Ärger mit Käfer und Fäulnis

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Dachboden "Ausgleichsamt": Auch in dieser Ecke hauste der Hausschwamm. Die Treppe kommt später weg, der Bereich davor wird durch eine Glaswand abgetrennt und zum Besprechungsraum.

Bad Aibling (MB) - Das Haus Am Klafferer "lebt": durch einen Käfer namens Hausbock. Er weilt mit dem bereits entdeckten Hausschwamm, einem Pilz, im Dachstuhl des ehemaligen Ausgleichsamtes - das zu einem zweiten Rathaus werden soll.

Seit Wochenbeginn rückt eine Spezialfirma den Schädlingen zu Leibe. Das Verwaltungsgebäude Am Klafferer soll bis November saniert und umgebaut sein. Dann will die Stadtverwaltung dorthin umziehen und das Rathaus am Marienplatz räumen. Für dessen Neubau wird in Kürze der Vorentwurf vorgestellt.

Der Hausschwamm ist in vielen Teilen des Dachstuhls (Am Klafferer) bereits beseitigt, der Rest soll bis Wochenende abgeschlossen sein. Mitarbeiter der Würzburger Fachfirma Löppel tränkten dazu die befallenen Holzbalken in einem letzten Schritt mit einer Spezialflüssigkeit, ein mehrmaliger Vorgang. Sehr gut zu sehen ist das Wüten des Hausschwamms im Dachboden, Bereich ehemaliges WC. Das Entlüftungsrohr, das durchs Dach führte, war Architekt Kaspar Zehetmayr zufolge etwa 50 Jahre lang undicht gewesen, Wasser hier stetig heruntergelaufen. Nun wurde der Putz eineinhalb Meter breit aufgeklopft und aufgeatmet: In den Ritzen des Mauerwerks hing der Schwamm nicht.

Der Befall durch den Hausbock bleibt Fachleuten zufolge lange Zeit unentdeckt, da außer ovalen Ausflugslöchern von etwa vier bis sieben Millimeter Größe ein Befall rein äußerlich nicht festzustellen ist.

Zurzeit stockt diese Bekämpfung, da bei Minusgraden (auch nachts) nicht möglich. Denn dann kann der Dachstuhl nicht aufgeheizt werden - der befallene Balken muss eine Temperatur von mittig 60 Grad für eine Stunde haben. "Nur dann geht der Hausbock kaputt", so Peter Kuhn von der Fachfirma.

Neuer Keller, später Archiv: Von hier werden Zimmerböden im Parterre aufs Niveau angehoben und tragfähig gemacht.

Pilz und Käfer - das ist nicht alles an unliebsamen Überraschungen auf dem Dachboden: Im Raum, wo später das Liegenschaftsamt seinen Sitz haben soll, fault das Holz, sogar Quer- und Tragebalken sind darunter. "Völlig morsch", stellt Zehetmayer fest, eine einzige Schraube hält das Gebälk. Hier bleibt nur die Erneuerung.

Einige Ecken weiter, im langgezogenen, späteren Besprechungsraum, müssen zwei Tragebalken entfernt und die Statik an anderer Stelle verstärkt werden. Die Balken stehen mitten im Raum. Eine Glaswand trennt später den "Besprechungsraum" von anderen Amtszimmern - Licht braucht's, acht zusätzliche Dachfenster (vom Denkmalamt genehmigt) sollen hier oben dafür sorgen. Die seitliche Wand des "Besprechungsraums" wird bis in den Spitzboden verlängert und dieser dadurch verschlossen.

Ein "Husarenstück" ist der neue Keller, der nach Maueraufbruch auf der Nordseite freigelegt wurde - bis gestern auf einer Länge von etwa 13 Metern, weitere 7,50 Meter folgen. 300 Kubikmeter Kies, Sand, Splitt werden dort herausgeholt. Der Untergrund bekommt zum Abschluss dieser Maßnahme Isolierung, Bodenplatte und Estrich, die Leuchten aus dem "Ausgleichsamt" (60-er Jahre) werden hier aufgehängt - fertig ist das Archiv der Stadtverwaltung.

Neuer Keller, später Archiv: Von hier werden Zimmerböden im Parterre aufs Niveau angehoben und tragfähig gemacht.

Die Freilegung des Kellers erleichtert die Arbeiten an Zimmern im Erdgeschoss/Westseite. Denn: Von unten her können die Zimmerböden um fünf Zentimeter angehoben und damit aufs notwendige Niveau im Parterre gebracht werden. Ein "Abwasch", da die Bodenbalken verfault sind und neue Balken mit Spanplatten und Trageelementen eingesetzt werden. Die Türöffnungen, einst nur 90 auf 2,01 Meter groß, wurden erweitert auf 1,30 auf 2,30 Meter, die Türblätter werden nach ihrem "Aufpolieren" wieder verwendet, auch das alte Eichenholzparkett - wie neu in einem Raum schon zu bewundern.

Der Klafferer soll ab Mitte/Ende November für die gesamte Stadtverwaltung als Dienstgebäude herhalten, wobei zusätzlich Bürocontainer aufgestellt werden müssen.

Architekt Kaspar Zehetmayr und Peter Kuhn (Fachfirma aus Würzburg) zeigen im Raum des späteren Liegenschaftsamtes die Schäden durch Fäulnis. Das muss alles raus.

Danach wird das Rathaus am Marienplatz in Angriff genommen. Im Stadtrat am nächsten Donnerstag (28. Januar) soll Projektleiter Robert Hösle (Behnisch Architekten) den Vorentwurf präsentieren. Das Konzept hatte er im Dezember den vier Fraktionssprechern vorgestellt. Es basiert auf dem bekannten funktionalen Raumprogramm mit Atriumbereich samt Freitreppe und Lift im Erdgeschoss sowie einem avisierten Durchgang vom Marienplatz zum Mühlbach nebst Brückenschlag etc. (wir berichteten). Läuft alles planmäßig, wird Architekt Stefan Behnisch in der Ratssitzung vom 29. April dann die Entwurfs- und Genehmigungsplanung (dann mit Fassadengestaltung) "servieren".

Das Konzept der Behnisch Architekten schließt der Verwaltung zufolge den Abriss des Rathaus-Verbindungsbaus ein. Erfolgt dies, kann der Neubau weiter zur Rosenheimer Straße gerückt werden und der Durchgang zwischen Rathaus und Sparkasse breiter ausfallen. Die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling als Eigentümer des Verbindungsbaus hat in dieser Frage Offenheit signalisiert. Stadt und Bank einigten sich auf die Erstellung eines Gutachtens (bezahlt die Stadt). Es ist der Sparkasse zufolge inzwischen fertiggestellt und wird derzeit geprüft. Anschließend sollen die Gespräche mit der Stadt fortgesetzt werden. "Dies wird in naher Zukunft sein."

Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

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