Shoppen in der Pandemie

Nur mit Corona-Test: Das Einkaufen läuft im Inntal nur schleppend an

Mitarbeiter Alexander Pannier kontrolliert am Empfang des Sportgeschäft Iko die Tests der Kunden. Manina Sobe zeigt bereitwillig ihr Handy her, auf dem ein Negativ-Test gespeichert ist.
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Mitarbeiter Alexander Pannier kontrolliert am Empfang des Sportgeschäft Iko die Tests der Kunden. Manina Sobe zeigt bereitwillig ihr Handy her, auf dem ein Negativ-Test gespeichert ist.

Shoppen ja, aber nur mit negativem Corona-Test in der Tasche – seit 12. April ist diese neue Regelung in Kraft getreten. Wie die neuen Maßnahmen im Inntal ankommen, haben die OVB-Heimatzeitungen bei einigen Einzelhändlern nachgefragt. Der einhellige Tenor: Die Kunden sind von den Tests abgeschreckt.

Raubling/Brannenburg /Kiefersfelden/Oberaudorf – Hubert Wimmer, Geschäftsführer des Sportgeschäfts Schweinsteiger in Oberaudorf, sagt: „Die Schnelltests halten viele Leute vom Einkaufen ab. Das ist ganz schlecht für den Einzelhandel.“ Unproblematischer sei dagegen das „Click und Meet“ ohne Schnelltests gewesen. Da wären die Kunden gekommen. Jetzt kämen neben den Stammkunden halt nur die, die wirklich dringend Sportausrüstung bräuchten.

Die Kunden wollen Schuhe

Und die kaufen „ganz klar“ Schuhe. „Die Leute habe jetzt Zeit zu Laufen oder zum Berggehen“, sagt Wimmer.

Wer beim Sportgeschäft Schweinsteiger einkaufen möchte, muss nachweisen, dass er corona-negativ ist. Einen Selbsttest kann man vor dem Laden machen. „Aber die zählen dann auch nur für unseren Laden“, macht Wimmer deutlich. Anders verhält es sich mit PCR-Tests (48 Stunden gültig und durchführbar auf der Loretowiese in Rosenheim) und Schnelltests (24 Stunden gültig), die man in mehreren Teststationen machen lassen kann. Mit diesen Negativ-Tests kann man auch in weiteren Geschäften problemlos einkaufen. Das nächstgelegene Zentrum ist in Kiefersfelden im BRK-Heim (Thierseestraße 7) lokalisiert.

In Raubling gibt es ebenfalls zwei Testzentren: in Reischenhart (Inntaler Autohof Raubling) und in Raubling (Poststraße 10). Aber Tessa Irlbacher, Geschäftsführerin von „IKO“ in Raubling, sagt: „Das Zentrum in Raubling ist inzwischen ausgelastet.“

Für die Geschäftsführerin steht fest: Es gibt derzeit noch zu viele ungeklärte Fragen, sowohl bei den Kunden als auch beim Personal. Angefangen bei den ganzen Tests, die sie für ihre Kunden besorgt: Sie wisse nicht, wie viele sie davon noch beschaffen müsse. Weil sich ja ständig alles ändert. Noch sind die Selbsttests für die „IKO“-Kunden gratis. Tessa Irlbacher möchte auch, dass das so bleibt. „Aber das ist ein erheblicher Kostenfaktor“, macht sie deutlich.

Darüber hinaus sei das Testen an sich für die Kunden unangenehm. Der sogenannte „Nasenbohrertest“ sei nicht gerade appetitlich und sie habe Verständnis dafür, dass das so manchen Kunden abschrecke. Einige hätten auch die Sorge, dass die Tests nicht zuverlässig genug seien. „Die Unsicherheit ist groß.“

Nichtsdestotrotz gebe es so manche Kunden, die diese Strapazen auf sich nähmen oder bereits einen Corona-Test mitbringen würden. Mit Vorab-Termin können diese dann den Laden betreten.

Keine Schnelltests werden im „Kleinen Lieblingsladen“ in Kiefersfelden angeboten. „Dafür ist mein Laden zu klein. Aber die Kundschaften haben meistens schon Tests dabei“, sagt Ladeninhaberin Christine Hufnagel. Über das laufende Geschäft könne sie sich nicht beklagen. Zu ihr kämen viele Leute: „Meine Stammkunden unterstützen mich.“ Ob Schmuck, Ledertaschen oder Deko, vieles werde gekauft, „nur um mir zu helfen.“ Und darüber ist Christine Hufnagel auch sehr froh.

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Gleichzeitig ist sie aber sicher: „Diese Maßnahmen sind der Tod für den Einzelhandel.“ Für sie ergebe es keinen Sinn, weshalb man in Lebensmittelgeschäften ohne Test einkaufen könne und im Einzelhandel nicht. Denn in den großen Discountern und Supermärkten könne man sich genauso „von A bis Z“ alle Krankheiten einfangen.

Verkäuferin hat Verständnis für Leute

Auch Sabine Bosch, Verkäuferin des Schuhladens Weiss in Brannenburg, ist nicht begeistert von der neuen Regelung: „Seit das mit den Tests eingeführt wurde, kommt eigentlich gar keiner mehr.“ Und sie versteht ihre Kunden: „Das Testen wäre mir auch zu blöd.“

Aber die Verkäuferin weiß sich zu helfen: Sie stellt die Schuhe jetzt einfach vor die Ladentür, wenn Kunden ganz genau wissen, was sie wollen. Dort können die Leute dann in Ruhe verschiedene Schuhgrößen probieren – ohne einen Test vorweisen zu müssen, sagt Bosch.

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