Bürgermeister verärgert über marode Straße

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Flickwerk und Buckelpiste: Der Nußdorfer Bürgermeister Sepp Oberauer (rechts) und sein Amtskollege Josef Trost aus Neubeuern zeigen, wie schlecht der Zustand der Staatsstraße 2359 ist.

Nußdorf/Neubeuern - Die Verärgerung bei Nußdorfs Bürgermeister Sepp Oberauer und seinem Neubeurer Amtskollegen Josef Trost über den maroden Zustand der Staatsstraße 2359 ist groß. Eine Sanierung ist aber nicht in Sicht!

Mit einer kurzfristigen Generalsanierung ist wegen fehlender Finanzmittel des Freistaates Bayern dennoch nicht zu rechnen. "Seit 20 Jahren kämpfen wir schon um den Ausbau und eine teilweise veränderte Trassenführung", seufzt Oberauer wohlwissend, dass dieser Kampf noch eine Weile weitergehen dürfte. Bei der jüngsten Fortschreibung des Straßenausbauplans für Bayern hat das Innenministerium das Projekt nur in die Stufe 1R aufgenommen. Eine kurzfristige Verwirklichung der Maßnahme käme laut Oberauer damit nur dann infrage, wenn ein anderes größeres Straßenbauprojekt im Landkreis Rosenheim, das bereits genehmigt ist und für das auch die Finanzmittel bereitstehen, kurzfristig nicht verwirklicht werden könnte. "Diese Hoffnung habe ich nicht", sagt das Nußdorfer Gemeindeoberhaupt. Laut Ausbauplan ist mit einer Generalsanierung jedenfalls erst im Zeitraum zwischen 2020 und 2025 zu rechnen. Sie würde neben dem Vollausbau der Straße auch Änderungen an der Trassenführung, eine neue Entwässerung sowie das Anlegen eines parallel zur Staatsstraße verlaufenden Geh- und Radwegs beinhalten.


Weil der Freistaat kein Geld hat, sich der Zustand der Straße aber laufend verschlechtert, muss die rund vier Kilometer lange Trasse möglichst bald mit einer neuen bituminösen Tragschicht versehen werden. Und selbst für diese Maßnahme dürften die Mittel nach Oberauers Einschätzung frühestens 2013 zur Verfügung stehen. Genau aus diesem Grund drängt die Gemeinde Nußdorf jetzt darauf, dass wenigstens möglichst rasch eine Geschwindigkeits-Beschränkung von bisher 80 auf 60 Kilometer pro Stunde vorgenommen wird.

Der entsprechende Antrag liegt dem Landratsamt Rosenheim als Genehmigungsbehörde bereits vor. "Wir warten derzeit auf den Beschilderungsplan des Staatlichen Bauamtes, der Voraussetzung für eine verkehrsrechtliche Anordnung ist", sagt Pressesprecher Michael Fischer. Er geht davon aus, dass das Landratsamt dem Antrag stattgeben wird und die Geschwindigkeits-Begrenzung ab Frühjahr nächsten Jahres gilt. Dann sei es von der Witterung her auch möglich, die benötigten Schilder aufzustellen.


Bürgermeister Josef Trost aus Neubeuern befürwortet diese Maßnahme zwar auch, dennoch ist er "mehr als verärgert" darüber, dass der dringend notwendige Vollausbau der Straße vom Innenministerium nicht mehr für dieses Jahrzehnt vorgesehen ist. "Ich kenne ganz wenige Staatsstraßen, die so schlecht sind wie diese. Und nur ganz wenige, bei denen die betroffenen Gemeinden vom Staat so lange hingehalten werden", wettert Trost. Er könne diese Haltung jedenfalls nicht verstehen.

Katja Winkler von der Pressestelle des Bayerischen Innenministeriums kann in der Fortschreibung des Ausbauplans für die Staatsstraßen keine Benachteiligung der Gemeinden Nußdorf und Neubeuern erkennen. Man habe zur Ermittlung der Dringlichkeit aller Maßnahmen ein "gesamtwirtschaftliches Bewertungsverfahren" angewandt, dessen Kernkomponente eine Kosten-Nutzen-Analyse sei. Daraus errechne sich ein Faktor, der für die Reihung der Dringlichkeit aller Projekte im Bereich der Staatsstraßen in ganz Bayern ausschlaggebend sei. Maßnahmen ab einem Faktor von 1,0 würden "grundsätzlich als bauwürdig" gelten. Für die Staatsstraße 2359 sei im Hinblick auf die Dringlichkeit des Vollausbaus der Faktor 2,6 errechnet worden. "Erst wenn alle Maßnahmen der ersten Dringlichkeit umgesetzt seien, könnten die beiden Gemeinden laut Winkler mit dem Start dieser Baumaßnahme rechnen.

Josef Trost wird wie Bürgermeister Oberauer weiter für den schnellstmöglichen Vollausbau der Trasse kämpfen, wenngleich er auch eine Befürchtung damit verknüpft. "Man muss fairerweise dazu sagen, dass der Schwerlastverkehr auf dieser Straße nach einem Ausbau mehr werden könnte." Eine bituminöse Tragschicht aufzubringen, um wenigstens die ärgsten Schäden zu beheben, birgt für Trost auch eine Gefahr. "Ich befürchte, dass dieses Geld zum Fenster hinausgeworfen wird."

Oberbayerisches Volksblatt

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