Ärgernis: Verstümmelte Bäume

Verstümmelter Ahorn in der Marienbader Straße.

Bad Aibling - Verstümmelt, morsch, gefällt. Jährlich werden unzählige Bäume falsch zugeschnitten. Einem Ahornbaum in Bad Aibling rückte ein Hausmeister derart zu Leibe, dass gegen ihn ein Bußgeldverfahren eingeleitet wurde.

In der Marienbader Straße steht er, der verstümmelte Ahorn. Ein herbeigerufener Fachmann hat ihn zwar nachgeschnitten, aber ob er die Prozedur des Hausmeisters überlebt hat, ist noch unklar. "Jammerschade ist das und ärgerlich", sagt Peter Stefan, Leiter des städtischen Bauhofs und Baumexperte.

Obwohl Verstöße gegen die im August 1991 beschlossene Baumschutzsatzung mit einem Bußgeldbetrag von maximal 25000 Euro geahndet werden können, sieht er viel zu oft Bäume, die falsch zugeschnitten wurden.

Laien verursachen ihm zufolge damit nicht nur einen ästhetischen Schaden am Baum, der "Schneidepfusch" hat weitreichendere Folgen: Falsch gewählte Schnittstellen können Wasser ziehen, faulen dann und lassen den Baum morsch werden.

Aufgrund dessen kann einige Jahre später keine Bruchsicherheit mehr gewährleistet werden und der Baum wird zum Opfer der Motorsäge.

Für Peter Stefan ist das unverständlich, schließlich bieten Obst- und Gartenbauvereine immer wieder Baumschneidekurse an. "Die Leute können doch auch einfach zum Hörer greifen und sich Rat im Bauhof holen", sagt er.

Grundsätzlich wäre ein Zuschneiden gar nicht erforderlich, würden die Menschen die Pflanzstelle des Baumes ausreichend durchdenken: Ist der Abstand zwischen Baum und Haus ausreichend? Wohin wird er seinen Schatten werfen? Steht er auf der Nord- oder Südseite des Hauses? Fragen, die im Nachhinein viel Ärger ersparen können.

Eine Firma hat sich diese Frage bei der Pflanzung einer Rotbuche in der Marienbader Straße (Südseite) zum Leidwesen der Anwohner scheinbar nicht gestellt. Die Betroffenen fordern jetzt die Fällung des Baumes, weil die Beschattung ihrer Meinung nach mittlerweile nicht mehr tragbar sei. Der Wunsch komme jedoch mit der Baumschutzsatzung der Kurstadt in Konflikt, erklärt der Baumexperte. Danach kann jeder Baum, der in einer Stammhöhe von einem Meter einen Umfang von 100 Zentimetern hat, nur mit Genehmigung gefällt werden, Privatgrund als Standort spielt da keine Rolle. Wer geschützte Bäume fällt, hat mit Bußgeld zu rechnen.

Das mussten im März bereits zwei Bürger erfahren, die auf ihrem eigenen Grund ungenehmigt zwei Bäume fällten, das Verfahren läuft. Welche Bußgeldhöhe sie erwartet, ist ungewiss, da der Betrag je nach Wert des Baumes stark variiert. Wie Peter Stefan erläutert, werde dieser mit der "Methode Koch" ermittelt. Aufgrund dieser Wertbestimmung sei es in der Vergangenheit bereits möglich gewesen, Gerichtsverfahren zu gewinnen und Bäume zu retten, so der Bauhofleiter.

Solange man sich auch beim Zuschneiden an ein paar Grundregeln hält, läuft man nicht Gefahr, zur Kasse gebeten zu werden: Nicht jede Baumart könne in der gleichen Jahreszeit zugeschnitten werden und auch die Schnittstelle sei von Bedeutung, so Peter Stefan. Er rät, den Schnitt an der Basis am Stamm zu setzen oder den Ast am Ableiter zu entfernen.

Darunter versteht man die "Verzweigung" zweier Äste. Häufigster Fehler sei es, dass Laien einen Stammparallelschnitt vornähmen, so der Stadtgärtner. Die Äste sollten jedoch immer in einem schrägen Winkel zum Stamm entfernt werden. Was Kronenschnitte betrifft, ist es laut Baumexperte sinnvoll, einen Fachmann zu engagieren.

Auch die Hecke rückt nun wieder ins Blickfeld der Gartenbesitzer, für einen Zuschnitt ist es allerdings schon zu spät. So weist Peter Stefan auf das Naturschutzgesetz hin, in welchem das Schneiden der Hecken ab 15. März untersagt ist, da zwischen März und September die Vögel Nester bauen und in den Hecken brüten.

cde/Mangfall-Bote

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