Bis zu drei Meter Neuschnee

Schneechaos in Tirol und Kärnten: Höchste Lawinengefahr - Schnee am Montag auch in Bayern erwartet

Schneemassen liegen nach einem Lawinenabgang am Großvenediger in Osttirol in einem Schafstall. Laut Polizeiangaben wurden vier Häuser sowie ein Fahrzeug beschädigt. Personen wurden nach ersten Informationen nicht verletzt.
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Schneemassen liegen nach einem Lawinenabgang am Großvenediger in Osttirol in einem Schafstall. Laut Polizeiangaben wurden vier Häuser sowie ein Fahrzeug beschädigt. Personen wurden nach ersten Informationen nicht verletzt.

Tirol/Kärntnen - Schnee, so weit das Auge reicht. Meterhoch über Nacht, die Straßen dicht, Häuser abgeschnitten, Stromleitungen zerstört. Eine Schneewalze überrollte am Samstag Kärnten und Tirol. Und es schneit weiter …

Update, 17.15 Uhr - Schneechaos in Tirol und Kärnten: Schnee am Montag auch in Bayern

In Südtirol herrscht weiter Schneechaos, in Tirol drohen immer noch größere Lawinen - in Bayern soll der Schnee noch kommen. Im Alpenraum haben Neuschneemassen am Wochenende den Verkehr teils zum Erliegen gebracht. Betroffen war auch der Brenner-Pass zwischen Österreich und Italien. In Südtirol waren Zugverbindungen unterbrochen und auch die Brennerautobahn teilweise gesperrt. Die Strecke ist die wichtigste Verbindung von Italien über Österreich nach Süddeutschland. 

Patrick Werth befreit mit einer Schaufel sein Auto von den Schneemassen. Große Neuschneemengen haben in Teilen der Alpen zu erheblichen Verkehrsproblemen und höchster Lawinengefahr geführt. In Osttirol in Österreich wurde die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen.

In ganz Südtirol gebe es viele Stromausfälle, teilte der Zivilschutz in Bozen mit. Rund 1400 Feuerwehrleute seien seit Sonntagfrüh im Einsatz. In Osttirol in Österreich wurde die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Es sei mit spontanen Lawinen, „vereinzelt auch extrem großen“ zu rechnen, so die Behörden. 

In Prägraten am Großvenediger ging am Samstag ein Schneebrett ab und beschädigte vier Häuser und ein Fahrzeug. Niemand wurde verletzt, wie die Polizei mitteilte. Etwa 100 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Schneemassen überraschten auch eine Herde Schafe in einem Stall und türmten sich in einer Wirtsstube. In Tirol waren am Sonntag rund 3500 Haushalte ohne Strom, weil Bäume auf Stromleitungen gefallen waren. 

Kolsass: Erde liegt nach einem Erdrutsch an einem Hang in Tirol. Große Neuschneemengen haben in Teilen der Alpen zu erheblichen Verkehrsproblemen und höchster Lawinengefahr geführt.

Viele Bergstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar oder ganz gesperrt, darunter der Plöckenpass oder die Zufahrt ins Lesachtal in Kärnten. Die Lage sollte sich nur langsam entspannen. Auch am Sonntag wurde regional mehr als ein Meter Neuschnee erwartet.

Bis zu drei Meter Neuschnee: Chaos in Tirol und Kärntnen

Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra

In Bayern war die Lage am Wochenende überschaubar. Erst in der Nacht zu Montag sollte es wieder schneien. Insbesondere in Schwaben, in Teilen Oberbayerns und im westlichen Franken erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Schnee. Dort soll es ab den Abendstunden bis in die frühen Morgenstunden schneien. Zudem warnt der DWD vor Glätte und Frost. Autofahrer werden gebeten, genug Zeit im Morgenverkehr einzuplanen. 

Zwischen den Allgäuer Alpen und dem Mangfallgebirge seien bis Montag früh bis zu 25 Zentimeter Neuschnee möglich, im Hochgebirge zum Teil bis 50 Zentimeter. Am Tag soll es dann aber kaum noch regnen oder schneien. Laut DWD liegen die Höchstwerte zwischen 0 Grad im Allgäu und 7 Grad in Mainfranken.

Am Wochenende meldete die Polizei nur kleinere Glätteunfälle in Bayern. Im Landkreis Miltenberg in Unterfranken musste die Polizei am Samstag mehrfach ausrücken, weil Fahrzeuge von der Straße gerutscht waren. Ein Wagen blieb in einem Graben hängen. Ein anderer Autofahrer prallte gegen ein Verkehrsschild. Es sei aber in allen Fällen nur zu kleineren Verletzungen der Autofahrer gekommen, teilte die Polizei mit. Auch im Landkreis Aschaffenburg krachte es auf winterlichen Straßen einige Male. 

Update, 10.55 Uhr - Schneechaos in Südtirol: Zugverkehr am Brenner steht still

Der Lawinenwarndienst rief am Sonntag für Osttirol die höchste Warnstufe 5 aus. Es sei mit spontanen Lawinen, „vereinzelt auch extrem großen“ zu rechnen, hieß es in dem Bericht.

An steilen Hängen seien unterhalb von rund 2600 Metern große und sehr große Gleitschneelawinen zu erwarten. Am Sonntag sollte bis zu 110 Zentimeter Neuschnee fallen.

Wegen heftiger Schneefälle in Südtirol sind Zugverbindungen am Brenner unterbrochen. Auch die Brennerautobahn auf der wichtigen Verbindung zwischen Italien und Österreich war am Sonntag teilweise gesperrt.

Auf der Zugstrecke zwischen Brenner und Bozen gebe es Sperrungen, teilte die italienische Eisenbahngesellschaft RFI am Sonntag mit. Seit Samstagabend ist auf der Brennerautobahn die Nordspur von Sterzing bis zur Grenze wegen Lawinengefahr gesperrt, wie der Zivilschutz in Bozen mitteilte. In ganz Südtirol gebe es einen „Flickenteppich“ an Stromausfällen. In einigen Gegenden galt die höchste Lawinenwarnstufe. Rund 1400 Feuerwehrleute seien seit Sonntagfrüh im Einsatz.

Erstmeldung, Sonntag (6. Dezember): Schneechaos in Tirol und Kärnten

Mölltal versinkt im Schnee.

Nach teilweise heftigen Schneefällen am Samstag hat sich die Wettersituation über Nacht nicht beruhigt: Nach dem stark getroffenen Osttirol kam es spätabends und in der Nacht auf Sonntag wie erwartet auch in Nordtirol zu Problemen, Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen.

In den Tälern liegt jetzt bereits mehr als ein Meter Neuschnee. Aufgrund der Lawinengefahr wurden in Großkirchheim (Kärnten) zwei Häuser evakuiert. Die Bewohner wurden von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht. Die Zufahrt ins Lesachtal von Kötschach-Mauthen in Oberkärnten musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Bis Sonntag könnten es drei Meter Neuschnee werden. Das Tal ist nur noch über Osttirol erreichbar.

Das Mölltal ist ebenfalls im Notbetrieb. Das Bundesheer stellte 100 Soldaten und mehrere Hubschrauber für Unwettereinsätze ab. Im Zuge der starken Schneefälle stürzten in Osttirol mehrere Bäume auf Stromleitungen. Rund 3.500 Haushalte waren ohne Strom. Sechs Gemeinden mit insgesamt 19 unversorgten Trafostationen waren betroffen.

Bis zu drei Meter Neuschnee: Chaos in Tirol und Kärntnen

Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra
Schneechaos im Mölltal
Mölltal versinkt im Schnee © vifogra

Zahlreiche Unfälle - teils mit Sommerreifen

Gegen 22.35 Uhr stürzte in Gries am Brenner ein Baum aufgrund der Schneelast auf ein Auto. Der Lenker blieb zum Glück unverletzt, am Fahrzeug aber entstand hoher Sachschaden. Während der Unfallaufnahme stellte der Einsatzleiter der Feuerwehr fest, dass noch weitere Bäume aufgrund der Schneelast auf die B182 stürzen könnten und nach Absprache mit der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck wurde die Straße gesperrt

In Scharnitz kam es trotz der Schneewarnungen am Samstag zu einem Unfall mit Sommerreifen. Der Lenker des Pkw stürzte in eine Straßenböschung. Zum Glück wurde er nicht verletzt, das beschädigte Auto wurde von den Einsatzkräften geborgen. Auch auf der Inntalautobahn bei Telfs ereignete sich in der Nacht ein ähnlicher Unfall: Ein Autofahrer geriet mit Sommerreifen auf der verschneiten Fahrbahn in Fahrtrichtung Zirl ins Schleudern. Auch hier wurde zum Glück niemand verletzt.

Bezirkshauptfrau appelliert: „Bitte bleiben Sie zuhause“

Nach der Lagebesprechung der Bezirkseinsatzleitung Samstagnachmittag appellierte Bezirkshauptfrau Olga Reisner an die Osttiroler Bevölkerung, unnotwendige Wege zu vermeiden und zuhause zu bleiben: „Da die intensiven Schneefälle nach wie vor anhalten, ersuche ich die Bevölkerung, unnötige Wege zu vermeiden und zuhause zu bleiben. Unsere Blaulichtorganisationen und der Straßendienst leisten großartige Arbeit und haben die Lage unter Kontrolle. Wir bemühen uns um größtmögliche Sicherheit und sind bestens vorbereitet.“

Reisner weiter: „Aufgrund der Witterungsverhältnisse haben bereits einige Osttiroler Gemeinden die flächendeckenden Testungen im Zuge der Aktion `Tirol testet‘ auf den Feiertag am kommenden Dienstag, 8. Dezember, verschoben. Die Gemeinden können die Lage vor Ort am besten einschätzen, die Sicherheit der Bevölkerung geht vor.“

Seit 16 Uhr am Samstag ist die B 108 Felbertauernstraße zwischen Matrei in Osttirol und Mittersill wegen starker Schneefälle gesperrt. Somit ist ein Passieren des Felbertauerntunnels nicht möglich. Die Dauer der Sperre ist derzeit noch nicht absehbar.

Schnee und Wind verhindern Super-G der Damen in St. Moritz

Mit Neuschneemengen von achtzig Zentimeter um sechs Uhr in der Früh und starkem Wind ist den Organisatoren und der Jury am Samstag in St. Moritz nichts anderes übrig geblieben, als den Super-G der alpinen Ski-Damen abzusagen. Ebenso den Bewerb am Sonntag. Diese Anordnung erfolgte laut Internationalem Skiverband auf Anweisung des Instituts für Wald, Schnee und Lawinen in Davos.

„Die Komplettabsage ist natürlich sehr bitter. St. Moritz ist ein Ort, wo ich sehr gerne fahre“, sagte Nicole Schmidhofer. „Alle haben sich schon so gefreut, dass es endlich los geht. Wir haben die Riesen- und Slalomfahrer schon gesehen, endlich wären wir dran gewesen“, bedauerte die Österreicherin.

mh/Land Tirol

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