2500 klingende Pfeifen

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Rosenheim (OVB) - Zur Weihe der neuen Orgel in der St.-Nikolaus-Kircheerklingen am Sonntag 2500 Pfeifen. Mit einem Festgottesdienst weiht Domkapitular Josef Obermaier das Instrument ein.

Vor 14 Jahren wurde der Bau beschlossen. Am Nikolaustag findet der Umbau der Kirche jetzt seinen Abschluss.

Besondere Ereignisse am 6. Dezember haben in der St. Nikolauskirche Tradition. Vor drei Jahren führte Kardinal Friedrich Wetter am Festtag des heiligen Nikolaus die Altarweihe durch, vor einem Jahr machte Erzbischof Reinhard Marx seinen Antrittsbesuch. 2500 Pfeifen werden an diesem Sonntag in der Kirche erklingen, wenn Organist Konrad Heimbeck beim Festgottesdienst auf der neuen Orgel spielt. Domkapitular Josef Obermaier wird das neue Instrument einweihen. Dann findet der langjährige Umbau der Stadtpfarrkirche endlich einen gelungenen Abschluss.

Heimbeck ist begeistert von der neuen Orgel. Die Qualität sei überragend. Er empfindet das Instrument als Herausforderung mit hohem Anspruch, die ihn jedoch ansporne, weil es immer wieder neue Sachen zu entdecken gebe. 41 Register und drei Manuale bietet die neue Orgel, die von der Firma Reil aus Holland gefertigt wurde. Deshalb entspricht das Instrument eher dem norddeutschen Typus.

Für die Herstellung verwendeten die Orgelbauer nur natürliche Materialien. Dadurch wird die Orgel langlebiger, so dass sie ein Instrument für mehrere Generationen werden kann, wie Hans Reil schon zu Baubeginn versprach. Er verwies auch darauf, dass sein Großvater Johann Reil, der die Orgelbauwerkstatt 1934 gegründet hatte, ein gebürtiger Münchener war. Die Orgelbauer aus Heerde in den Niederlanden orientierten sich am klassischen Stil aus dem 18. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist, dass sie alle Teile der acht Meter hohen Orgel in der eigenen Werkstatt fertigten.

Über 2500 Orgelpfeifen sorgen für optimalen Klang.

„Die Orgel ist ein modernes Instrument, das dennoch klassisch ist“, sagt Kirchenmusiker Heimbeck. Für ihn sei sie ein besonderer Mosaikstein in der Orgellandschaft zwischen München und Salzburg in der zentralen Pfarrei im Südosten Oberbayerns.

Auch die Besucher der Kirche sind von der neuen Orgel begeistert: „Wir haben bisher nur positive Reaktionen“, so Heimbeck. Vor dem Bau waren nicht alle begeistert. Pfarrer Andreas Maria Zach fragte sich zunächst, ob der Orgelbau im Zuge des über sieben Millionen Euro teuren Umbaus der Kirche vernünftig sei. Allerdings zerstreuten sich alle Bedenken, als er den Klang der Orgel zum ersten Mal erlebte. Mittlerweile ist er stolz und betont, dass das Instrument höchsten Ansprüchen genüge.

Vor vier Jahren wurde der Bauvertrag für die Orgel unterzeichnet. Mehr als 30 Jahre dauerte zuvor die Diskussion über eine Restaurierung der alten Orgel. 1995 entschloss die Kirchenverwaltung sich für einen Neubau. Beim Abbau der alten Orgel zeigte sich, dass sie nur noch Schrottwert hatte, so der damalige Pfarrer Andreas Zehentmair. Deshalb holte man Angebote von fünf Orgelbauern ein. Nach vielen Besichtigungen erhielt schließlich die Firma Reil den Zuschlag. Durch die Renovierung der Kirche musste die Planung geändert werden. Die Orgelbauer passten das Instrument an die neue Akkustik der Kirche an.

Für die Finanzierung gründete sich ein Orgelbauverein, um die Kosten aufzubringen, welche die Pfarrei selbst bezahlen musste. Der gesamte Bau kostete über eine Million Euro. Das Projekt finanziert sich vor allem durch Spenden. Die Stadt Rosenheim hat auch einen beträchtlichen Teil beigesteuert. Im Moment fehlen jedoch noch immer über 200.000 Euro.

Der Vereinsvorsitzende des Orgelbauvereins, Dr. Dr. Günter Wenz, verwies nach der Vertragsunterzeichnung vor vier Jahren auf das große Renommee der Orgelbauer, die bereits Orgeln für die Wiener Apostelkirche und die Klöster Melk anfertigten. In der Osterwoche besichtigte der Verein die Arbeiten in Heerde. Dort wurde die Orgel aufgebaut, bevor sie wieder auseinandergenommen und in die Kirche eingebaut wurde. Dieser Vorgang ist beim Orgelbau üblich.

Der Einbau der Orgel begann im Juni mit der Aufstellung des Orgelgehäuses. Ein Spezialist beschäftigte sich daraufhin über sechs Wochen mit der Intonation, um den 2500 Pfeifen den optimalen Klang zu verleihen.

Mario Lochner (Oberbayerisches Volksblatt)

Rubriklistenbild: © cs

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