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Hunderttausende Ergebnisse angezweifelt

Aufregung um PCR-Testergebnisse: Rollt neuer Corona-Skandal auf Tirol zu?

Wien/Innsbruck - Trudelt Tirol in den nächsten Corona-Skandal? Wie mehrere österreichische Medien übereinstimmend berichten, wird das Ergebnis von hunderttausenden PCR-Tests angezweifelt.

Erneut gibt es in Tirol Wirbel um die Corona-Politik des Landes. Laut Medienberichten wird das Ergebnis unzähliger PCR-Tests angezweifelt - von hunderttausenden ist die Rede.

Auftrag laut Medien ohne Ausschreibung vergeben

Wie der „Standard“ in seiner Online-Ausgabe berichtet, wurden von September 2020 bis Ende März 2021 insgesamt 430.000 PCR-Tests in Tirol durchgeführt. Rund 220.000 davon - also mehr als die Hälfte -  habe die HG Labtruck erledigt. Die HG Labtruck ist eine Tochterfirma der HG Pharma, deren Chef wiederum der Wiener Urologe Ralf Herwig ist. Laut Standard-Recherchen erhielt die HG Labtruck den bislang größten Auftrag in diesem Bereich in Tirol. Der Auftragswert wird mit rund 8 Millionen Euro beziffert. Der Auftrag selbst wurde dem ORF zufolge ohne Ausschreibung an die HG Labtruck vergeben. Andere Labore bestätigen dem „Standard“, dass sie diese Leistung ebenfalls hätten erbringen können, sie seien aber nicht gefragt worden.

Hier nachlesen: Tirol verteilt Impfstoff an Privatklinik - obwohl dort keine Covid-Patienten behandelt werden

Bei dem Konzept von HG Labtruck habe es sich jedenfalls in Wahrheit um jenes eines Salzburger Unternehmens gehandelt. Doch direkt nach dem Zuschlag habe die Zusammenarbeit geendet. Nach Angaben des Salzburger Unternehmens habe HG Labtruck die Rechnungen nicht bezahlt. Hätte alles geklappt, hätten die Salzburger die HG Labtruck mit Material versorgt.

Wie wurden Tests durchgeführt?

Laut Medienberichten sei es derzeit fraglich, wie HG Labtruck die Tests unter diesen Bedingungen habe durchführen können. Außerdem sei Herwig als Urologe nicht qualifiziert, die PCR-Tests zu befunden. Eine Kooperation mit einem Labormediziner aus Deutschland sei zwar besprochen, aber nicht durchgeführt worden. Somit stehe der Verdacht im Raum, dass seit November keine oder fachlich nicht richtige Tests geliefert wurden. Dem nicht genug, dürfe Herwig derzeit wegen einem Prozess in einer anderen Causa überhaupt nicht als Arzt praktizieren. Wie der „Kurier“ berichtet, wird Herwig schwere Körperverletzung und schwerer Betrug vorgeworfen. Er soll mehrere Männer wegen Potenzproblemen operiert haben, die daraufhin dauerhaft impotent wurden.

Das Land Tirol habe jedenfalls inzwischen eingeräumt, dass Herwigs Labor bei der Analyse zu Mutationsproben Schwierigkeiten hätte - von mindestens 24 Falschanalysen zwischen 8. März und 24. April sei die Rede. Wie der „ORF“ berichtet, habe sich bei einer Überprüfung durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) herausgestellt, dass bisher 50 Fälle einer Fluchtmutation in Tirol doch nicht dieser Virusvariante zuzuordnen seien.

Wie kam Urologe an Auftrag?

Wie Herwig an den Auftrag kam, ist derzeit unklar. Laut „Standard“ gilt er in der Region Kitzbühel aber als gut vernetzt. Den Vorwurf, den Auftrag durch Verbindungen erhalten zu haben, weist Herwig aber gegenüber dem „Kurier“ zurück: „Dass es hier Freunderlwirtschaft gibt, halte ich eher für unwahrscheinlich, weil ich als nicht gebürtiger Tiroler immer so ein kleines Problem habe“.

Und ein namentlich nicht genannter Geschäftspartner der HG Labtruck gibt gegenüber der „Kronen-Zeitung“ zu Protokoll: „Das ist alles ein Machtkampf, eine Hexenjagd, die auf eine Person reduziert ist.“ Dass man dem Land Tirol vorwerfe, eine Ausschreibungspflicht umgangen zu haben, sei nicht nachvollziehbar, denn es habe das beste Preis-Leistungs-Verhältnis gezählt, betont er und führt aus: „Damals kostete der billigste PCR-Test 120 Euro und auf das Ergebnis musste man zwei bis drei Tage warten. Herwig konnte diesen Preis unterbieten. Er verlangte 85 Euro pro PCR-Test, vom Land Tirol verlangte er nur 38,50 Euro pro Test. Zudem garantierte er, dass das Ergebnis noch am selben Tag zur Verfügung steht. Aufgrund dieser Argumente dürfte er schlussendlich auch den Auftrag vom Land Tirol erhalten haben.“

Laut dem Geschäftspartner sei es auch Herwig gewesen, der die Zusammenarbeit mit dem Salzburger Unternehmen aufgekündigt habe - es habe Qualitätsmängel gegeben, zudem seien keine marktüblichen Preise verlangt worden.

Polit-Wogen in Tirol gehen hoch

Sicher ist auf alle Fälle: Die ganze Causa lässt die politischen Wogen in Tirol wieder massiv hochgehen. Die Liste Fritz etwa will, dass die Zusammenarbeit - der Vertrag für die Testungen läuft bis Juni 2021 - nicht verlängert wird. Überdies fordert sie Einsicht in den Vertrag.

dp/red.

Rubriklistenbild: © Expa/Johann Groder/dpa

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