Sozialarbeiter wegen Betrugs verurteilt

Bad Aibling - Wegen Betrugs wurde nun ein Sozialarbeiter vom Aiblinger Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Seine "Vogelstrauß-Taktik" führte nicht zum Erfolg:

Ein angebliches "Leihgerät" hatte er nach Meinung des Gerichts betrügerisch erworben.


Beruflich setzt sich der Angeklagte für andere ein. "Aber für mich selbst kriege ich nichts auf die Reihe." So schildert der 50-jährige, gebürtige Rosenheimer seine Verhältnisse. Im November sei sein fast neues Notebook durch ein umgestürztes Glas Wein beschädigt worden. Deshalb habe er das Gerät zu dem ihm gut bekannten Inhaber eines Computergeschäftes in Bruckmühl gebracht, der das reparieren (lassen) sollte. Dieser habe ihm für die Dauer der Reparatur ein anderes Gerät überlassen. Weil sein eigenes Notebook bis heute nicht zurück gekommen sei, habe er das Gerät eben behalten.

Über einen Kaufpreis sei, so der Angeklagte, nie gesprochen worden. Eine Rechnung oder Nachricht habe er nie erhalten. Einmal sei er angerufen worden. Damals sei er gerade beruflich beschäftigt gewesen, deshalb habe er gebeten, später erneut angerufen zu werden, schilderte er vor Gericht. Dies sei jedoch nie geschehen. Selbstverständlich hätte er das Gerät jederzeit wieder gegen sein repariertes Notebook zurück getauscht.


Ganz anders schilderte vor dem Amtsgericht Bad Aibling unter dem Vorsitz von Richterin Isabella Hubert der Geschädigte als Zeuge den Hergang: "Richtig ist, dass der Angeklagte, den ich seit 37 Jahren gut kenne, mit einem beschädigten Laptop zu mir kam. Weil ich mit meinen Mitteln den Fehler nicht beheben konnte, sandte ich das Gerät zum Hersteller ein. Dort teilte man mir mit, dass eine Reparatur etwa 350 Euro koste und dies den Wert des Gerätes übersteige."

Dies habe er seinen alten Freund telefonisch wissen lassen. Der sei daraufhin in sein Geschäft gekommen und habe erklärt, dass er ein Notebook brauche, sich aber nicht klar sei, ob sich in diesem Fall der Aufwand lohne. "Daraufhin stellte ich ihm einige zeitgemäße Geräte vor. Er bat mich, für ihn eines zu bestellen. Er müsse vorher nur abklären ob sein Arbeitgeber, die Caritas, die Kosten übernehme", so der Zeuge.

Als der Angeklagte wieder zu ihm kam, habe er das Gerät bestellt, jedoch erklärt, er müsse ein Zahlungsziel bis Januar haben, weil die finanziellen Möglichkeiten der Caritas für dieses Jahr erschöpft seien. "Ich habe ihm geglaubt und ihm das Gerät ausgehändigt. Die Rechnung, auf der er mir den Empfang per Unterschrift bestätigt hatte, ist beim Umzug nach der Geschäftsaufgabe leider verloren gegangen. Diese erscheint allerdings bei der Finanzamtabrechnung", betonte der Mann.

Desgleichen gäbe es Zeugen für das damalige Vorhandensein dieser Rechnung samt Unterschrift, die er auch benannte. In gleicher Weise schilderte er überzeugend, wie er den Angeklagten zweimal schriftlich gemahnt und schließlich durch ein Inkassounternehmen das Geld eintreiben wollte. "Bei einem Leihgerät wäre das herzlich sinnlos gewesen," betonte er. Zudem habe er ihm die notwendige Software auf dieses neue Gerät aufgespielt. "Leihsoftware gibt es nirgendwo auf dieser Welt."

Auch die Ehefrau des Geprellten erinnerte sich genau an das Geschehen, wie ihr Mann es damals geschildert habe. "Außerdem sind die Dateien alle noch auf unserem Computerprogramm von damals erhalten. Das ließe sich unschwer nachprüfen."

Dann stellte sich heraus, dass der Angeklagte niemals bei der Caritas gearbeitet hatte und dass er bereits 2008 die eidesstattliche Versicherung abgelegt hatte. Dazu kam eine lange Liste von Vorstrafen, bei denen auch Betrugsvergehen immer wieder vorkamen. Von der Richterin eindringlich befragt, kam der Angeklagte wohl in Bedrängnis, konnte sich aber dennoch nicht zu einem wirklichen Geständnis durchringen.

"Wenn auch nun bereits acht Jahre seit der letzten Strafe vergangen sind, so werfen die diversen Betrügereien und die lange Vorstrafenliste kein gutes Licht auf den Angeklagten", war die Staatsanwältin davon überzeugt, dass alle Vorwürfe aus der Anklageschrift voll zuträfen. Der Mann habe die alte Bekanntschaft ausgenutzt und wegen seiner prekären finanziellen Situation wissen müssen, dass er das neue Gerät nicht würde zahlen können. Sie forderte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten, die aber zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Dazu riet sie zu einer Geldbuße von 1500 Euro.

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Brigitte Geiger, verwies darauf, dass in diesem Handel - so es denn einer gewesen sei - so vieles unklar geblieben sei, dass sie nur einen Freispruch beantragen könne.

Das Gericht sprach den Sozialarbeiter schuldig. Selbst wenn es sich um ein Leihgerät gehandelt hätte, so dürfe er dennoch nicht in dieser Weise den Kopf in den Sand stecken. Andererseits seien die Ausführungen des Zeugen um so viel glaubwürdiger gewesen, dass eine Verurteilung zwingend war. Die Richterin ersparte dem Mann eine Gefängnisstrafe, die Geldstrafe von 4500 Euro wird ihn aber ebenso hart treffen.

au/Mangfall-Bote

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