Lebt die Fledermaus am Kollersberg?

Bad Aibling - Am Kollersberg ist eine großräumige Wohnbebauung vorgesehen. Jetzt meldete sich aber die Unteren Naturschutzbehörde.

Jetzt geht es um den Artenschutz am Kollersberg. Auf dem Areal an Rosenheimer/Milchhäuslstraße, auf dem großräumige Wohnbebauung vorgesehen ist, könnten sich nach Meinung der Unteren Naturschutzbehörde Lebensräume streng geschützter Tierarten befinden. Insbesondere Fledermäuse, aber auch bestimmte europäische Vogelarten könnten durch das Vorhaben bedroht sein. Daher ist nun noch eine Artenschutzprüfung erforderlich.

Bevor diese Prüfung (laut Verwaltung bereits in Auftrag gegeben) nicht erfolgt ist, kann das laufende Bebauungsplanverfahren nicht zum Abschluss gebracht werden. Sollte das Ergebnis eine Bedrohung der Tierarten ausschließen und bis zur Stadtratssitzung am 28. Februar vorliegen, könnte jedoch der Satzungsbeschluss gefasst werden, empfahl der Bauausschuss jetzt mit 7:3 Stimmen. Nicht ohne jedoch über weitere Punkte noch einmal eingehend zu diskutieren.

So wunderte sich Richard Lechner (SPD), dass die Wandhöhen im Plan von 6,0 auf 6,20 beziehungsweise 9,0 auf 9,30 Meter "gewachsen" seien, ohne dass die politischen Gremien darüber informiert worden seien, geschweige denn darüber befunden hätten. Die Änderungen seien durch eine Erhöhung der Tiefgarage, die, wie berichtet, aus dem Boden herausragt, entstanden, erklärte Bauamtsleiter Andreas Krämer. Er habe ein Plus von 20 Zentimetern als tolerabel angesehen, da eine Erhöhung in dieser Größenordnung kaum wahrnehmbar sei.

Stefan Roßteuscher (ÜWG) ärgerte sich: "Immer wieder gibt es etwas bei diesem Vorhaben. Einwände werden vom Tisch gewischt und hinten rum kommt dann doch wieder etwas daher." Er habe nicht das Gefühl, dass die Stadt hier Herr des Verfahrens sei. Das könne man auch nicht in vollem Umfang sein, erklärte Bürgermeister Felix Schwaller. Schließlich benötige man dringend die öffentlichen Pendler-Stellplätze, die im Zuge dieses Vorhabens entstehen. Hätte man dies nicht via Bebauungsplanverfahren gelöst, hätte der Bauwerber rechtlich gesehen wesentlich dichter bauen können (wir berichteten) und die Stellplätze wären verloren gegangen.

Roßteuscher monierte aber auch mangelnde Rücksichtnahme auf die Topografie. Unter anderem hatte die Untere Naturschutzbehörde nämlich noch darauf hingewiesen, dass sich im östlichen Bereich ein Baumbestand befinde, der in der Bayerischen Biotopkartierung als Teil des "Leitenwaldes der Glonn mit Laubwäldern" charakterisiert sei. Um die Bäume an diesem ortsbildprägenden Hangbereich dauerhaft zu erhalten, forderte die Behörde eine so genannte Windwurfzone von mindestens 20 Metern vom Biotop aus. Dies dürfe nicht bebaut werden. Das bedeutet, dass geplante Baukörper entsprechend nach Westen verschoben werden müssen.

Die Verwaltung merkte jedoch an, dass zwischen geplanter Bebauung und Baumbestand weitere elf Bäume als Ergänzung des Biotops gepflanzt würden, wodurch eine Freistellung des Baumbestandes vermieden werde.

Sollte es dennoch zu Schäden durch Windwurf kommen, würden diese durch die Pflanzungen von der Bebauung abgehalten. Somit sei die geforderte Windwurfzone nicht erforderlich. Das sei bereits, wie die Bauverwaltung versicherte, mit der Naturschutzbehörde bereits abgeklärt. Roßteuscher hätte dies allerdings gerne bis zur Stadtratssitzung auch schriftlich vorliegen.

Für Dieter Bräunlich (ÜWG) wird in diesem Fall "wieder der zweite Schritt vor dem ersten gemacht". Mit dem Artenschutz-Gutachten könnten seiner Meinung nach schließlich noch gravierende Änderungen einhergehen. Auch versäumte er nicht, darauf hinzuweisen, dass durch die Art der Bebauung in seinen Augen der "einzigartige Kollersberg" verschandelt werde. Auch Max Leuprecht (GOL) prangerte die Pläne erneut als "drittklassige Lösung an dieser prominenten Stelle" an.

Weitere Hinweise von Trägern öffentlicher Belange nahm der Ausschuss ohne größere Diskussionen zur Kenntnis. So muss laut Feuerwehr die Zufahrt uneingeschränkt für deren Fahrzeuge möglich sein. Vor allem dürfen keine Bäume im Zufahrtsbereich der Drehleiter stehen. Dass einen Neuverlegung von Telekommunikationsanlagen in diesem Bereich derzeit nicht geplant sei, teilte Kabel Deutschland mit. Man würde jeoch ein entsprechendes Angebot zur Verfügung stellen, wenn sich die Bauwerber an einer Mitfinanzierung beteiligen.

Das Landesamt für Denkmalpflege verwies auf das nahe gelegene Baudenkmal "Arztvilla" an der Rosenheimer Straße 55. Aus gesetzlichen Gründen müsse das Landratsamt bei Planungen und Genehmigungsverfahren in unmittelbarer Nachbarschaft oder im Nähebereich beteiligt werden. Redaktionell noch festgesetzt werden muss laut Bauabteilung des Landratsamtes, dass die Terrassengeschosse keine Vollgeschosse sein dürfen.

Auf die grüne Hangkante ging noch einmal der Bund Naturschutz Bayern ein. Um diese nicht zu entwerten, forderte auch er eine Verschiebung zweier Bauköper nach Nordwesten sowie eine Höhenreduzierung. Dazu hieß es allerdings seitens der Verwaltung, dass auf der Suche nach Kompromissen in der Vergangenheit die Höhen bereits reduziert worden seien. "Bei einer weiteren Verringerung wäre eine Wirtschaftlichkeit der Gesamtlösung aus Wohnbebauung und öffentlichen Stellplätzen nicht mehr gegeben." Auch ein weiteres Verrücken von Baukörpern sei auf Grund der einzuhaltenden Abstandsflächen nicht möglich.

Einwände hatte zudem die Hausverwaltung einer benachbarten Wohnungseigentümergesellschaft, vor allem wegen der Gebäude-Höhen. Dadurch sei eine harmonische Einfügung in das Gesamtbild der Umgebungsbebauung ausgeschlossen. Außerdem wird eine nachteilige Auswirkung auf den Lichteinfall befürchtet. Der Ausschuss aber hielt das Vorhaben für verträglich, die Abstandsflächen seien eingehalten. Das Gremium forderte abschließend, dass neben den Ergebnissen der Artenschutz-Prüfung bis zur Stadtratssitzung auch die städtebaulichen Vereinbarungen beurkundet sein müssen.

Eva Langwieder (Mangfall-Bote)

Rubriklistenbild: © pa

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