Kastanienstreit: Resolution soll Bäume retten

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Mit einer Resolution wollen Alois Heibl (links) und Arnold Straßer die geplante Marktplatz-Umgestaltung verhindern und die Kastanien retten.

Neubeuern - Kastanienstreit und kein Ende: Der Widerstand gegen die geplante Umgestaltung des Marktplatzes geht weiter. Nun wurde ein Initiativkreis gegründet.

Der Widerstand gegen die geplante Umgestaltung des Marktplatzes in Neubeuern, in deren Verlauf nach dem Willen des Gemeinderates zwei Kastanienbäume gefällt werden sollen, geht weiter. Alois Heibl und Arnold Straßer haben jetzt den "Initiativkreis Oberer Marktplatz" ins Leben gerufen, der ein Überdenken des Gemeinderatsbeschlusses und den Erhalt der Bäume fordert.

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Im Rahmen einer Informationsveranstaltung, die am kommenden Donnerstag, 4. Oktober, um 20 Uhr beim Dorfwirt Vornberger stattfindet, will der Initiativkreis seine Argumente und Forderungen der breiten Öffentlichkeit vorstellen. Geplant ist auch die Billigung einer Resolution, mit der der Gemeinderat gezwungen werden soll, eine 3- D-Animation jener drei Umbau-Varianten erstellen zu lassen, die Städteplaner Klaus Immich dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt hatte. Wie berichtet, hat sich das Gremium mehrheitlich für jene Variante entschieden, die von der Fällung der Kastanien ausgeht und eine Nachpflanzung von Bäumen ins Auge fasst. "Es muss für die Leute viel klarer ersichtlich werden, was da geplant ist", begründet Heibl die Initiative, die auch eine Offenlegung aller Kosten fordert, die mit der Maßnahme verbunden sind. Bei der Versammlung anwesend sein wird auch Gemeinderat Franz Steinkirchner, ein erklärter Gegner des Fällungsbeschlusses.

Schockiert von der Gemeinderatssitzung

Den Ausschlag, aktiv zu werden, habe für sie der Verlauf der Gemeinderatssitzung am 11. September gegeben, betont Heibl. Er und Straßer seien bei der Sitzung anwesend gewesen und sind von deren Ablauf noch heute "schockiert". So ist für sie beispielsweise unverständlich, dass die Sitzung trotz des großen Zuhörerandrangs - viele Anwesende hatten keinen Sitzplatz, einige Bürger fanden im Sitzungssaal nicht einmal mehr einen Stehplatz und mussten die Debatte vom Gang aus verfolgen - nicht kurzerhand in den Bürgersaal verlegt worden ist.

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Etwa ein halbes Dutzend Symphatisanten und Unterstützer hat die Initiative derzeit - unter ihnen ist laut Heibl auch Pfarrer Joseph Reuder. Die beiden Initiatoren sind sich sicher, dass der Kreis noch anwächst. "Dafür werben wir derzeit", sagt Heibl, der das Thema Marktplatz-Umgestaltung auch bei der Bürgerversammlung am 11. Oktober auf die Tagesordnung bringen will. Dort soll die Resolution des Kreises, die am Donnerstag vorgestellt wird, als Antrag an den Gemeinderat eingebracht werden. Heibl und Straßer hoffen, dass sich eine Mehrheit der Anwesenden hierfür ausspricht. Um die von der Gemeinde gesetzte Frist für das Eingehen von Anträgen wahren zu können, wird die Resolution Bürgermeister Josef Trost bereits vor der Versammlung am Donnerstagabend zugehen.

Das Gespräch mit dem Rathaus-Chef hat Heibl bereits gesucht - ohne Erfolg, wie er offen einräumt. "Da hat es keine Annäherung der Standpunkte gegeben." Klein beigeben will Heibl nach der Abfuhr beim Bürgermeister jedenfalls nicht. "Ich habe ihm gesagt, dass wir in diesem Punkt nicht nachgeben", so Heibl.

Sollte die Resolution nicht den erwünschten Erfolg bringen, denkt er bereits über weitere Schritte nach. "Das Ende ist offen", formuliert er vielsagend, lässt aber gleichzeitig wissen, dass er "keinen Bürgerentscheid, der die Gemeinde spaltet", will. Ziehe die Gemeinde nicht mit, könnte man sich aber beispielsweise an die Regierung wenden und die Zuschussfrage thematisieren, deutet Heibl an.

Trost: "Das kann ich so nicht stehen lassen"

Bürgermeister Josef Trost spricht der Initiative nicht das Recht ab, sich zu engagieren, Verständnis bringt er hierfür jedoch nicht auf. Der Vorstoß sei jedenfalls nicht geeignet, die schlechte Stimmung, die derzeit im Ort hersche, zu verbessern. Die Initiative habe ihm vorgeworfen, hierfür seien er und der Gemeinderat verantwortlich. "Das kann ich so nicht stehen lassen", sagt Trost. Der Bürgermeister betonte, der Gemeinderat werde sich bei seiner heutigen Sitzung, wie vorgesehen, erneut mit dem Thema Marktplatz-Umgestaltung befassen. Auch Städteplaner Klaus Immich werde hierzu erwartet. Bei der Bürgerversammlung wolle er ausführlich zur Marktplatz-Umgestaltung Stellung beziehen, versichert Trost.

Die rund 800 Unterschriften, die von den Gegnern der Baumfällung eingereicht worden seien - darunter etwa 550 von Bürgern aus der Marktgemeinde - müsse man in Relation zur Zahl der 3200 Wahlberechtigten sehen, die es in Neubeuern gebe. Vom Standpunkt des Gemeinderates abzurücken, dafür sieht Trost keinen Grund. Im Gegenteil: "Ich vernehme immer mehr Stimmen, die den Beschluss des Gemeinderates für gut heißen."

Norbert Kotter/Oberbayerisches Volksblatt

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