Deutsche Wanderin war 2014 nach Angriff verstorben

Tödliche Kuh-Attacke im Stubaital: Gerichtshof bestätigt Teilschuld des Landwirts

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Innsbruck/Wien - Fast sechs Jahre nach der tödlichen Kuh-Attacke auf eine 45-jährige Wanderin aus Rheinland-Pfalz hat der Oberste Gerichtshof (OGH) in Wien die rechtliche Beurteilung des Unglücks nun abgeschlossen.

Für große Aufregung hatte Ende Februar 2019 das Urteil gegen einen Tiroler Landwirt gesorgt. Laut dem Urteil soll dieser aufgrund von Fahrlässigkeit mit Schadensersatz und Hinterbliebenenrenten in einer Höhe von insgesamt rund 490.000 Euro haften, nachdem im Sommer 2014 eine 45-jährige deutsche Urlauberin im Pinnistal von einer Kuhherde zu Tode getrampelt worden war. Begründung des Urteils war, dass der Landwirt seine Tiere entlang eines Wanderweges nicht eingezäunt hatte.


Der Oberste Gerichtshof (OGH) in Wien hat nun die rechtliche Überprüfung des Falles abgeschlossen, nachdem mehrfach gegen das Urteil Berufung eingelegt worden war. Laut jetzigem Urteil bleibt es bei der Berufungsentscheidung des Innsbrucker Oberlandesgerichts von August 2019. Demnach sind für den Unfall zur Hälfte der Landwirt als Tierhalter und das Todesopfer als Hundehalterin verantwortlich.

Tödliche Kuh-Attacke im Stubaital: OGH bestätigt Teilschuld des Landwirts

Zur Begründung führte das OGH aus, dass der Landwirt um die Gefährlichkeit seiner Mutterkühe wissen musste: „Zu dieser relativen Gefährlichkeit der Tiere kam die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Schädigung im Bereich um Almgebäude und das Gasthaus.“ 


Laut OGH hätte der Bauer als Tierhalter darauf reagieren müssen. "Bei besonderen und örtlich eingegrenzten Gefahren sind auch im Almgebiet die Anforderungen an die erforderliche Verwahrung und Beaufsichtigung von Tieren erhöht und zumutbare zusätzliche Sicherungsmaßnahmen zu fordern. Entsprechende Warnschilder aufzustellen reicht dabei nicht generell aus, im Einzelfall müssen auch Wanderwege abgezäunt werden." Die Abzäunung entlang der Straße zur Alm sei „zumutbar und belastet die im allgemeinen Interesse liegende Beweidung von Almflächen nicht unbillig.“

Die Hundehalterin hätte wiederum sowohl die Warnschilder als auch Abstandsregeln ignoriert. „Hundehalter müssen über die damit verbundenen Gefahren Bescheid wissen und sich dementsprechend verhalten“, so der OGH. Ehemann und Sohn bekommen somit monatliche Renten (606 Euro bzw. 176 Euro) sowie 53.911 Euro bzw. 23.750 Euro an Schadenersatz.

mh

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