stattfinden, sind Gottesdienste. Die Pfarrgemeinden müssen natürlich Hygiene- und Abstandsregeln befolgen, dürfen aber weiter ihre Gemeinden empfangen.

Doch genau diese Maßnahmen gehen Pfarrer Arkadiusz Kolecki aus Raubling scheinbar zu weit. Im Pfarrbrief Herbst 2020 verfasste er einen Leitartikel unter dem Titel „Jesus Christus versus Covid“. Und der wird im Netz heiß diskutiert.

Der Pfarrbrief aus Raubling sorgt für Gesprächsstoff.
Der Pfarrbrief aus Raubling sorgt für Gesprächsstoff.

Ganz allgemein erkennt Kolecki die Existenz des Virus an. Doch anders als die weltlichen Behörden, die der Krankheit mit medizinischen Maßnahmen begegnen, stoßen diese dem Geistlichen augenscheinlich eher auf. Zu Beginn des Textes schreibt er „Wer fördert, verstärkt und verbreitet die Corona-Panik? Jemand, der allen Vorschriften gehorsam folgt? Oder der, der das Geschehen mit Vorsicht und Distanz betrachtet und sich bemüht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen? Wer ist lächerlich, wer ernst zu nehmen?“ Harte Worte, suggerieren diese doch, dass ein Befolgen der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen einen lächerlich machen.

Scharfe Kritik an Corona-Maßnahmen durch Raublinger Pfarrer

Er schreibt weiter, dass die Angst und die Vorschriften die Gottesdienste beeinträchtigen, Gläubige zeitweise vom Gottesdienst ausgesperrt wurden. Während des ersten Lockdowns waren Gottesdienste tatsächlich zwischenzeitlich nicht erlaubt, inzwischen können die Gemeinden aber trotz Lockdowns wieder in die Kirche gehen.

Die von ihm aufgeworfene große Frage, ob dies alles im Sinne Gottes und Jesus Christus sei, bleibe an dieser Stelle dahingestellt. Sein Gedankenexperiment, dass Jesus vermutlich das letzte Abendmahl nicht unter Zuhilfenahme von Atemschutzmaske und Handschuhen abgehalten hätte, wenn er in der Corona-Krise gelebt hätte, stößt dem ein oder anderen auf, denn: Es ist reine Mutmaßung. Eine Facebook-Nutzerin äußert in den Kommentaren darüber Unmut, sie finde diese Überlegung anmaßend. Weiter suggeriert Kolecki, dass sich an den Hostien beim Verteilen durch den Pfarrer keine Viren befinden können, da diese den Leib Christi symbolisieren und der Leib Christi wohl nicht mit Viren verunreinigt sei.

Was den Menschen fehle, sei einfach der Glaube an die Allmacht Gottes. Wer Jesus Christus berühre, der bräuchte sich auch nicht vor Covid-19 fürchten. Was das im Umkehrschluss über die Menschen aussagt, die an dem Virus starben, beantwortet er nicht.

Seine Argumentationsreihe weist jedoch Lücken und Widersprüche auf. Denn: Dem Virus ist Religion egal. Es interessiert ihn nicht, ob einer Hostie eine religiöse Bedeutung anhaftet. Für den Virus ist eine Oberfläche eine Oberfläche. Während eine Hinwendung zu Gott für viele eine große Hilfe und Erleichterung sein kann, besonders während dieser schweren Zeit, so kann religiöser Glaube dennoch nicht auf unseren gesetzlichen Umgang mit der Krankheit einwirken. Denn der ist bestimmt von säkularen Institutionen, sowie es das deutsche Gesetz unter Bezug auf Trennung von Kirche und Staat bestimmt.

Erzbischöflichen Ordinariat bezieht Stellung

Auf Nachfrage von rosenheim24.de bestätigte eine Mitarbeiterin der Pfarrgemeinde, dass der Artikel von Pfarrer Kolecki stammt, er selbst wollte jedoch keine Stellung nehmen.

Ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariat München zeigt sich auf Nachfrage von rosenheim24.de nicht begeistert von dem Artikel. „Es wird ein Gespräch mit Pfarrer Kolecki geben. Klar ist, dass die Erzdiözese die strikte Einhaltung der mit dem Freistaat vereinbarten Infektionsschutzkonzepte einfordert“, stellt er klar.

Auch rosenheim24.de-Leser Victor wunderte sich über den Pfarrbrief und teilte ihn auf Facebook. „Gestern im katholischen Pfarrbrief für Raubling entdeckt... Das ist in meiner Wahrnehmung schon der Hammer. Na, hoffentlich hoffen nicht allzu viele von den älteren Raublingern, dass Jesus Christus sie vor einer Covid-19 - Infektion bewahrt...“, staunt er.

Ähnliche Kommentare finden sich unter seinem Post. Eine weitere Nutzerin schreibt: „Er schadet mit dieser unsinnigen Zündelei der Kirche, der Gemeinde und den Mitgläubigen. Abgesehen von inhaltlicher Dummheit ist das eine üble Anmaßung, was die Auslegung angeht.“ Sie erörtert diesen Gedanken: „Der Verfasser des Textes maßt sich an, auszulegen zu dürfen, wie Jesus sich in Zeiten der heutigen Pandemie wohl verhalten würde. In Wirklichkeit äußert er nur seine eigene Meinung (mit der ich nicht übereinstimme) und instrumentalisiert seine Rolle, um sich damit Glaubwürdigkeit und Autorität zu verschaffen. Das ist nicht in Ordnung, auf verschiedenen Ebenen.“

Allen Kommentaren ist gemein, dass sie nicht die Kirche selbst oder die Hinwendung zur Religion in der Krise kritisieren, sondern vielmehr die suggerierte Absage an die Wissenschaft.

jv

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