Optimieren ja - aber zu welchem Preis?

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In der Klinik Wendelstein informierten sich die Aiblinger Kommunalpolitiker über die Modalitäten zur Einführung eines Qualitätsmanagements.

Bad Aibling - Wie kann das Qualitätsmanagement in der Stadtverwaltung verbessert werden? Diese Frage bereitet in Bad Aibling Kopfzerbrechen.

Vor der Entscheidung steht erst einmal die Begriffsdefinition: Darüber, was genau unter dem für die Stadtverwaltung vorgesehenen Qualitätsmanagement zu verstehen ist, gingen in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses die Meinungen ziemlich auseinander. Die Frage, ob das Ganze professionell und mit verhältnismäßig hohem Kostenaufwand aufgezogen werden soll oder man mit Schulungen und Fortbildungen genauso zum Ziel kommen könnte, wird nun den Stadtrat in seiner heutigen Sitzung beschäftigen.

Grundsätzlich hatte der Ausschuss die Einführung des Qualitätsmanagements im November befürwortet. Zuvor wollte man sich allerdings noch bei der Deutschen Rentenversicherung Bund vor Ort über ein derartiges Procedere informieren, denn die Zahl der Beschäftigten in deren Klinik Wendelstein ist mit der Stadt Bad Aibling samt Außenstellen vergleichbar. Der Info-Besuch fand Mitte Januar statt (wir berichteten).

Abgeschreckt sah sich das Gremium nun jedoch von den Kosten in Höhe von 45000 Euro im ersten Jahr (Folgejahre: 30000 Euro), von denen im Sachvortrag die Rede war. Bürgermeister Felix Schwaller selbst bekundete, mit den Kosten ein Problem zu haben.

Er räumte aber Handlungsbedarf ein. Der Druck auf die Stadtverwaltung wachse zunehmend. Schwaller berichtete von vielen Krankheits- und Burnout-Fällen in sämtlichen Bereichen vom Kindergarten über den Bauhof bis zum Rathaus. In jedem Fall stünden auch Schulungen hinsichtlich Konfliktbewältigung und Kommunikation an. Zusammen mit einem Fortbildungsangebot sei dies in seinen Augen ein gangbarer und kostengünstigerer Weg, um die Qualität der Abläufe innerhalb der Verwaltung zu verbessern. "Dafür würde der Haushalt auch ausreichen", meinte er mit Blick auf die Ausgaben.

Otto Steffl, der die Einführung des Qualitätsmanagements beantragt hatte, und Thomas Höllmüller (beide CSU) warnten davor, Fortbildungsmaßnahmen mit Qualitätsmanagement zu verwechseln. "Qualitätsmanagement beschreibt Abläufe und Prozesse, an die sich jeder zu halten hat", erklärte Höllmüller, der ebenso wie Steffl von eigenen Erfahrungen mit der Einführung eines Qualitätsmanagements in seinem Betrieb berichtete.

Beide CSU-Räte hielten überdies Kosten von rund 15000 Euro für realistisch und zeigten sich davon überzeugt, dass in der Stadtverwaltung 80 bis 90 Prozent dessen, was für ein Qualitätsmanagement wichtig sei, ohnehin bereits vorhanden seien. Was wiederum Dr. Birgitt Matthias (SPD) zu der Frage führte, wozu man dann noch 15000 Euro ausgeben sollte, wenn ohnehin schon fast alles Erforderliche vorliegt. Ihre Meinung: "Man sollte den Fachkräften in der Verwaltung schon etwas zutrauen und nicht nur Papier volldrucken lassen wie bei zig Konzepten, bei denen man auch nur denkt, das hat man schon zehnmal gelesen, weil immer nur die selben Sprechblasen verwendet werden."

Dagegen argumentierten Steffl und Höllmüller: "Es geht nun in erster Linie darum, die Abläufe zu steuern und in einem Qualitätshandbuch zu dokumentieren."

Die Verwaltung hatte sich bei ihrer Kostenberechnung auch an den Erfahrungen der Deutschen Rentenversicherung Bund orientiert. Dort sei eine Halbtagskraft aus den Reihen der eigenen Beschäftigten freigestellt worden, um das Management sinnvoll umzusetzen. Kostenpunkt: 25000 Euro jährlich. 5000 Euro seien für Schulungskosten angesetzt. Hinzu seien im ersten Jahr 15000 Euro für eine externe Fachkraft zur Hilfestellung und Beratung für zirka zwei Tage monatlich gekommen.

Gerade aber über die Notwendigkeit dieser externen Fachkaft gab es auch geteilte Ansichten. "Niemand kennt die Abläufe im Rathaus besser als diejenigen, die dort arbeiten", hieß es auf der einen Seite. "Jemand muss das Ganze anleiten", meinte wiederum Kurdirektor Thomas Jahn, als er zu den Erfahrungen mit der Einführung des Qualitätsmanagements bei der Aib-Kur befragt wurde. Man habe in das Engagement der Mitarbeiter investiert und Qualitätscoaches ausgebildet. Mit dem Erfolg zeigte er sich auf ganzer Linie zufrieden.

Rosemarie Matheis (ÜWG) hielt es für fraglich, ob Bad Aibling in Sachen Qualitätsmanagement unbedingt landkreisweit die Vorreiterrolle übernehmen müsse, wenn die Kosten so hoch seien. Schließlich seien die Sachgebietsleiter nun ohnehin für dieses Thema sensibilisiert. Ins gleiche Horn stieß Richard Lechner (SPD): "Verbesserungswürdige Dinge müssten doch durchaus von der Verwaltung selbst zu regeln sein." Und auch Heidi Benda (GOL) bekundete Skepsis und Zweifel an der Effizienz der vorgeschlagenen Maßnahme.

Letztlich traf der Hauptausschuss, wie von Konrad Gartmeier (CSU) angeregt, keine Empfehlung zu diesem Sachverhalt. Die Entscheidung darüber soll der Stadtrat in seiner Sitzung am heutigen Donnerstag (18 Uhr, großer Sitzungssaal des Bürgerhauses) treffen.

Eva Langwieder (Mangfall-Bote)

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