Interview mit Ersatztorwart

Oberaudorfer Thomas Dähne bei Holstein Kiel: So hat er den Sieg gegen die Bayern erlebt

Der Jubel der Kieler nach dem gewonnenen Elfmeterschießen.
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Der Jubel der Kieler nach dem gewonnenen Elfmeterschießen.

Fußball-Zweitligist Holstein Kiel ist nach der DFB-Pokal-Sensation gegen den FC Bayern München in aller Munde. Und im Trubel mittendrin ist ein Oberaudorfer:

KielTorwart Thomas Dähne gehört seit dieser Spielzeit dem Kader des norddeutschen Clubs an. Anfangs Stammkeeper, setzte ihn eine Covid-Erkrankung außer Gefecht und so erlebte er die Riesenüberraschung von der Ersatzbank aus. Was in Kiel los war, und warum die ganze Stadt derzeit sportlich im Höhenflug ist, erzählte Dähne der OVB-Sportredaktion am Tag nach dem Triumph am Telefon.

Sie kommen gerade vom Training. Wie war die Stimmung?

Thomas Dähne: Ausgelassen, aber es waren alle noch ziemlich platt. Sie haben 120 Minuten geackert, die letzten Minuten der Verlängerung waren noch extrem anstrengend. Aber das ist natürlich so etwas, an das man sich in vielen Jahren noch erinnern wird. Es ist schon etwas echt geiles, die zurzeit beste Mannschaft der Welt im Pokal zu besiegen. Damit hat ja wirklich kein Mensch gerechnet!

Mit jeder Minute wird die Chance auf einen Erfolg größer

Ehrlich nicht? Nicht ein bisschen eine Chance ausgerechnet?

Dähne: Logisch geht das Spiel beim 0:0 los. Unser Trainer hat uns das so erklärt, dass die Chance so minimal ist, dass wir schauen sollen, dass sie nach zehn Minuten einen Tick größer ist, nach 20 Minuten noch einmal einen Tick größer und so weiter. Man muss aber sagen, dass uns das Wetter auch in die Karten gespielt hat.

Die Bayern waren solche Bedingungen nicht gewöhnt...

Dähne: Die ersten 45, 60 Minuten war es okay, dann hat das Wetter aber verrückt gespielt. Erst ein bisschen Regen, dann Schnee, dann ein Schneetreiben, dazu die Windböen. Nach dem Spiel war dann schwuppdiwupp alles weiß außenrum.

Starke Elfmeter von beiden Mannschaften – Besseres Ende für Kiel

Die Windböen haben Ihre Teamkollegen beim Elfmeterschießen nicht verunsichert!

Dähne: Nein, überhaupt nicht. Aber auch die Elfmeter von Bayern waren sehr gut geschossen. Dass dann einer verschießt und wir unseren reinmachen – auch solche Geschichte schreibt der Fußball!

Was war nach dem Spiel los?

Thomas Dähne (rechts) ist seit dieser Saison beim Zweitligisten Holstein Kiel.

Dähne: Das war schon ausgelassen. Aber irgendwie – und das hatte man jetzt im Training auch – hast du so ein surreales Gefühl. Du hast gegen den FC Bayern gewonnen! Und es war ja nicht so, dass die mit der B-Elf gekommen sind, sondern die sind schon mit den ganzen Kapazundern aufgefahren. Aber generell ist die Stimmung in Kiel gerade riesig. Der THW ist vor zwei Wochen Champions-League-Sieger im Handball geworden, jetzt haben wir im Fußball den amtierenden Champions-League-Sieger geschlagen. Vor dem Stadion sind auf einmal Fans aufgefahren und haben mit einem Hupkonzert gefeiert. Wir wären ja gerne zu ihnen rausgegangen, aber das geht halt in der jetzigen Situation nicht. Das hat uns sehr wehgetan, dass wir nicht mit den Fans feiern konnten.

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Trikottausch mit Joshua Kimmich – „Klar war er auch sehr enttäuscht“

Haben Sie mit den Bayern nach dem Spiel gesprochen?

Dähne: Mit Joshua Kimmich habe ich mich unterhalten und Trikot getauscht. Ihn kenne ich ja noch aus meiner Zeit in Leipzig. Klar war er auch sehr enttäuscht.

Sie sind im Sommer nach Kiel gewechselt und hatten durch die Covid-Erkrankung ihren Platz im Tor verloren. Wie kommen Sie im hohen Norden aktuell zurecht?

Dähne: Mir persönlich gefällt es hier sehr gut. Wir haben eine junge Mannschaft, das Training ist super und wir sind im Pokal und in der Liga erfolgreich. Wir wissen auch, dass im Sommer etwas passieren kann, deshalb arbeiten wir jeden Tag hart dafür, dass wir weiter oben bleiben und die Chance wahren. Ich denke, dass wir das als Mannschaft bislang sehr gut gemacht haben.

Holstein Kiel ist noch in zwei Wettbewerben drin. Was ist möglich?

Dähne: In der Liga haben wir in den letzten zwei Spielen nur einen Punkt geholt. Wir wollen aber regelmäßig punkten, um weiterhin oben in Schlagdistanz zu bleiben. Im Pokal spielen wir jetzt gegen Darmstadt, einen Liga-Konkurrenten. Da musst du auf den Punkt da sein, dann stehst du im Viertelfinale! Wir wollen jetzt einfach das gute Gefühl und die positive Energie aus dem Erfolg gegen Bayern mitnehmen, weil in den nächsten Wochen auch einige schwere Spiele auf uns warten. Interview Thomas Neumeier

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