Bürgerkrieg verhinderte Austausch

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Arabische Köstlichkeiten, wie hier beim Seminar auf der Fraueninsel zubereitet, wird es auch am Montag geben.

Bad Aibling - Einen Austausch mit Jugendlichen aus Syrien plante das Gymnasium Bad Aibling. Doch dieser scheiterte an der Bürokratie und dem Bürgerkrieg.

Im Rahmen des P-Seminars unter der Leitung von Birgit Mölter sollte eine syrische Umweltgruppe in die Kurstadt kommen und sich ein Bild von der deutschen Kultur und den umwelttechnischen Unternehmen der Region machen. Alles war von Schülerhand organisiert. Doch der Austausch scheiterte an der Bürokratie und vor allem an der Ausnahmesituation in diesem Land.

Den Teilnehmern des P-Seminars steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Das ist schon frustrierend. Immerhin haben wir neun Monate auf diesen Austausch hingearbeitet und jetzt scheitert alles an der Bürokratie", berichtet Bianca Kumbein. Sie und ihre Mitschüler hatten schon alles für die syrische Umweltgruppe organisiert: Termine für Firmen, die mit Umwelttechnik arbeiten, wurden vereinbart, Unterkünfte und Ausflüge für die Gäste organisiert und vor allem hatten sie schon eine große Summe an Spendengelder eingesammelt, ohne diese das Vorhaben gar nicht möglich gewesen wäre.

Dass der Antrag auf Fördergelder vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD) bewilligt wird, schien nur noch Formsache, denn einen Austausch mit Syrien hatte es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Voller Vorfreude habe sich das Seminar auf den Besuch aus Nah-Ost vorbereitet und unter anderem arabisch gekocht und eine Moschee besucht. "Wir wollten uns ja wenigstens ein bisschen in die Gewohnheiten der Syrer hineinversetzen", so eine Schülerin.

Die Schüler des P-Seminars bereiteten sich auch mit einem Besuch in einer Moschee auf ihre Gäste vor

Im März des vergangenen Jahres dann der große Schock. "Vor Ostern erhielten wir einen Anruf vom Auswärtigen Amt, das aufgrund der aktuellen Sicherheitslage davon abriet, die Syrer nach Deutschland einzuladen. Gleichzeitig erhielten wir vom PAD mündlich die Auskunft, dass unser Förderantrag wegen der aktuellen Sicherheitslage derzeit nicht befürwortet werden kann", erinnert sich Birgit Mölter. Für die Lehrerin sei es natürlich klar gewesen, dass die Syrer ohne Empfehlung des PAD kein Visum für ihren Aufenthalt bekommen würden. "Unsere Austauschpartner hatten dann ja gar keinen offiziellen Grund mehr, nach Deutschland zu kommen. Außerdem fehlte uns ohne die Fördergelder eine große Summe, um den Austausch überhaupt finanziell stemmen zu können", erklärt sie.

Das Schlimmste sei gewesen, die eingesammelten Spendengelder wieder zurückzugeben. "Wir waren so kurz davor und dann stehst du doch mit leeren Händen da", so Bianca Kumbein.

Ursprünglich war auch geplant, dass die Aiblinger Schüler nach Syrien reisen. Doch diese Idee verflog angesichts der politischen Situation im Land schnell: "Als wir im September 2011 angefangen haben, uns mit dem Projekt zu befassen, gab es in Syrien auch schon die ersten Unruhen."

Man habe zuerst Briefkontakt mit den Austauschpartnern aufgenommen. "In Syrien haben ja nur die wenigsten einen freien Internetzugang. In ihren Briefen baten uns die Jugendlichen, nichts Politisches zu schreiben", schildert eine Seminarteilnehmerin die damalige Situation. Die dortige Umweltgruppe sei komplett unpolitisch und distanziere sich bewusst von politischen Inhalten. "Wer weiß, welche Folgen das für sie gehabt hätte, wenn sie uns über die politische Situation in ihrem Land berichten", erzählt sie.

Auf alle Fälle nehmen die Aiblinger Seminarteilnehmer jetzt die Schreckensmeldungen über das Land ganz anders war: "Wenn man in der Zeitung liest was in diesem Land los ist, dann ist es immer so weit weg. Aber wenn man dann die Stimmung der Briefe wahrnimmt, ist man betroffen. Es sind ja auch viele Einzelschicksale in Syrien betroffen."

Irgendwo fühle sich jeder auch ein wenig verantwortlich. Immerhin habe sich das Seminar über ein Jahr konkret mit dem Land und dessen Menschen beschäftigt. Der Briefkontakt bestehe weiterhin und dadurch versuche das Seminar, die Austauschpartner so gut wie es geht zu unterstützen.

Trotz des großen Frusts über den gescheiterten Austausch, will die Gruppe ihr Seminar nicht ohne etwas Vorzeigbares beenden. Darum hat sie für Montag, 28. Januar, einen groß aufgezogenen syrischen Abend vorbereitet. Hier erhält das Seminar unter anderem die Unterstützung von Christian Springer, der vielen als "Der Fonsi" ein Begriff ist. Der Kabarettist ist beim Verein "Orienthelfer" sehr engagiert und zögerte nicht lange, der Veranstaltung ein Gesicht zu geben.

"Wir freuen uns riesig auf Christian Springer und seine Orienthelfer. Die haben alle viel Erfahrung und können uns bestimmt einen guten Einblick in die Situation Syriens geben", meint Bianca Kumbein. Neben den Orienthelfern wird an diesem Abend auch ein buntes Musikprogramm auf die Beine gestellt und es gibt zahlreiche arabische Köstlichkeiten zum Essen.

"Wir hoffen, dass durch diesen Abend viele Leute ein Gefühl für arabische Länder wie Syrien bekommen und vor allem hoffen wir natürlich, dass zahlreiche Leute erscheinen", sagt das P-Seminar. #

bok/Mangfall-Bote

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