Residenzhotel: BPO zieht ihren Antrag zurück

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Eine Animation, die von der niederländischen Investorengruppe vorgelegt wurde, zeigt den Empfangsbereich des geplanten Residenzhotels.

Oberaudorf - Informationen, Gerüchte und Gefühle bestimmten die jüngste Sitzung des Oberaudorfer Gemeinderats. Bestimmendes Moment: Die Frage rund um das Residenzhotel.

Hauptthema des Abends war der Antrag der Fraktion der Wählergruppe Bürgergemeinschaft Pro Oberaudorf (BPO) auf Abhaltung einer Bürgerversammlung zum geplanten "Residenzhotel" auf dem Hallenbad-Gelände (wir berichteten). Nach heftigen Diskussionen zog die BPO diesen "im Vertrauen auf den Bürgermeister" wieder zurück.

Die BPO ist der Meinung, wie es in ihrem Antrag zu lesen war, dass es in der Oberaudorfer Bürgerschaft widersprüchliche Ansichten darüber gebe, ob und in welchem Maße tatsächlich ein touristisch genutztes Hotel projektiert werde. Deshalb sei eine Klarstellung des Bürgermeisters hinsichtlich dieser Fragen erforderlich: Was entsteht auf dem Areal des Hallen-/Freibadgeländes? Wer steht wirklich als Investor hinter dem Projekt? Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Die gegensätzlich geführten Diskussionen im Ort erforderten eine offene und transparente Erklärung des Bürgermeisters, der von Anbeginn der Gespräche an alleiniger Vertreter der Gemeinde nach außen gewesen sei. "Kommt er dieser Notwendigkeit nicht oder nicht gebührend nach, könnte der Bürger seine in Bayern garantierten Rechte nach bekannten Möglichkeiten anderweitig einfordern", hieß es in dem Antrag.

Vor allem dieser Passus, der auf einen möglichen Bürgerentscheid zum Thema Hotelprojekt verweist, hob den Blutdruck mancher Gemeinderäte.

So sei, wie Bürgermeister Hubert Wildgruber in seinen Ausführungen erläuterte, an den Stammtischen nach Veröffentlichung des Vorhabens von manchen Mitgliedern der Bürgergemeinschaft zu hören gewesen, dass man schon dafür sorgen werde, dass es einen Bürgerentscheid zum Thema geben werde. Der Bürgermeister verwies darauf, dass alle Entscheidungen, die im Vorfeld zum Hotelprojekt zu treffen waren, ohne Gegenstimme vom Gemeinderat getragen wurden.

Für eine Bürgerversammlung zum Thema fehle momentan die Grundlage, so Wildgruber. Er präsentierte dem Gremium nochmals ausführlich seine Öffentlichkeitsarbeit nach Vorstellung des Hotelprojekts durch die Investoren im Rathaus (wir berichteten), die sich genau an die Vorgaben durch den Gemeinderat hielt. Wildgruber untermauerte dies noch durch eine Audiodatei mit einem Interview, das er mit einem lokalen Radiosender führte. Der Bürgermeister: "Wenn die Investorengruppe Baupläne vorlegt, werden wir sie natürlich - wie damals vom Gemeinderat beschlossen - in einer Informationsveranstaltung der Öffentlichkeit vorstellen."

Gemeinderat Ludwig Resch, der den Antrag der BPO unterzeichnet hat, betonte, dass er zwar die Öffentlichkeitsarbeit würdige, es fehle seiner Meinung nach aber "die Offensive in die Öffentlichkeit". BPO-Gemeinderat Klaus Förster erklärte, dass der Antrag kein "Frontalangriff" sei. Man wolle damit vielmehr verhindern, dass in der Öffentlichkeit eine negative Stimmung entstehen könnte.

Der Bürgermeister unterstrich in diesem Zusammenhang nochmals ausdrücklich, dass alle Gemeinderäte hinter der von der niederländischen Investorengruppe vorgelegten Absichtserklärung zum Bau eines Hotels gestanden seien. "Man muss als Gemeinderat auch zu den Beschlüssen stehen", gab er zu bedenken. Die Stimmung kippe natürlich, wenn man mit den Wölfen heule und noch Öl ins Feuer gieße.

Ebenso poetisch formulierte es Gemeinderat Martin Gruber (CSU): "Noch wird Oberaudorf nicht am Herzen operiert, deshalb braucht man den Puls nicht zu messen." Sein Parteikollege Franz Hellmaier sorgte sich um die Investoren, die bei so einem Verhalten "gleich mal weg sind". Seiner Meinung nach schüre vor allem die BPO die Unsicherheit in der Bevölkerung.

Einblick in sein Gefühlsleben gab SPD-Gemeinderat Henning Bruhn, der "stinkesauer" über die öffentliche Haltung mancher Mitglieder der BPO ist. So habe man von dieser Seite Ängste geweckt, dass mit dem mutmaßlichen Hotelbau "jetzt die Russen kämen". Zu Ohren sei ihm auch die Behauptung gekommen, die BPO werde in Zukunft bestimmen, was in Oberaudorf gemacht wird. Bruhn, der sich ebenfalls um den Investor sorgt: "Es wird der Eindruck vermittelt, dass nur Pro Oberaudorf die Bürger vertritt. Vertreten wir anderen alle lauter Klabautermänner?"

Da derzeit noch keine neuen Informationen seitens der Investoren vorliegen und "im Vertrauen auf den Bürgermeister", dass er zu gegebener Zeit auf den Bürger zugehen wird, zog die Fraktion der BPO ihren umstrittenen Antrag zurück.

Eva-Maria Gruber/Oberbayerisches Volksblatt

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