Sauereien an Sammelcontainern

Raubling und Oberaudorf klagen über Müllablagerungen – Landkreisweites Problem

Ob Schränke oder Matratzen – es gebe fast nichts, was die Leute nicht schon an den Wertstoffinseln zurückgelassen hätten, sagt Josef Zehrer, Kämmerer von Oberaudorf. Aber auch Raubling werde zunehmend zugemüllt, sagt Bürgermeister Olaf Kalsperger. Dem Landratsamt sind die Hotspots im Landkreis bekannt.

Raubling/Oberaudorf – Seit zehn Jahren beobachtet Josef Zehrer das Schauspiel. Etliche Male seien auch schon Hinweise im Gemeindeblatt abgedruckt worden. „Aber es wird nicht besser“, sagt auch Oberaudorfs Geschäftsleiter Florian Seebacher. Grausig sei das: „Die bringen alles Mögliche. Ganze Haushaltsauflösungen hab ich da schon vorgefunden.“

Oberaudorf hat zwei Hotspots

In Oberaudorf gebe es zwei Hotspots: an der Naunspitzstraße, nahe des bestehenden Edekas, und an der Bad-Trißl-Straße – „die etwas abgelegene, uneinsehbare Wertstoffinsel“, macht Zehrer deutlich. Dort würden die größten Gegenstände abgeladen. „Wenn einmal was dasteht, wird die Hemmschwelle immer geringer. In den nächsten Tagen wird dann immer mehr abgeladen“, schildert Zehrer den Teufelskreis.

Dabei dürften an Wertstoffinseln lediglich Papier, Weißblech, Altglas, Tetrapacks sowie Altkleider entsorgt werden. „Aber da wird nicht getrennt. Da werden ganze Taschen gepackt und in den Schuber für Altpapier geladen“, regt sich Zehrer auf.

Ähnliches spielt sich auch in der Gemeinde Raubling ab: „Was da momentan stattfindet, lässt sich an Dreistigkeit fast nicht mehr überbieten“, zürnt Olaf Kalsperger, Bürgermeister von Raubling. Vor allem an den Wertstoffinseln „Am Baumgarten“, am Sportplatz, am Gemeindehallenparkplatz und am Friedhof in Kirchdorf ginge es rund.

„Die Leute meinen einfach, Müll ist Müll.“ Restmüll, Sperrmüll und hin und wieder sogar Problemmüll wie Lacke oder Farben werde an den genannten Sammelstellen entsorgt oder achtlos abgeladen. Für solche Arten von Müll gebe es extra den Wertstoffhof, betont Kalsperger. „Und zurecht ist der abgesperrt. Sonst würden‘s uns den auch noch zumüllen“, mutmaßt der Bürgermeister. Denn auch dort würden immer wieder Gegenstände oder Müllbeutel vor die geschlossenen Tore abgestellt.

Ob das Verhalten auf die Pandemie zurückzuführen sei? Das glaubt Kalsperger nicht. Der Müll sei nicht unbedingt mehr geworden. Außerdem bestehe dieses Problem in der Gemeinde schon seit Jahren. Der Rathauschef hofft auf Besserung: „Es wird immer laut geschrien, wenn es um Umweltschutz oder Artenschutz geht. Aber ich habe den Eindruck, sobald sich die Leute unbeobachtet fühlen, machen sie, was sie gern tun.“

Doch nicht nur im Inntal scheint das illegale Entsorgen von Müll ein Ärgernis zu sein: Laut Landratsamt Rosenheim werden an den Wertstoffinseln im Landkreis jährlich rund 300 Tonnen Abfall unzulässig entsorgt. Etwa 245 000 Euro werden im Jahr für die Reinigung der gut 200 Sammelstellen ausgegeben. Und die Kosten müssen die Gebührenzahler tragen.

Weil sich die Müllproblematik in den letzten Jahren nicht gebessert hat, griff das Landratsamt zu drastischen Mitteln: „An Wertstoffinseln, die vergleichsweise stark vermüllt sind, beauftragte die Behörde sogar einen Detektiv mit der Überwachung“, heißt es in einer Mitteilung. Gerade nach mehreren aufeinanderfolgenden Feiertagen seien die Container häufig überfüllt. In solchen Fällen bittet die Behörde, eine andere Insel aufzusuchen.

Die Gründe für Vermüllung der Inseln seien vielfältig. Oftmals spiele auch Bequemlichkeit eine Rolle. Denn, wie die Behörde mitteilt, hätte ein Großteil der Abfälle „ganz einfach und kostenlos“ am gemeindlichen Wertstoffhof abgegeben werden können.

Inseln sind keine Wunschbäume

Hin und wieder sei es auch schon vorgekommen, dass Bürger noch brauchbare Gegenstände an den Inseln abstellen – in der Annahme, eine andere Person könnte die Sachen noch gebrauchen. Eine Wertstoffinsel sei allerdings „der falsche Ort“, um Dinge zu verschenken.

Müllsünder, die auf frischer Tat ertappt werden, erwartet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, warnt das Landratsamt. Jährlich kämen etwa 100 Verfahren zusammen. Eingeleitet werden diese vom Sachgebiet Abfallwirtschaft.

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