Nach 29 Jahren: „Herr Walbert, ade“

+

Bad Aibling – Dass offizielle Verabschiedungen keineswegs protokollhaft ablaufen müssen, bewiesen die Macher der kleinen Feier in der St. Georg-Volksschule zu Ehren ihres Rektors Josef Walbert.

Nach 29 Jahren im Amt und insgesamt 40 Jahren Beruf wechselte er von einem bewegten Schulleben in ruhigere Gewässer – in den Ruhestand. Dafür, dass er „seine“ Schule zu einem Ort der Menschlichkeit, des respektvollen Umgangs miteinander geprägt hat, erhielt er Anerkennung von allen Seiten. Das Lehrerkollegium würdigte sein Wirken mit einem „Walk of Fame“, einem Stern im Steinboden der Aula.


„Tut es auch weh, Herr Walbert ade“ sang der Schulchor den Refrain in einem eigens für Josef Walbert getexteten Lied (Leitung: Bettina Klötzl) und winkte dem Rektor noch einmal zu – eine von vielen an diesem Nachmittag gezeigten Wertschätzungen, die nicht lapidar mit der Überreichung der „Entlassungsurkunde“ aus dem aktiven Schuldienst zu umreißen war.

Das verdeutlichte Schulrat Peter Huber. Sach- und fachkundig sei Josef Walbert gewesen, ein konstruktiv-kritischer und loyaler Partner, den Kindern ein zugewandter Lehrer und den Eltern gegenüber verlässlich. Er habe das Profil der Schule geformt. Bildungsoffensive, Wiedergewinnung des Erzieherischen und „neue Lehrer braucht das Land“ – diese Schlagworte der 60-er Jahre haben Huber zufolge auch heute Bestand.


Lob für Sparsamkeit

Beispielhaftes habe die Generation der 60er Jahre geleistet bei den Leitgedanken „Leistungsbereitschaft, Selbstdisziplin, Ordnung und Selbstentfaltung der Persönlichkeit“, bekräftigte der Schulrat und ging kurz auf die Vita Walberts ein: In Landsberg am Lech am 4. Februar 1945 geboren, Abitur in Rosenheim 1966, Studium in München bis 1969, erste Lehrerstelle an der Volksschule Johanniskirchen, später an der Hauptschule Kolbermoor, in Großkarolinenfeld, in Vagen und Heufeld, bis er 1977 Seminarleiter wurde und dann 29 Jahre lang Rektor der St. Georg-Schule.

Bilder vom Abschied

 © Mischi
 © Mischi
 © Mischi
 © Mischi
 © Mischi
 © Mischi
 © Mischi

Als exzellenten Grund- und Hauptschullehrer bezeichnete Bürgermeister Felix Schwaller den scheidenden Schulleiter, zugleich Vorsitzender des BLLV (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband). Schwaller lobte ihn als einen „sparsamen“ Mann, der seine Schule stets in Schuss gehalten habe (beides zur Freude der Stadt als Sachaufwandsträger) und überreichte dem passionierten Motorradfahrer, Reisefan und Kunstliebhaber als Abschiedsgeschenk ein Bild des Malers Peter Tomschiczek.

Ein besonders partnerschaftliches Verhältnis verbindet die Schule St. Georg und die gleichnamige Pfarrei. Es sei ein Geben und Nehmen gewesen, betonte Dekan Hans Speckbacher. Er erinnerte an die gegenseitige Unterstützung bei den Umbauten, wo die Pfarrgemeinde der Schule und umgekehrt die Schule der Gemeinde bei Raumnot ausgeholfen habe. Es sei Josef Walbert gewesen, der eines Tages die Idee gehabt habe, statt des Stacheldrahtzauns zwischen den beiden Grundstücken ein „Gartentürl“ einzubauen. St. Georg sei eine Schule, die offen für Religion sei und einen großen Horizont habe. Mit einem Bild vom gemeinsamen Namenspatron dankte der Dekan dem Schulleiter für die ehrliche und offene Zusammenarbeit.

Schule als Wohlfühlort

Das „gemeinsame Werk“, den Aufbau der Mittagsbetreuung an der St. Georg-Schule, ließ Elke Netscher Revue passieren. Vor fünf Jahren habe man mit neun Schülern begonnen, heute würden bereits 48 betreut. Die Vorsitzende des Elternbeirats übergab als Präsent in dessen Namen eine Skulptur von Künstler Uwe Huber (ein fischender Vogel) – passend zu Josef Walberts Hobby Fischen. Konrektor Klaus Kögel-Sebald hatte eingangs dem „Kapitän des Schulschiffs“ den Dank der ganzen Schule ausgesprochen und den Chef als „Workaholic“ skizziert – Ruhe und Stand seien kaum vorstellbar, erklärte er.

Für das Lehrerkollegium blickten Günter Kirschner und Alois Hackmeier zurück auf die gemeinsamen Jahre. Ihrem Rektor bescheinigten sie die Fähigkeit, aus der Schule einen Ort des Wohlfühlens und der Geborgenheit gemacht zu haben – kurzum: eine Heimat. Und: „Wir Lehrer fühlten uns hier immer respektiert, der Chef hat in allen Belangen immer hinter uns gestanden.“ Mit einer Diaschau von Tier-Impressionen und den dazu „zündenden“ Sprüchen sorgten sie für Heiterkeit.

„Es ist einfach schön, alles ist wunderbar“, freute sich der Geehrte über die bewegende Abschiedsstunde und gestand, gerne Lehrer gewesen zu sein. Er schaue jetzt erwartungsvoll auf seinen „Unruhestand“, habe aber nach 29 Jahren auch einen persönlichen Wunsch: Dass seine Schule weiterhin ein Ort der Menschlichkeit sein möge. Auch in Bad Aibling könne man sich der Schulreform nicht verschließen, blickte er voraus, Strukturen mit Ganztagszweigen und bereits diskutierten Schulverbänden seien die neuen Ansätze.

Anknüpfend an die 2003 installierte Schulsozialarbeit – „unschätzbar“ – wünschte sich der scheidene Rektor mehr dieser Hilfen, auch mehr Konsequenz in der Erziehung durch das Elternhaus sowie mehr Wertevermittlung und vor allem „dass Kinder ab der dritten Klasse nicht in die Mangel kommen und unter Druck geraten.“ Zur weiteren Auflockerung der Feier trugen die Schüler und Lehrer instrumental und vokal bei. Die symbolische Schlüsselübergabe durch Josef Walbert an seinen Nachfolger Helmut Elsner kommentierte letzterer so: Walbert habe eine gute Vorarbeit geleistet und ihn gut vorbereitet. Er sehe selbst seine Zeit als Rektor der Hauptschule Feldkirchen-Westerham rückblickend als ein Training für seine neue Aufgabe an.

von Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

Kommentare