Mit Kiwanis Aufbauarbeit leisten

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Dieser große Fischkutter wurde während des Bebens den Rio Maule aufwärts auf die Straße geschwemmt.

Bad Aibling - Nein, mit 50 Jahren wollte er nicht "ausbrechen" oder sich selbst verwirklichen: Für den Aiblinger Arzt Dr. Eckard von Wedelstaedt, vor zwölf Jahren nach Südamerika übergesiedelt, lagen die Dinge einfacher.

Aus einem Urlaubsquartier wurde ein Zuhause - diktiert auch davon, dass der Arzt da noch seinen Praxis-Nachfolger selbst bestimmen konnte. Fortan betreibt von Wedelstaedt in Chile ein Hotel. Nach dem verheerenden Erdbeben startete er eine private Hilfsaktion, auch in Bad Aibling.

Die Verbindung mit der Heimatstadt, wo der Mediziner 22 Jahre lang praktizierte, war nie abgerissen. "Wie ein Zugvogel", sagt er, reise er für drei bis vier Sommermonate immer wieder ins schöne Bayern und genieße nicht nur das Wiedersehen mit Freunden - wozu auch der Kiwanis Club Via Julia gehört - und Familienangehörigen, auch sein altes Zuhause in Dred. Die Übersiedelung nach Südamerika war purer Zufall. Eine kleine Erbschaft und das Angebot für ein Grundstück in Nähe des zukünftigen Heims eines Patienten, der zurück nach Chile ging, bewogen zur Einrichtung eines Urlaubsquartiers - so wie andere in Mallorca oder den Canaren dem kalten heimischen Winter entfliehen. Eine "kleine Hütte" für die Familienurlaube war der Start in den ersten drei Jahren. Unsicherheiten über den Standort - an der Flanke des Vulkans Villarrica - verflogen bald. Vor 18 Jahren dann die Überlegung: Das ist auch etwas für Feriengäste. "Es gab keine nennenswerten Beschränkungen, etwas, was man in Deutschland schon lange nicht mehr hatte, dazu Preise, die einen eher übermütig werden ließen", beschreibt von Wedel-staedt den Aufbau eines Freizeitbetriebes.

Der Testlauf dafür gelang, Frau und Kind zogen gänzlich nach Pucn/Chile, der Internist selbst pendelte zwischen den Kontinenten, zwischen Praxis und Familie, hin und her. Als klar wurde, dass ab 1998 eine Praxisübergabe an einen Nachfolger nach eigener Wahl nicht mehr möglich sei - im Auge aber hatte er seine bisherige Vertreterin Dr. Schmidt -Wimmer. Konsequenz: vorzeitige Praxisübergabe und Übersiedelung zur Familie nach Chile. In Pucn bebte die Erde etwa drei Minuten lang mit einer Stärke von 7,1 auf der Richterskala. Familie von Wedelstaedt und ihr Hab und Gut blieben unversehrt, in direkter Nachbarschaft gab es vier Tote und zwölf eingestürzte Häuser, massive Schäden an Straßen und Versorgungsleitungen.

Der Hausberg, der Vulkan Villarrica, spie Steine und Dampf, es gab erhöhte Alarmstufe. "Die teils tragischen und grausamen Bilder sind in den ersten fünf Tagen international verbreitet worden", so von Wedelstaedt mit dem besorgten Hinweis, dass im Laufe der Zeit die Berichterstattung immer mehr abgenommen habe, das Erdbeben in Chile aus dem Blick gerate, Hilfe aber weiterhin dringend nötig sei - insbesondere für Fischerorte wie Iloca und Duao, die zu 95 Prozent weggerissen worden seien. Nach fast anarchischen Zuständen mit Plünderungen und Raub habe der Einsatz von Polizei, Militär, auch öffentlicher Berichterstattung, gefruchtet. Noch letzte Woche hatte von Wedelstaedt über die ständigen Nachbeben berichtet. Und über die ungeheure Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander, über die nach wie vor großen Zerstörungen von Brücken und Versorgungswegen, der in Schutt und Asche liegenden Hafenanlagen (wohl erst in vier Jahren behoben) und damit dem Zusammenbruch der Treibstoffversorgung.

www.kiwanis-hilft.over-blog.de

Von Elke Wrede-Knopp/Mangfall-Bote

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