Absprache: milde Strafe für Chinesen

Kolbermoor/München - Der Chinese Yihe M. hat gestanden, in Kolbermoor Industiespionage betrieben zu haben. Trotzdem kann er jetzt mit einer Bewährungsstrafe rechnen - Grund: Absprachen im Gericht!

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Chinese gesteht Spionage

Kolbermoor/München - Den Chinesen Yihe M. (42), der wegen Industriespionage in Kolbermoor auf der Anklagebank des Landgerichts München II sitzt (wir berichteten), erwartet eine milde Strafe.

In einer Absprache einigten sich die Richter, der Staatsanwalt und die Verteidiger darauf, dass der 42-Jährige mit einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren davonkommt, wenn er ein Geständnis ablegt und eine Entschädigung von 80.000 Euro an den ausspionierten Industrie-Betrieb bezahlt. Außerdem müsse er seine schweren Vorwürfe gegen die Firma zurücknehmen. Der Angeklagte stimmte diesem "Deal" zu.

Also gestand der Chinese den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass er Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse verraten habe: "Ja, ich habe Aufnahmen gemacht." Der chinesische Unternehmer und die weltweit tätige Firma Rieder Faserbeton-Elemente mit Sitz in Kolbermoor wollten zusammen ein 20-Millionen-Dollar-Bauprojekt in Peking stemmen. Die Firma sollte Fassadenelemente aus Glasfaserbeton liefern, auf die sie spezialisiert ist. Die Chinesen wollten die Stahlverankerung liefern.

Die Kolbermoorer boten den Chinesen eine Blitzbesichtigung der Werkshallen an - unter der Voraussetzung absoluter Geheimhaltung. Der 42-Jährige unterschrieb. Zum Besichtigungstermin im August kamen aber nicht - wie vereinbart - zwei Techniker, sondern Yihe M. selber. Als der Rundgang startete, nahm er eine Minikamera aus der Hosentasche, befestigte sie am Gürtel und filmte heimlich die Produktionsabläufe.

Vor Gericht nahm der Chinese außerdem die Anschuldigungen zurück, die er den Kolbermoorern zu Prozessauftakt gemacht hatte. Seine Verteidiger hatten vermutet, in dem Verfahren solle ein "Exempel" an einem "chinesischen Vorzeigespion" statuiert werden. Sie hatten sogar behauptet, dass ihm die Firma eine Falle gestellt habe. Außerdem sei sie nicht in der Lage, Fassadenteile herzustellen. Der chinesische Unternehmer und die Firma aus Kolbermoor schlossen einen zivilrechtlichen Vergleich. Der Chinese soll möglichst schnell die 80.000 Euro bezahlen. Sobald die Entschädigung überwiesen ist, wird das Landgericht das Urteil sprechen - voraussichtlich am 4. Dezember.

Nina Gut (Oberbayerisches Volksblatt)

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