K.o.-Schlag: Im Juni eine neue Runde

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Lackiertes Holz für die Fassade des Rathauses: dem einen zu dunkel, der Kubus zu wuchtig - die Ratsmehrheit lehnte die Fassade ab.

Bad Aibling - Mit einer Überraschung endete die Sondersitzung „Neubau Rathaus am Marienplatz“: Der Stadtrat lehnte die Planung mehrheitlich ab.

Damit ist das Millionenprojekt vorerst vom Tisch - dort aber soll es im Juni wieder liegen. Kurz nach der Sitzung wurde hinter den Kulissen fieberhaft nach Lösungen gesucht. So soll das Büro Behnisch Architekten nun Alternativen zum bemängelten Entwurf (Fassade) erarbeiten. Formell kann dann über eine Ratsfraktion eine erneute Behandlung des Themas beantragt werden.

Lange schien alles nach "Protokoll" zu laufen: Architekt Robert Hösle (Behnisch Architekten) erläuterte in der Sitzung die Entwurfsplanung zum Rathaus. Sie basiert auf dem Vorentwurf, der im Januar dem Stadtrat vorgestellt wurde:

Ein kubusartiges Gebäude mit Atrium und Bürgerbüro im Parterre (und Wiedereinzug der Läden sowie Gastronomie), erster Stock: Bücherei mit Lesebalkon, zweite Etage: Standesamt, Sitzungssäle, Teeküche (neuer Standort) etc. Ins dritte Obergeschoss ziehen Personalraum (neu, statt Untergeschoss) sowie Sozialamt etc. ein.

Modern, (tages-)lichtdurchflutet und offen ist das geplante Rathaus im Innern.

Die Fassade war schon beim Vorentwurf minimal mit Fensteröffnungen versehen (Kostengründe), auch das lackierte dunklere Holz ein Vorschlag gewesen - der nicht ungeteilten Beifall fand. Die Ratsmehrheit (15:6) hatte zwar die Vergabe weiterer Planungsabschnitte beschlossen, Abänderung der monierten Punkte aber nicht. Die SPD hatte dagegen gestimmt, da sie nach wie vor ein Rathaus "unter einem Dach" präferiert.

Im Vergleich zum jetzigen Entwurf hatte sich optisch kaum etwas verändert. Das rief Kritik bei vier CSU- und zwei ÜWG-Stadträten hervor und war ein Kernpunkt für die Ablehnung der Planung. Die SPD (fünf anwesende Vertreter) stimmte aus bekannten Gründen dagegen. Bei 20 Stadträten (fünf entschuldigt) hatten damit GOL (zwei) und Rest-CSU keine Mehrheit. Somit fiel der Entwurf durch.

Diese Entwicklung begann schleichend. Markus Stigloher (CSU) monierte die in den oberen Büros verwendeten Rigips-Zwischenwände - "im dritten Stockwerk befindet sich immerhin das Sozialamt". Rigips wird aber laut Hösle verwendet, um das Gebäude leicht zu machen, da es auf den bestehenden Keller aufgesetzt werden muss - und der ist statisch nur bedingt zu verwenden.

Stigloher, schon im Januar Kritiker eines Flachdachs, zweifelte gerenell die Qualität von Flachdächern an. Thomas Höllmüller (CSU) verdeutlichte dies am Beispiel Bundeskanzleramt: "Da regnet es regelmäßig rein, peinlich, wenn die Bundesrepublik so etwas baut." Ein Flachdach würde überdies die Wuchtigkeit des Baukörpers unterstreichen.

Diese zweite Mängelrüge griff nicht nur CSU-Stadtrat Stefan Glas auf ("Die Kubatur ist ein Problem"), sondern auch Otto Steffl (CSU). Das Rahmenkonzept sei gut gelöst, doch bereite ihm die Außengestaltung Kopfzerbrechen. Sie sei zu massiv, der Kubus müsse "luftiger" werden.

Zwischenzeitlich lockerte die Atmosphäre auf: Da hatte Björn Röhle (Firma Transplan/Transsolar) über die Haustechnik informiert. Zum Beispiel Heizen im Winter, Kühlen im Sommer durch ein einziges Flächensystem. Dafür würden zwölf Sonden, welche die Erdwärme nutzen, im Abstand von fünf Metern und in zwei Reihen 100 Meter tief unter den Marienplatz gesetzt. Das Wasserwirtschaftsamt habe diesbezüglich keine Vorbehalte.

Beim mechanischen Lüftungssystem wird die Luft gefiltert über "Schächte" in die Räume geleitet. Diese "Austritte" können unter speziellen Teppichböden versteckt werden. Staubfrei tritt dort die Luft aus. "Teppichstaub dürfte sich nicht absetzen", so Röhle, was Dr. Birgitt Matthias (SPD) als "typisch männliche Antwort" quittierte und Heiterkeit hervorrief sowie Richard Lechner (SPD) zum Vorschlag einer zentralen Staubsauganlage verleitete.

Während Städträte wie Heidi Benda (GOL) und Erwin Kühnel (CSU) die Planung lobten - auch in punkto Einhaltung des vorgegebenen Kostenrahmens von 6,5 Millionen Euro - griff Dieter Bräunlich (ÜWG) die Forderung nach Alternativ-Vorschlägen für die Fassade auf. Man bewege sich auf acht Millionen Euro zu, der Klafferer (zweites Rathaus) koste drei Millionen Euro. Bei 37 Millionen Euro Schulden der Stadt sei deshalb die Frage: Könne man das dem Bürger zumuten?

Diese Dramatik sah Bürgermeister Felix Schwaller nicht, da die Kämmerei gewissenhaft arbeite. Der Stadtrat habe den Start der Maßnahme gewollt, nun befinde man sich mitten im Verfahren, hielt er entgegen.

Vier Optionen waren im Beschlussvorschlag aufgenommen: Lechners Idee eines Stegs über den Mühlbach mit Verbindung zur Münchner Straße; eine Zisterne zur Regenwassernutzung (WC-Spülung); eine zusätzliche Lüftungsanlage für Standesamt und Besprechungsraum; eine Wärmeversorgung mit elektronischer Kompressionswärmepumpe mit Ökostromvertrag durch die Stadtwerke (kostengünstig).

Dieser Entwurfs- und Genehmigungsplanung für 6,6 Millionen Euro (statt 6,5 Millionen, neuer Honorarkatalog für Planer) plus Abbruchkosten von 289.000 Euro plus Außenanlagen für 104.000 Euro sowie Einrichtungskosten - insgesamt rund 7,3 Millionen Euro - lehnte der Stadtrat mit 11:8 ab. Stefan Roßteuscher (ÜWG) musste sich der Stimme enthalten, da als Sicherheitsingenieur an der Planung beteiligt.

Morgen, Dienstag, wird die Verwaltung Gespräche mit Stefan Behnisch (Behnisch Architekten) führen. Das Büro soll laut Bürgermeister Schwaller Alternativen erarbeiten und in der Juni-Sitzung des Stadtrates vorstellen. Um dafür den Weg zu ebnen, bereitet die CSU einen Antrag auf Neu-Behandlung des Tagesordnungspunktes vor.

Elke Wrede-Knopp (Mangfall-Bote)

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