Sieben deutsche Urlauber in Luttach überfahren

Nach Todesdrama: Schockierendes Gerichtsgutachten gibt Unfallopfern Mitschuld

Unfallwagen nach tödlichem Unfall in Luttach
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Das von den Carabinieri Bozen herausgegebene Foto zeigt den Unfallwagen, der auf eine Mauer aufgefahren ist. Betrunken und vermutlich zu schnell - so fuhr ein Südtiroler in eine Gruppe junger deutscher Touristen. Am Tag danach starb ein siebtes Opfer im Krankenhaus.

Luttach/ Bozen - Sieben Menschen verloren am 5. Januar ihr Leben, als Stefan L. mit dem Auto in eine Menschengruppe junger Skifahrer in Luttach fuhr. Derzeit muss er sich dafür vor Gericht verantworten - doch ein Gutachten könnte nun eine unerwartete Wende in seinem Fall bringen.

  • Ein Audi rast am Sonntag, 5. Januar, gegen 1 Uhr in Luttach/Südtirol in Reisegruppe
  • Der Fahrer, Stefan L., ist alkoholisiert und zu schnell unterwegs
  • Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr vor Gericht verantworten
  • Ein Gerichtsgutachter gibt die Mitschuld den Unfallopfern

Mit wohl sehr hoher Geschwindigkeit krachte der 27-jährige Mann mit seinem Audi in eine Gruppe Ski-Urlauber, die gerade aus dem Bus ausgestiegen war. Sechs junge Menschen starben sofort, eine weitere Person kurze Zeit später im Krankenhaus. Der Fahrer musste zunächst in ein Gefängnis in Bozen und befindet sich seitdem unter Hausarrest im Kloster Neustift. Er hatte zum Unfallzeitpunkt 1,97 Promille. Sein Mandant habe nicht gemerkt, dass er so stark alkoholisiert gewesen sei, beteuerte sein Anwalt damals.

Wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr steht Stefan L. vor Gericht. Dort wurde nun ein Gutachten eingereicht, berichtet die Neue Südtiroler Tageszeitung. Einer seiner Anwälte, Alessandro Tonon, ist mit diesem augenscheinlich höchst zufrieden und erklärt, dass es für seinen Mandanten nicht schlecht aussehe. Erstellt wurde das Gerichtsgutachten vom Veroneser Verkehrsexperten Luigi Cipriani. Er rekonstruierte darin den schrecklichen Unfall. Satte 90 Stundenkilometer sei Stefan L. am 5. Januar gefahren. Zunächst ging man von 100 km/h aus - erlaubt sind an der Unfallstelle gerade mal 50.

Dennoch geht der Gutachter von einer Mitschuld der Unfallopfer selbst, sowie des Busfahrers aus. Der Grund: Stefan L. habe gar nicht mehr rechtzeitig bremsen können, denn die Urlauber seien nicht auf dem beleuchteten Fußgängerüberweg über die Straße gegangen, sondern kurz dahinter im Dunkeln, berichtet die Bild.

Für die Hinterbliebenen der Unfallopfer dürfte das ein herber Schlag sein. Sie hatten zuletzt von der Versicherung von Todesfahrer Stefan L. hohe Schmerzensgelder versprochen bekommen. Kein großer Trost. Berichten im Februar nach, sollte jedes Elternteil für den Verlust ihres Kindes bis zu 331.000 Euro bekommen. Geschwister und Großeltern sollten bis zu 141.000 Euro erhalten. Auch die Verletzten sollten entschädigt werden.

jv

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