Almwirt vor Gericht

Nach tödlicher Kuh-Attacke in Tirol: Witwer will 260.000 Euro

Kuh auf einer Weide
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Eine 70-jährige wurde 2017 von einer Kuh getötet.

Erl/Kufstein - Weil seine Frau 2017 auf einer Alm von einer Kuh getötet wurde, klagt ein Witwer nun gegen den Almwirt.

Zum wiederholten Male beschäftigt sich ein Tiroler Gericht mit einer tödlichen Kuh-Attacke. Im Juli 2017 wurde eine 70-jährige Wanderin im Kranzhorngebiet im Gemeindegebiet von Erl von einer Mutter-Kuh getötet, jetzt will ihr Witwer 260.000 Euro vom Almwirt vor Gericht erstreiten.

Helga H. aus Kirchdorf war mit ihrer Cousine und zwei kleinen Hunden auf dem Rückweg von der Kranzhornalm, als das Unglück geschah. Die beiden Frauen begegneten gleich zu Beginn des Abstiegs einer Herde Mutterkühe, die sie vorher nicht gesehen hatten. Weil Helga H. mit Kühen aufgewachsen war, wusste sie, dass die Tiere ängstlich auf Hunde reagieren können und versuchte, ihren Vierbeiner anzuleinen, berichtet österreich.at.

Doch da war es schon zu spät. Eine Kuh stieß die Frau um, sie stürzte zu Boden. Auch der Hüttenwirt und mehrere Ersthelfer, die sofort zur Stelle waren, konnten Helga H. nicht mehr helfen. Der gerufene Notarzt versuchte noch, sie zu reanimieren, doch vergebens.

Strafrechtlich gab es keine Konsequenzen für den Almwirt, denn dem Tierhalter seien keinerlei Sorgfaltswidrigkeiten nachzuweisen, erklärte die Staatsanwaltschaft damals bei einem Prozess. Denn, so die Einschätzung im Prozess, das Unglück dürfte passiert sein, als Fotos im eingezäunten Bereich gemacht wurden. Auch Schilder seien Aufgestellt gewesen.

Doch nun steht die Verjährungsfrist kurz bevor. Und bevor diese verstreicht, klagte der Witwer von Helga H. Er sei seit dem Tod seiner Frau ein gebrochener Mann und auf Hilfe angewiesen, berichtet österreich.at. 260.000 Euro Schadensersatz fordert er nun vom Almwirt. Denn der habe seiner Meinung nach gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen. Nach der Tragödie habe er den Weg schließlich auch eingezäunt, das wäre auch früher möglich gewesen.

Im Mai diesen Jahres entschied ein Gericht in einem ähnlichen Fall, dass zumindest eine Teilschuld bei einem Almwirt läge.

Fast sechs Jahre zuvor war eine Wanderin aus Rheinland-Pfalz in Tirol ebenfalls tödlich von einer Kuh verletzt worden. Der  Oberste Gerichtshof (OGH) in Wien entschied damals, dass das vorherige Urteil aus Salzburg bestehen bleibe. Der Landwirt hätte um die Gefährlichkeit der Mutterkühe wissen müssen, so die Begründung.

jv

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